Bekanntmachung der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend den Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht des Berufsvorbereitungsjahres an Sonderschulen (ausgenommen die Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder)
Präambel/Promulgationsklausel
Auf Grund des § 2 Abs. 2 des Religionsunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 190/1949, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. Nr. 256/1993, wird bekannt gemacht:
Der in der Anlage wiedergegebene Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht des Berufsvorbereitungsjahres an Sonderschulen (ausgenommen die Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder) wurde vom Evangelischen Oberkirchenrat A. und H. B. erlassen und wird hiemit gemäß § 2 Abs. 2 des Religionsunterrichtsgesetzes bekannt gemacht.
klassenweise aufsteigendes Außerkrafttreten (vgl. § 2 Z 2, BGBl. II Nr. 395/2019)
Anlage
Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht des Berufsvorbereitungsjahres an Sonderschulen (ausgenommen die Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder)
Allgemeines Bildungsziel:
Der evangelische Religionsunterricht berücksichtigt das allgemeine Bildungsziel der Allgemeinen Sonderschule. Er will die Schüler und Schülerinnen begleiten und ein Beitrag sein zu ihrer Befähigung, ihre persönlichen Lebens- und Berufsperspektiven zu entwickeln. Deshalb baut der Unterricht auf den persönlichen Erfahrungen der Schüler und Schülerinnen auf und versucht, diese im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung zu erweitern.
Er ist darauf ausgerichtet, die besonderen Bildungsaufgaben und die fachübergreifenden Lernbereiche (Unterrichtsprinzipien) zu beachten und umzusetzen. Das fächerübergreifende und projektartige Lehren und Lernen wird sich insbesondere in der Orientierungsphase anbieten.
Der Lehrplan ist ein Rahmenlehrplan, der als Grundlage für die eigenverantwortliche Arbeit der Lehrenden dient. Durch den Rahmenlehrplan soll gewährleistet sein, dass auf die jeweiligen Gegebenheiten und Voraussetzungen der einzelnen Schüler und Schülerinnen, der Unterrichtsgruppe und des Schulprofils eingegangen werden kann.
Lehrstoff:
Didaktische Leitfrage: Wer bin ich?
Kernstoff I:
Meine Wünsche, Gefühle, Erfahrungen und Bedürfnisse
Grundanliegen:
Die Schüler und Schülerinnen sollen lernen sich selbst mit allen Sinnen wahrzunehmen. So lernen sie sich als Subjekte ihres Lebens aufzufassen und nicht als Objekte hinzunehmen. Dies wird ermöglicht durch verschiedene Sinnes-, Wahrnehmungs- und Kommunikationsübungen. Die Schüler und Schülerinnen sollen erkennen, dass sie ihre Identität in der Begegnung mit Anderen entwickeln.
Mögliche Einzelziele:
– Einander kennenlernen und miteinander Kontakt aufnehmen
– Eigene Gefühle wahrnehmen und ausdrücken (verbalisieren)
– Die Gefühle und Bedürfnisse von anderen wahrnehmen und ausdrücken
– Durch Wahrnehmungsübungen alle Sinne schärfen
– Anderen zuhören können
– Erfahrungen in vertrauter Atmosphäre aussprechen
– Eigene Bedürfnisse und Wünsche erkennen und angemessen äußern
– Selbstsicherer werden
– Miteinander reden
Kernstoff II:
Angenommen sein in der Taufe
Grundanliegen:
Die Schüler und Schülerinnen erkennen, dass es der Sinn der Taufe ist, dass Gott jeden und jede annimmt. Besonders in den entwicklungspsychologischen Schwierigkeiten der Altersgruppe (Pubertät) soll dadurch im Religionsunterricht eine theologisch begründete und religiös vertiefte Hilfe zur Selbstannahme erfahrbar werden. Voraussetzung für diese Erfahrung ist der Glaube an den Gott, der ohne jede Bedingung annimmt. So wird Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein ermöglicht. Durch die Erinnerung an die eigene Taufe und die Information über die Taufe als Sakrament der Kirchen, das Patenamt usw. erhalten die Schüler und Schülerinnen entsprechendes Wissen über dieses wichtige kirchliche Fest.
Mögliche Einzelziele:
– Mich selbst wahrnehmen: So wie ich bin, bin ich ein Original
– Den Zuspruch erfahren: Ich bin angenommen mit allen Fähigkeiten und Defiziten
– Mich als zur Gemeinschaft der Christen zugehörig fühlen
– Über die Taufe als Sakrament der Kirche Bescheid wissen
Themenfelder zur Erweiterung:
Meine Herkunft, Familie und Lebensgeschichte.
