Bekanntmachung der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend den Lehrplan für den buddhistischen Religionsunterricht an Pflichtschulen, mittleren und höheren Schulen

Typ Kundmachung
Veröffentlichung 2008-07-09
Letzte Aktualisierung 2024-11-14
Status In Kraft
Ministerium BKA (Bundeskanzleramt)
Quelle RIS
Artikel 2
Änderungshistorie JSON API

Präambel/Promulgationsklausel

Auf Grund des § 2 Abs. 2 des Religionsunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 190/1949, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. Nr. 256/1993, wird bekannt gemacht:

Der in der Anlage wiedergegebene Lehrplan für den buddhistischen Religionsunterricht an Pflichtschulen, mittleren und höheren Schulen wurde vom Sangharat der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft erlassen und wird mit Wirksamkeit vom 1. September 2008 gemäß § 2 Abs. 2 des Religionsunterrichtsgesetzes bekannt gemacht.

§ 1. Die nachstehend genannten Lehrpläne für den buddhistischen Religionsunterricht wurden vom Sangharat der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft erlassen und werden gemäß § 2 Abs. 2 des Religionsunterrichtsgesetzes bekannt gemacht:

1. Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Primarstufe Anlage 1
2. Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Sekundarstufe I Anlage 2
3. Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Sekundarstufe II Anlage 3

§ 2. Hinsichtlich des Wirksamwerdens der in § 1 genannten Lehrpläne wurde seitens des Sangharats der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft folgende Festlegung getroffen:

Anlage 1 (Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Primarstufe), Anlage 2 (Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Sekundarstufe I) und Anlage 3 (Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Sekundarstufe II) in der Fassung der Bekanntmachung BGBl. II Nr. 311/2024 werden mit Wirksamkeit von 1. September 2024 bekannt gemacht.

Anlage

LEHRPLAN DES BUDDHISTISCHEN RELIGIONSUNTERRICHTES AN PFLICHTSCHULEN, MITTLEREN UND HÖHEREN SCHULEN

1 Allgemeines Bildungsziel

Alle Wesen unseres Planeten verbindet ein gemeinsames Streben: es ist das Verlangen nach der Erfahrung von Glück und das Vermeiden der Erfahrung von Leid. Diese beiden Grunderfahrungen hängen von Ursachen im individuellen Geist ab. Buddha Shakyamuni hat vor 2500 Jahren die Zusammenhänge dieser Faktoren ausführlich dargelegt und damit jedem, der seine Lehre erfassen kann, den Schlüssel zur Gestaltung des eigenen Lebensweges in die Hand gegeben. Aus tiefster meditativer Einsicht und erleuchtetem Wissen zeigte er allen Menschen – unabhängig von Rasse, Geschlecht und sozialem Stand – den Weg zu wahrem inneren Glück und vollkommener Freiheit des Geistes. Dieser Weg, bekannt unter dem Begriff Buddha-Dharma, beruht auf drei Schulungen: dem Entwickeln von ethischem Verhalten allem Leben gegenüber, dem Vertiefen von Meditation und dem Erlangen reiner Weisheit, die das abhängige Bestehen aller Phänomene erkennt und damit deren Leerheit von Eigenexistenz. Ein wichtiger Schritt dazu besteht darin, die volle Verantwortung für das eigene Leben in Bezug auf Denken, Reden und Tun zu übernehmen. Durch die Zuflucht zum Buddha, zu seiner Lehre und zur Gemeinschaft derer, die diesen Weg gegangen sind und noch gehen, wird das Vertrauen in die eigenen Bemühungen und in eine buddhistische Lebensführung gestärkt. Wenn sich der Mensch so zum Positiven verändert, wird jede bzw. jeder einzelne seinen Beitrag für mehr Frieden, Toleranz und universelle Verantwortung in unserer Welt leisten.

Paradigmen des Buddhismus:

Ich bekenne mich zum Buddha als meinem unübertroffenen Lehrer, denn er hat die Vollkommenheiten verwirklicht und ist aus eigener Kraft den Weg zur Befreiung und Erleuchtung gegangen. Aus dieser Erfahrung hat er die Lehre dargelegt, damit auch wir die endgültige Leidfreiheit erlangen können.

Ich bekenne mich zur Lehre des Buddha, denn sie ist klar, zeitlos und lädt jeden ein, sie zu prüfen, sie im Leben anzuwenden und zu verwirklichen.