Meine Freunde: Gruppen, zu denen ich gehöre, Außenseiter, Einsamkeit
Grundanliegen:
Die Selbstwahrnehmung im Bereich von Kernstoff I, die theologische und religiöse Fundierung durch die Erinnerung an die Taufe im Bereich von Kernstoff II ermöglichen nun den Blick in die soziale und biografische Dimension. Die Schüler und Schülerinnen erkennen, dass auch sie in ihrem persönlichen Leben ohne Herkunft keine Zukunft haben. Sie sehen die große Bedeutung, die Familie und Verwandtschaft für ihr Herkommen haben und erkennen gleichzeitig die Notwendigkeit der Ablösung, um zu einer eigenen Identität zu finden. Durch die Beschäftigung mit der eigenen Lebensgeschichte erhalten sie einen ersten Eindruck in die Notwendigkeit von Wandlung und Veränderung aber auch von Fremdheit und Anderssein. Diese biografisch und subjektiv vermittelte Erfahrung macht es ihnen möglich Fremde und Andere in ihrem aktuellen sozialen Umfeld wahrzunehmen ohne sie ablehnen zu müssen. Identität auf der einen Seite, Verständigung im Geist der Toleranz und des Dialoges auf der anderen Seite machen das besondere Anliegen der gesamten didaktischen Leitfrage „Wer bin ich?“ aus.
Mögliche Einzelziele:
– Über die Geschichte meiner Familie und meines Lebens Informationen sammeln und ordnen; ein „Bild“ von mir selbst machen; mich vorstellen
– Meine Lebensgeschichte als Teil meiner Identität akzeptieren
– Aufgaben und Rollen in einer Gruppe erkennen und verbalisieren
– Einsehen, dass sich die Interessen der Gemeinschaft nicht immer mit meinen persönlichen decken
– Sich mit schwierigen Lebenssituationen (zB Einsamkeit, Arbeitslosigkeit ) auseinandersetzen
– Menschen und Gruppen in meiner Umgebung wahrnehmen
– Fremdem und Anderem neugierig begegnen und damit umgehen lernen
– Alte, kranke und ausgeschlossene Menschen und ihre Probleme sehen können
– Veränderungen in der eigenen Lebensgeschichte wahrnehmen
– Schritte der Ablösung von der Familie und zu einer eigenständigen Lebensführung finden
Didaktische Leitfrage: Wie lebe ich?
Kernstoff I:
Meine Zeit: Arbeitszeit, Freizeit
Grundanliegen:
Die Schüler und Schülerinnen erkennen in der Berufsvorbereitung dieses Schuljahres, dass der Ablauf des Tages stark von zumeist fremdbestimmter Arbeitszeit geprägt ist. Sie erfahren, dass nach evangelischem Verständnis die Arbeit eine wesentliche Ausdrucksform der Kreativität des Menschen und der Mitwirkung des Menschen an der guten Schöpfung Gottes ist und daher nicht bloß als Zwang oder als Erwerbstätigkeit verstanden werden muss. Gleichzeitig sehen sie, dass die Freizeit auch durch ihre industrielle Verwertung immer wichtiger wird. In beiden „Zeiträumen“, erleben sich die Schüler und Schülerinnen als soziale Wesen, die in ihrem Verhalten und ihren Werten auch durch diese bestimmt werden. Arbeitskollegen bzw. -kolleginnen und Freunde bzw. Freundinnen, sowie Partner bzw. Partnerinnen der Freizeit prägen stark die Zufriedenheit in diesen Zeiträumen. Ihr biblischer und theologischer Wert ist ebenso zu betonen wie ihre anthropologische und philosophische Bedeutung.
Mögliche Einzelziele:
– Anspannung und Entspannung des eigenen Körpers erleben
– Übungen und Methoden zum Stillwerden kennen
– Die eigene Freizeitgestaltung auf Sinnhaftigkeit überprüfen; sinnvolle Möglichkeiten der Freizeitgestaltung finden
– Sinnverwirklichung und Pflichterfüllung in Arbeit und Beruf
– Situationen und Lebensphasen finden, in denen ich Menschen brauche
– Situationen und Lebensphasen finden, in denen ich lieber allein bin
Kernstoff II:
Die Zehn Gebote
Die Bergpredigt
Das Liebesgebot
Grundanliegen:
Der Gedanke der Gemeinschaft und des Angewiesenseins auf andere stellt die Grundfrage nach den Regeln, die eine Gemeinschaft bestimmen. Die Frage nach diesen Regeln ermöglicht in Ansätzen sowohl eine ethische Urteilsbildung als auch ein Verständnis für politische und soziale Konflikte. Die Schüler und Schülerinnen lernen dabei die Zehn Gebote als weltgeschichtlich bedeutsames Grundmodell eines solchen Regelwerkes ebenso kennen wie die Bergpredigt und das gesamtbiblische Liebesgebot.
Mögliche Einzelziele:
– Grundbedürfnisse, die Leben ermöglichen kennen
– Die „Zehn Gebote“ als Schutz für die Freiheit eines bzw. einer jeden erkennen
– das Anliegen des Dekalogs für meine Lebenssituation verstehen und Regeln für mein Leben formulieren können
– die Nächstenliebe als Herausforderung verstehen
– die Grundanliegen der Bergpredigt mit konkreten Beispielen versehen können
– den Schutz der Schwachen als christliches Anliegen erkennen
Themenfelder zur Erweiterung:
Sexualität, Beziehungen und Lebensformen
Konsum, Umgang mit Geld
Mit Konflikten leben – Aggressivität
Meine rechtliche Stellung: Strafmündigkeit
Grundanliegen:
Die genannten Themenfelder versuchen sehr konkret an exemplarischen Beispielen lebensweltbezogene und alltagsrelevante Probleme und Themen der Schüler und Schülerinnen aufzugreifen und sie sowohl der religiösen Fundierung als auch der kritischen ethischen Urteilsbildung auszusetzen. Dabei wird viel darauf ankommen, wie erfahrungsnahe und für das alltägliche Leben relevant diese Themen behandelt werden. Aus diesem Grund ist es wie bei allen aktuellen Themen wichtig, dabei von der Realität der Unterrichtsgruppe auszugehen.
Mögliche Einzelziele:
– Über Formen der Zärtlichkeit und des miteinander Umgehens sprechen
– Geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und Vorurteile erkennen
– Partnerschaftliches Verhalten einüben
– Formen des Zusammenlebens und miteinander Wohnens kennen
– Über zerbrochene Familienbeziehungen, Trennung und Scheidung sprechen
– Erfassen, dass materieller Besitz die Liebe und Zuneigung eines Menschen nicht ersetzen kann
– Mein Konsumverhalten kritisch betrachten
– Meinen Umgang mit Geld kritisch und auf Lebensnähe überprüfen
– Konfliktsituationen erkennen und benennen
– Beispiele für Kommunikationsstörungen finden
– Mehrdeutigkeit von Kommunikationsmitteln erkennen
– Versuchen, Probleme niederlagenfrei zu lösen (Rollenspiel)
– Lernen, mit Konflikten zu leben
– Über erlebte und mögliche Formen der Aggression sprechen
– Ursachen für aggressives Verhalten erkennen und Möglichkeiten der Beseitigung suchen
– Sinnvolle Möglichkeiten Aggressionen auszuleben finden (zB Sport, sich lautstark wehren)
– Autoritätsverhältnisse erkennen und akzeptieren lernen (zB Lehrling - Chef)
– Sich als mündiger Staatsbürger bzw. mündige Staatsbürgerin vor dem Gesetz zwischen Rechten und Pflichten erkennen
– Umgang mit gesetzesausführenden Organen einüben (zB Gendarmerie- bzw. Polizeistation kennenlernen)
Didaktische Leitfrage: Was glaube ich?
Kernstoff I:
Meine Werte: Was ist mir heilig?
Grundanliegen:
Die Schüler und Schülerinnen erkennen, dass sie geprägt sind von Werten, die sie sich nicht immer durch einen Prozess der Kritik angeeignet haben. Vieles stammt aus der eigenen Tradition, vieles aus der Werbung, vieles aus dem Freundes- und Freundinnenkreis. Die Frage danach, was mir heilig ist, macht es möglich die Wertebildung auf ihre religiöse Dimension hin zu betrachten. Schüler und Schülerinnen erkennen, dass sie Träumen nachhängen und Überzeugungen verpflichtet sind, die ihr Selbstbild, ihre soziale Stellung, ihre Meinung von den Anderen und ihre Zukunftspläne und Zukunftsträume bestimmen. Damit kommunikativ umgehen zu lernen, eine Sprache dafür zu finden und kritische Fragen zuzulassen soll dieses Themenfeld ermöglichen.