Ich bekenne mich zur Gemeinschaft der Schüler und Schülerinnen des Buddha, die sich ernsthaft um die Verwirklichung seiner Lehre bemühen, um die verschiedenen Stufen der inneren Erfahrung und des Erwachens zu verwirklichen. Sie dienen mir als Vorbild.

Ich habe festes Vertrauen zu den Vier Edlen Wahrheiten. Sie besagen:

– Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Dies ist zu durchschauen.

– Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung. Sie sind zu überwinden.

– Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu verwirklichen.

– Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg, der Edle Achtfache Pfad. Er ist zu gehen.

Ich bekenne mich zur Einheit aller Buddhisten, denn wir folgen unserem gemeinsamen Lehrer und sind bestrebt, seine Lehre zu verwirklichen: Ethisches Verhalten, Sammlung und Weisheit wollen wir entwickeln, um Befreiung zu erlangen. In diesem Bewusstsein begegne ich allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft mit Achtung und Offenheit.

Ich will mich bemühen, keine Lebewesen zu töten oder zu verletzen, Nichtgegebenes nicht zu nehmen, keine unheilsamen sexuellen Beziehungen zu pflegen, nicht zu lügen oder unheilsam zu reden, mir nicht durch berauschende Mittel das Bewusstsein zu trüben.

Zu allen Lebewesen will ich unbegrenzte Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut entfalten, im Wissen um das Streben aller Lebewesen nach Glück.

Der Geist des Menschen mit seinen Faktoren von Denken, Empfinden und Wollen, kann durch Schulung, Bildung und meditative Übungen in positive und heilsame Zustände transformiert werden. Die spiegelgleiche Natur des Geistes reagiert auf Wahrnehmungen und Eindrücke und determiniert so die individuelle Struktur eines Menschen. Dieser Umstand soll von den Lehrerinnen und Lehrern des buddhistischen Religionsunterrichtes (BRU) bewusst genützt werden, um die Inhalte der buddhistischen Ethik, Anschauung und Meditation im Kind bzw. Jugendlichen zu veranlagen. Daraus ergibt sich das Bildungsziel des BRU wie von selbst: es gilt die buddhistischen Lehrinhalte ständig zu vertiefen und zu internalisieren. Diese definieren sich wie folgt: eigenständiges und kritisches Denken, Ehrfurcht vor allem Lebendigem und der „Schöpfung“. Der holistische Ansatz des bedingten Entstehens – die gegenseitige Abhängigkeit aller Phänomene – sollte die „Schöpfung“ als Motivation aus der klaren Erkenntnis des vorher Gesagten ersetzten und für Buddhisten und Buddhistinnen der tiefere Beweggrund sein. Ebenso sind gewaltfreie Konfliktlösungen, Toleranz und Friedfertigkeit vorrangige Bildungsziele. Die Schüler und Schülerinnen sollen erkennen, dass sie durch die Anwendung der Lehre Buddhas zu einer heilsamen Lebensführung durch Körper, Sprache und Geist gelangen und so mehr Glück, Ausgeglichenheit und psychische Stabilität in ihrem Leben erfahren. Den Schülern und Schülerinnen mögen zur Gestaltung einer buddhistischen Lebensführung die „Paradigmen des Buddhismus“ dienen, das von den Unterrichtenden nicht als Dogma zu vermitteln ist, sondern als Angebot und Hilfe, um den jungen Menschen einen spirituellen Leitgedanken ins Herz zu legen. Dadurch wird die Freiheit der eigenen Entscheidung, den Weg des Buddha zu gehen, gewahrt.

Der Unterricht hat das Ziel, die Schüler und Schülerinnen zu einer toleranten Weltoffenheit zu führen und in der Begegnung mit anderen Anschauungen und Bekenntnissen, den eigenen Standpunkt zu überprüfen und zu vertiefen. Dadurch wird auch die Dialogfähigkeit entwickelt. Es gilt für die Schüler und Schülerinnen zu erkennen, dass der Weg des Buddha die Wertschätzung anderer fordert und eigene gedankliche Fixierungen, sowie emotionale Muster zu überwinden anregt, um so eine positive Kommunikation bzw. Interaktion zu erreichen. Die eigene Erfahrung aus Meditation und Lebensführung zählt mehr als angelerntes Wissen. So vermittelt der BRU den jungen Menschen eine äußerst hilfreiche Praxis für ihr Leben, die letztlich vom Individuum Auswirkung auf das gesellschaftliche Leben hat.