Mögliche Einzelziele:
– Was ist mir unbedingt wichtig?
– Erkennen, wo und wie ich von außen beeinflusst werde
– Die „religiösen“ Botschaften von Werbung, Fernsehen und Popkultur sehen lernen
– Die Bedeutung von Heiligen, Stars, Idolen und Vorbildern kritisch betrachten
– Die Werte meiner Mitmenschen erkennen und akzeptieren
Kernstoff II:
Gott, Gottesvorstellung: beengende und befreiende Gottesbilder
Grundanliegen:
Die Schüler und Schülerinnen erkennen, dass Gottesvorstellungen auf die Entwicklung des Menschen befreiend oder beengend wirken können. Sie erhalten die Möglichkeit, die Entwicklung ihrer eigenen Gottesvorstellung darzustellen und zu reflektieren. Sie erfahren dabei, dass Gottesvorstellungen immer im Wandel begriffen sind. Die Erinnerung an den befreienden Gott der Bibel (Exodus, Jesus Christus) soll sie ermutigen, ihr eigenes Gottesbild hin zu persönlicher Freiheit und Selbstbestimmung zu verändern.
Mögliche Einzelziele:
– Erkennen, dass ich Gott nur in Bildern/Vorstellungen denken kann
– Erkennen, dass es verschiedene Vorstellungen von Gott gibt
– Erkennen, dass mit Gottesbilder Macht und Befreiung erlebt werden können
– Befreiende Gottesbilder finden
– Biblische Gottesbilder kennenlernen
Themenfelder zur Erweiterung:
Glück und Schicksal: fremdbestimmtes oder eigenbestimmtes Leben
Heimliche Verführer: Werbung und Medien
Angst – Vertrauen
Sucht, Sehnsucht und Sekten
Grundanliegen:
Vier Themenfelder zur Erweiterung sollen ermöglichen, dass in exemplarischer Auswahl die gelebte Religion der Schüler und Schülerinnen zum Gegenstand des Religionsunterrichtes wird. Vieles von dem was hier behandelt wird entspricht nicht von vornherein dem was Religionslehrer bzw. Religionslehrerinnen unter Religion verstehen würden, aber es prägt die religiöse Vorstellungswelt der Jugendlichen in hohem Ausmaß. Es ist befreiend und für den kritischen Umgang mit religiösen Phänomenen notwendig, dass in einer die Schülerinnen und Schüler wertschätzenden und nicht urteilenden Atmosphäre diese religiösen Phänomene dargestellt und besprochen werden können. So lernen die Schüler und Schülerinnen über Religion zu reden und sich auch über ihre eigenen religiösen Verhaltensformen ein Urteil zu bilden. Religiöser Relativismus ist damit ebenso ausgeschlossen wie individualistischer Fundamentalismus.
Mögliche Einzelziele:
– Folgende Aussage auf ihre Richtigkeit überprüfen: Jeder ist seines Glückes Schmied
– Persönliche Glücksvorstellungen formulieren
– Sich mit Werbung und Medien kritisch auseinandersetzen
– Manipulationen und Meinungsmacher hinterfragen und durchschauen lernen
– Situationen, die mir Angst machen, erkennen und ansprechen
– Jesus als Menschen in Angst, Versuchung und Trauer kennenlernen
– Menschen, Plätze und Rituale, die mein Vertrauen stärken, bewusst machen
– Meine Verantwortung für Menschen, die mir vertrauen, erkennen
– Meine Stärken, Schwächen und Grenzen erkennen und mitteilen können
– Informationen über religiöse Phänomene, Sekten und Sondergruppen sammeln
Didaktische Leitfrage: Was wird aus mir?
Kernstoff I:
Meine Verantwortung für die Schöpfung: Mensch, Natur
Grundanliegen:
Die Schüler und Schülerinnen erkennen, dass erfülltes menschliches Leben nur im Miteinander mit der Kreatur, den Mitgeschöpfen möglich ist. Sie erhalten Information über das Aufeinander angewiesen sein aller Geschöpfe und können ihr Engagement für Umwelt- und Tierschutz in Kontinuität zum biblischen Schöpfungsglauben deuten und artikulieren.
Mögliche Einzelziele:
– Mut zur persönlichen Verantwortlichkeit bekommen
– Die Bedrohung der Umwelt einschätzen können
– Beispiele für gelungene Schöpfungsverantwortung im täglichen Leben kennenlernen und einüben
Kernstoff II:
Gestaltung meines Lebens im Glauben: Engagement in kirchlicher Gemeinschaft
Grundanliegen:
Die Schüler und Schülerinnen erhalten exemplarische Informationen über verschiedene Ausdrucksformen des Glaubens (zB Gebet, Lieder). Sie werden bekannt gemacht mit dem Kirchenraum und der Feier des Gottesdienstes. Sie werden informiert über die verschiedenen christlichen Kirchen, speziell ihre eigene Gemeinde und deren Jugendarbeit. An ausgewählten Beispielen erfahren sie, wie sich Christen und Christinnen für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.
Mögliche Einzelziele:
– Jesus als Vorbild und Leitbild für meine Beziehung zu Gott und Menschen kennenlernen
– Christliche Jugendarbeit kennenlernen (zB Gemeindejugendarbeit, Evangelische Jugend)
– Gemeinsamkeiten der christlichen Kirchen erkennen
– Persönliche Formen des Glaubenslebens entwickeln
Themenfelder zur Erweiterung:
Lebenskonzepte
Gelebte Solidarität
Leistung und Erfolg
Tod, Sterben und Selbstmord
Wehrdienst - Zivildienst: Gewaltfreiheit?
Elternschaft
Grundanliegen:
Wieder wird eine Reihe von Themenfeldern angeboten, aus denen passend zur Unterrichtsgruppe und dem didaktischen Anliegen des Lehrers bzw. der Lehrerin eine Auswahl zu erfolgen hat. Die Themenfelder sollen die didaktische Leitfrage „Was wird aus mir?“ in sehr erfahrungsbezogener und praktischer Weise, ausgerichtet auf die Lebenswelt der Schüler und Schülerinnen, behandeln. Dabei kommt es weniger auf theoretische Überlegungen an als vielmehr auf das Gespräch, auf den Austausch von Erfahrungen und Informationen, das Kennenlernen von Institutionen und Beratungsstellen, die kritische Bildung von Werten und die Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen, Träumen und Befürchtungen an.
Mögliche Einzelziele:
– Wie ich einmal leben möchte - meinen Lebenstraum formulieren
– Beispiele gelebter Solidarität aus der Geschichte und von heute kennenlernen
– Den uneingeschränkten Wert menschlichen Lebens erkennen (Stichworte: Schwangerschaft, menschenwürdiges Sterben, Gentechnik)
– Erfahrungen mit Tod und Sterben ausdrücken lernen
– Einrichtungen und Angebote zur Hilfe für die Lebensbewältigung kennenlernen
– Einen Menschen, der besonders imponiert, beschreiben können
– Verantwortung und Fürsorge für andere als Prinzip des Lebens erfahren
– Beispiele für gewaltfreies Leben kennenlernen
– Verantwortliche Sexualität
– Was macht den Wert eines Menschenlebens aus?
– Wie ich einmal leben möchte
klassenweise aufsteigendes Inkrafttreten (vgl. § 2 Z 2, BGBl. II Nr. 395/2019)
Anlage
Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht in der Mittelschule, Sonderschule (ab der 5. Schulstufe) und der Unterstufe der allgemeinbildenden höheren Schule
Bildungs- und Lehraufgabe
Der evangelische Religionsunterricht hat Teil am allgemeinen Bildungsziel der Schule (§ 2 des Schulorganisationsgesetzes, BGBl. I Nr. 242/1962) und leistet einen grundlegenden Beitrag zur religiös-ethisch-philosophischen Bildungsdimension der Schule, indem er die Schülerinnen und Schüler in ihrer Suche nach Sinn unterstützt. Neben der Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenz, emotionaler und methodischer Kompetenz, sowie dem Erwerb von Kenntnissen, kann der Religionsunterricht insbesondere Orientierungen zur Lebensgestaltung und Hilfen zur Bewältigung von Alltags- und Grenzsituationen im privaten und schulischen Leben anbieten.
Der evangelische Religionsunterricht an der Schule ist doppelt begründet: Einerseits im Verkündigungs- und Bildungsauftrag der Kirche, andererseits im Erziehungs- und Bildungsauftrag der öffentlichen Schule. Er nimmt als eigenes Fach die religiöse und ethische Dimension des umfassenden Bildungsauftrages der Schule wahr. Er bietet den Schüler*innen eine Begegnung mit der biblischen Verkündigung, wie sie in der Heiligen Schrift und in den Bekenntnissen bezeugt wird, sowie eine Begegnung mit dem Bildungsauftrag der Gesellschaft in einem gegenseitigen Dialog. In der Auseinandersetzung mit religiösen und ethischen Themen lernen sie Möglichkeiten der persönlichen Orientierung und Sinnfindung kennen, erproben ihre Fähigkeit zu Verständigung und Toleranz und üben sich in Solidarität.