2 Organisation, Bildungs- und Lehraufgaben, Lehrstoff, Didaktische Grundsätze

Der Buddhistische Religionsunterricht (BRU) wird Schüler-zahlenbedingt in der Grundstufe wie auch in der Oberstufe meist als schulstufen- bzw. schulübergreifender Unterricht geführt werden.

Dies besagt, dass die Schüler und Schülerinnen verschiedener Altersstufen in „Jahrgangsübergreifenden Lerngruppen“ (JÜL) unterrichtet werden. Diese Organisationsform verlangt vom Unterrichtenden als didaktische Maßnahme den Abteilungsunterricht, welcher pädagogische Flexibilität und gute Vorbereitung der Unterrichtseinheiten erfordert. Es ist hilfreich und ratsam, wenn der BRU Bezüge zu den Lehrplänen der Grundstufe, Sekundarstufe und Oberstufe herstellt, um Anknüpfungen bzw. Bezugspunkte für die eigene pädagogische Arbeit zu finden.

Themenschwerpunkte liegen zB im sozialen Lernen, in der Friedenserziehung und den Konfliktlösungsstrategien im Klassenverband. Die Lehrpläne der Primarstufe und Sekundarstufe bieten auch Einblicke in pädagogisch-didaktische sowie entwicklungspsychologische Zusammenhänge. Da ein beträchtlicher Teil der Unterrichtenden des Buddhistischen Religionsunterrichts in Österreich nicht ausgebildete Lehrer sind, empfiehlt es sich, diesen obigen Hinweis als unterstützenden Faktor zu beachten.

Der BRU wird häufig in ethnisch gemischten Gruppen abgehalten werden, da ein Teil der Schüler und Schülerinnen Ethno-Buddhisten sind (China, Thailand, Vietnam, usw.). Daher bildet der BRU einen Beitrag zur interkulturellen und integrativen Bildung und Erziehung innerhalb der österreichischen Schule.

Es ist auch sehr empfehlenswert, an den Festen der verschiedenen buddhistischen Traditionen mit den Schülern und Schülerinnen teilzunehmen, um so die Vielfalt buddhistischer Sangha zu erleben.

3 Gliederung der Schulstufen

Es empfiehlt sich vom entwicklungspsychologischen und pädagogischen Standpunkt aus die Lehrplanstufen bei der Erstellung von Klassen bzw. JÜL als Grundlage – wie im Schulorganisationsgesetz gegliedert – zu berücksichtigen. Durch das Zusammenziehen der Altersgruppen entsteht eine Korrelation zum adäquaten Entwicklungsstand der Schüler und Schülerinnen.

Volksschule, Sonderschulen

Primarstufe I (1. und 2. Schulstufe)

Primarstufe II (3. und 4. Schulstufe)

Volksschule-Oberstufe, Sonderschulen-Oberstufe, Hauptschulen und Unterstufe der allgemein bildenden höheren Schulen

Sekundarstufe I (5. und 6. Schulstufe)

Sekundarstufe I (7. und 8. Schulstufe)

Polytechnische Schule, Oberstufe der allgemein bildenden höheren Schulen und berufsbildende mittlere und höhere Schulen

Sekundarstufe II (9. bis 13. Schulstufe)

Diese Einteilung soll als pädagogisches Schema gedacht sein, wobei in Ausnahmefällen der Lehrer bzw. die Lehrerin zu entscheiden haben.

4 Lehrstoff (einschließlich Lernziele und methodische Hinweise) der Primarstufe und der Sekundarstufe I

4.1. Primarstufe I (1. und 2. Schulstufe)

1.

Der historische Buddha

Die Jatakas: Legenden aus den Lebensgeschichten des Buddha.

Altersgemäß geeignete Abschnitte aus der Buddha-Vita vermitteln.

Einfache Zuflucht zur Vertrauensbildung auf die Drei Juwelen.

Lernziele

Die Schüler und Schülerinnen sollen durch die Lebensgeschichte des Buddha Shakyamuni und den Legendenstoff Beziehung zur Gestalt des Buddha aufbauen. Mittel: Bildnerisches Gestalten, Darstellendes Spiel, verschiedene Medien (Tonträger, Filme), Gestalten eines einfachen Altares mit buddhistischen Repräsentationen.

2.

Der Dharma

Kindgerechte Einführung in die Drei Juwelen.