Der evangelische Religionsunterricht ermöglicht Schülerinnen und Schülern sich selbst und andere als Geschöpfe Gottes mit individuellen Stärken und Schwächen wahrzunehmen. Er bestärkt sie im Sinne der Inklusion, sich und andere anzunehmen und im Blick auf gemeinsame Aufgaben Verantwortung für sich und die Gemeinschaft zu übernehmen. Er unterstützt die Heranwachsenden dabei, den Glauben als Möglichkeit zu entdecken, die Wirklichkeit zu deuten, ihr Leben zu gestalten und religiöse Sprach- und Gestaltungsfähigkeit zu entwickeln. Er fördert die Rückbesinnung auf die eigenen religiösen und kulturellen Wurzeln und eröffnet Räume des interreligiösen und interkulturellen Lernens. Er beteiligt sich an der Gestaltung der Schule als Lebens- und Erfahrungsraum, insbesondere durch die Mitgestaltung von Festen, Feiern und Gottesdiensten.
Kompetenzmodell
Der evangelische Religionsunterricht unterstützt den Erwerb von prozessorientierten Kompetenzen in folgenden Kompetenzbereichen:
– Wahrnehmen und beschreiben (Perzeption)
– Verstehen und deuten (Kognition)
– Gestalten und handeln (Performanz)
– Kommunizieren und (be)urteilen (Interaktion)
– Teilhaben und entscheiden (Partizipation)
Dabei greift der evangelische Religionsunterricht auf folgende inhaltsbezogene Kompetenzdimensionen von Religion zurück:
– Menschen und ihre Lebensorientierung
– Gelehrte und gelebte Bezugsreligion
– Religion in Gesellschaft und Kultur
– Religiöse und weltanschauliche Vielfalt
Grundkompetenzen
Der evangelische Religionsunterricht will Schülerinnen und Schüler zu folgende Kompetenzen führen:
– Sich selbst und das eigene Lebensumfeld offen und differenziert wahrnehmen
– Beziehungen achtsam und wertschätzend gestalten
– Grundlagen und Grundformen evangelischen Glaubens verstehen
– Ausdrucksformen des Glaubens kennen, reflektieren, gestalten
– Inhalte und Deutungsmuster eigener und anderer Konfessionen/Religionen/Weltanschauungen kennen und respektvoll kommunizieren sowie Zweifel und Kritik artikulieren
– Herausforderungen unserer Welt wahrnehmen, auf Grund des evangelischen Glaubens Stellung beziehen und ethisch verantwortlich handeln
Didaktische Grundsätze
Die Lebenswelten und Lebenserfahrungen der Schülerinnen und Schüler, der Lehrerinnen und Lehrer stehen im Mittelpunkt. Sie sind Ausgangspunkt und Ziel zugleich.
Der Religionsunterricht nimmt das unterschiedliche Ausmaß kirchlicher Sozialisation bzw. religiöser Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler durch Differenzierung und Individualisierung ernst und wendet sich an alle Schülerinnen und Schüler, wie unterschiedlich ihre religiösen Einstellungen auch sein mögen.
Diese Auseinandersetzung führt alle im Lernprozess Beteiligten zu einem neuen, eigenverantwortlichen Umgang mit sich selbst, zu einer offenen Haltung der Umwelt gegenüber und zum Dialog mit Menschen, die anders sind als sie selbst.
Die Lehrerinnen und Lehrer im Unterrichtsgegenstand Evangelische Religion bieten vielfältige, schulartspezifische, individualisierte, subjektbezogene Lernformen. Die didaktisch-methodischen Entscheidungen der Lehrinnen und Lehrer werden in theologischer Verantwortung, die einerseits der Bibel und den Bekenntnisschriften und andererseits einer ökumenischen bzw. interreligiösen Dialogfähigkeit verpflichtet sind, und unter Berücksichtigung der fachspezifischen Besonderheiten (Groß-/Kleingruppen, Anzahl der Wochenstunden, oftmals jahrgangs- und schulübergreifend, Stadt/Land, Diasporasituation, regionale Besonderheiten) getroffen. Blockungen von Unterrichtsstunden zu größeren Einheiten können unter bestimmten organisatorischen und pädagogischen Bedingungen sinnvoll sein.
Zentrales fachliches Konzept
Der evangelische Religionsunterricht leistet einen grundlegenden Beitrag zur religiös-ethisch-philosophischen Bildungsdimension der Schule, indem er die Schülerinnen und Schüler in ihrer Suche nach Sinn begleitet, Kommunikation einübt, die Stellung des Menschen in der Gesellschaft kritisch wahrnimmt, ein förderliches Verhältnis zu Natur und Technik herstellt und Kreativität ganzheitlich Raum gibt. Er nimmt Schülerinnen und Schüler in ihrer Einzigartigkeit wahr und öffnet einen Raum für existenzielle Fragen und ihre spirituellen Dimensionen. Neben der Entwicklung von Selbst-, Sozial-, emotionaler und methodischer Kompetenz bietet er insbesondere Orientierung, die in christliche Tradition und das reformatorische Erbe eingebettet ist, sowie Hilfe zur Lebensgestaltung und zur Bewältigung von Alltags- und Grenzsituationen. Er fördert eine Kultur des Fragens und der kritischen Auseinandersetzung sowie des Miteinanders und der Solidarität.
Der evangelische Religionsunterricht begleitet den altersspezifischen Entwicklungsprozess der Schülerinnen und Schüler von Einstellungen und Verhaltensweisen zu religiösen und ethischen Themen. Dabei wird angestrebt, aus dem vermittelten Wissen eine grundlegende Bedeutung für den Einzelnen und sein Wirken in der Gesellschaft zu erreichen.
Kompetenzbeschreibungen pro Schulstufe
Es gelten die sechs Grundkompetenzen für alle Schulstufen.
Anwendungsbereich
Für jede Schulstufe umfasst der Lehrplan zwei Lernschwerpunkte, die sich jeweils in mehrere Kernbereiche untergliedern. Es ist verbindlich, in der jeweiligen Schulstufe zwei Kernbereiche aus beiden Lernschwerpunkten zu unterrichten. Je nach Maßgabe der Stundenanzahl und der Gruppensituation werden weitere Kernbereiche aus beiden Lernschwerpunkten behandelt.
Jeder Kernbereich umfasst mehrere mögliche Themenfelder, die der Unterrichtsgruppe zur Auswahl stehen, aber auch ergänzt werden können. Es wird von der jeweiligen Situation einer Unterrichtsgruppe abhängen, welches Themenfeld sich für deren Lernstand anbietet.
In der praktischen Umsetzung soll die Differenziertheit der Unterrichtssituation wahr- und ernstgenommen werden, wodurch sich unterschiedliche Schwerpunktsetzungen ergeben können.
Für alle Kompetenz- und Inhaltsformulierungen des Lehrplanes gilt folgendes Prinzip: Die Aufstellung beschreibt keine Reihenfolge der einzelnen Elemente, sondern fordert deren Verschränkung. Die Inhalte sind den Grundkompetenzen zuzuordnen.
Für die 9. Schulstufe der Sonderschule für Jugendliche mit erhöhtem Förderbedarf und im Berufsvorbereitungsjahrgang der Sonderschule gilt:
Die Anwendungsbereiche bestehen in einer Vertiefung von Inhalten aus den vorangegangenen Semestern. Diese werden von der Lehrkraft unter Berücksichtigung der Interessen der Schülerinnen und Schüler und unter Bedachtnahme auf die konkrete Unterrichtssituation sowie den Schulschwerpunkt am Beginn des 1. Semesters festgelegt und bekanntgemacht.
Lehrstoff
Klasse: „Gott und Mensch“
Lernschwerpunkt: Ich – Du – Wir
Kernbereich 1
– Einmalig und von Gott geliebt
– Ankommen in der neuen Schule/Klasse
– (Geschlechter-)Rollen, Familie, Freizeit
– Kinderrechte
Kernbereich 2
– Mein religiöser Hintergrund – religiöse Identität
– Die Frage nach Gott
– Evangelisch – Katholisch
– Taufe
– Weggeschichten: Menschen erfahren, dass Gott begleitet
Kernbereich 3
– Leben in einer Gruppe
– Alltag leben und Feste feiern
– Christliche Lebensgestaltung: Rituale, Gebet, Spiritualität, Brauchtum
– Musik und Lieder
Lernschwerpunkt: Gott erfahren
Kernbereich 1
– Gotteserfahrungen und Gottesbilder/Menschenbilder
– Entstehung und Aufbau der Bibel: Sprachen, Überlieferungsprozess, Kanon
– Bibel lesen und verstehen: Sprachen, Übersetzungen, Auslegungen
Kernbereich 2
– Gott und sein Volk Israel: Mose-Geschichten
– Jesus – die Nähe Gottes: Weihnachten, Ostern
– Die Freiheit gestalten: Zehn Gebote
Kernbereich 3
– Gottes wunderbare Schöpfung
– Bildhafte Sprache der Schöpfungstexte: Schöpfungsgeschichten und Schöpfungsmythen
– Die Menschen in der Schöpfung: Gottebenbildlichkeit
– Umgang mit der Schöpfung, Klimagerechtigkeit
Klasse: „Jesus und Kirche“
Lernschwerpunkt: Jesus
Kernbereich 1
– Zeit und Umwelt Jesu: jüdischer Glaube, religiöse Gruppen
– Jesus der Mensch, der Gottessohn und der Messias
– Jesusgeschichten: Bergpredigt, Seligpreisungen, Jesus und die Ausgestoßenen
– Jesus fordert heraus: Reich-Gottes-Gleichnisse, Streitgespräche, Wundergeschichten
Kernbereich 2
– Tod und Auferstehung
– Das Abendmahl
– Unsere Glaubensbekenntnisse: Entstehung und Bedeutung
– Symbole als Sprache der Religion
Lernschwerpunkt: Christsein in der Welt
Kernbereich 1
– Anfänge des Christentums: Pfingsten, der Apostel Paulus
– Christenverfolgungen damals und heute
– Kirche und Staat
Kernbereich 2
– Mut haben, anders zu leben: Franz von Assisi, Mönchtum
– Christliche Spiritualität: Evang. Liedtradition, Konfirmationszeit, Taizé
Kernbereich 3
– Menschen für Menschen: Diakonie: Geschichte und Gegenwart
– Christ werden: Mission: Geschichte, Konzepte, Projekte
– Entwicklungszusammenarbeit: global denken – lokal handeln
Klasse: „Identität und Begegnung“
Lernschwerpunkt: Evangelisch-Sein
Kernbereich 1
– Die Reformation: Rechtfertigung, Luther, Zwingli, Calvin
– Evangelische Vielfalt in Österreich: Lutheraner, Reformierte, Methodisten
Kernbereich 2
– Evangelisch in Österreich in Geschichte und Gegenwart
– Evangelisch und Katholisch
Kernbereich 3
– Evangelische Bibelverständnisse
– Evangelische Identität: religiöser Stammbaum, lokale Kirchengeschichte, meine Pfarrgemeinde
Lernschwerpunkt: Kirchen und Religionsgemeinschaften
Kernbereich 1
– Andere christliche Kirchen: Orthodoxe Kirchen, Altkatholiken, Freikirchen
– Geschichte der Ökumene, ökumenisch lernen und handeln
– Dialog der Konfessionen: Miteinander reden, miteinander leben und feiern
Kernbereich 2
– Grundzüge des Judentums
– Grundzüge des Islam
– Dialog der Religionen: Miteinander reden, miteinander leben und feiern
Kernbereich 3
– Grundzüge des Hinduismus
– Grundzüge des Buddhismus
Klasse: „Freiheit und Verantwortung“
Lernschwerpunkt: Freiheit gestalten
Kernbereich 1
– Persönlichkeitsentwicklung: Stärken und Schwächen – Träume und Ziele
– Berufsorientierung: Leistung und Versagen
– Freundschaft, Liebe, Partnerschaft, Sexualität (LGBTQ)
– Orientierung an anderen: Idole, Peergroup, Werbung, Medien
Kernbereich 2
– Zehn Gebote, Doppelgebot der Liebe
– Christliche Werte leben: konkrete Lebensgestaltung
– Verantwortung für die Welt
– Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit und Frieden: Die Propheten, Bergpredigt, M.L. King, M. Gandhi
Kernbereich 3
– Auf der Suche nach Gott, Zweifel an Gott
– Gottesvorstellungen der Menschen
– Grenzüberschreitungen: „Sündenfall“, Turmbau zu Babel
– Schuld und Vergebung
– Umgang mit Leid und Tod: Theodizee-Frage
Lernschwerpunkt: Ambivalenz von Religion
Kernbereich 1
– Die Versprechen neuer Weltdeutungen
– Destruktive Formen von Religion
Kernbereich 2
– Kreuzzüge, Hexenverfolgung, Antisemitismus
– Evangelische Kirche und Nationalsozialismus
Kernbereich 3
– Glaube und Wissenschaft
– Religiöser Fundamentalismus
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