Sila: Mit den Kindern die wichtigsten ethischen Grundregeln im Alterskontext behandeln.

Bewusstmachen der fünf Sinne durch Achtsamkeitsspiele.

Einführung in die Sitz- und Gehmeditation in kurzen Phasen.

Entschleunigungsübungen durch bewusst langsame körperliche Handlungen.

Kleine Rituale, wie Opfergaben darbringen.

Lernziele

Über die bildhafte Darstellung des Buddha und der Sangha erfahren die Schüler und Schülerinnen einfachste Grundlagen des Dharma und der Ethik.

Wechselspiel von Bewegung und Ruhe erfahren und den Wert von

Entspannung und Loslassen vermitteln.

Die Sinnesfunktionen bewusst machen.

3.

Der Sangha

Wir sind ein Sangha (Gemeinschaft der Praktizierenden).

Gemeinsame Besuche von buddhistischen Zentren, Tempeln, Meditationsräumen.

Erleben von gemeinsamen Feiern buddhistischer Feste.

Malübungen von Mandalas als buddhistische Symbole.

Erlernen der Zufluchtformel im Bewusstsein der Verbundenheit aller, die einen Dharmaweg gehen.

Lernziele

Erfahren der Vielfalt des Buddhismus durch verschiedene Gemeinschaften.

Erlebnisorientierte Auseinandersetzung der Schüler und Schülerinnen mit einfachen Formen buddhistischer Kunst.

Rezitation der Zuflucht und von Sprüchen musikalisch erarbeiten (Gesang, Instrumente).

4.2. Primarstufe II (3. und 4. Schulstufe)

1.

Der historische Buddha

Die Buddha-Vita in den einzelnen Abschnitten von Geburt bis zur Erleuchtung erarbeiten.

Was ist „Buddha“? Altersgemäße Definition eines Begriffes.

Buddhabilder: verschiedene wichtige Darstellung des Erleuchteten.

Lernziele

Vertiefung der Buddha-Vita, aufbauend auf den Wissensstand der Primarstufe I. Kognitives Erfassen des gesamten Lebenslaufes von Buddha, Erkennen der außerordentlichen Erscheinung eines Buddha.

Vertrauen auf Buddha durch geeignete Szenen aus seinem Leben festigen.

Buddha in der Kunst.

2.

Der Dharma

Die Fünf Silas als moralische Empfehlungen.

Unterschied zwischen Angebot und Verbot!

Erstes Erkennen des Zusammenhanges von Ursache und Wirkung.

Was heißt Karma? Altersgemäße Begriffsklärung.

Altersgemäße Meditationsübungen mit und ohne Objekt.

Konfliktbewältigung und Friedfertigkeit. Lösungsstrategien aus buddhistischer Sicht.

Achtsamer Umgang mit mir selbst und meiner Umwelt.

Lernziele

Die Schüler und Schülerinnen zu verschiedenen Meditationsformen motivieren und diese gemeinsam ausführen.

Auf der Grundlage von Sila und der Karmalehre sollen die Schüler und Schülerinnen aus eigener Erfahrung Konfliktlösungsmodelle erarbeiten.

3.

Der Sangha

Buddhas wichtigste Schüler seiner Zeit: Ananda, Shariputra, Maudgalyayana, Rahula, Mahakashyapa ua.

Konfliktlösungen internalisieren an Hand praktischer Beispiele.

Beispiele buddhistischer Praxis und Friedfertigkeit der letzten 2500 Jahre.

Erfahrungen mit buddhistischer Musik sammeln.

Rezitationen und Zuflucht in verschiedenen Sprachen (Pali, Sanskrit, Chinesisch, Vietnamesisch, Japanisch, Tibetisch).

Widmen zum Wohle aller Wesen.

Lernziele

Schüler und Schülerinnen mit Streitschlichtung vertraut machen. Andere Mitschüler und Mitschülerinnen dazu motivieren.

Besuche verschiedener Gemeinschaften sollen das Sangha-Gefühl vertiefen.

Anleiten zu einer kurzen täglichen Praxis zu Hause.

Anleiten zu einer achtsamen Lebensführung im Alltag.

4.3. Sekundarstufe I (5. und 6. Schulstufe)

1.

Der Wirkungsraum des historischen Buddha

Der geographische Raum des Buddha Shakyamuni mit den wichtigsten Stätten des Buddhismus: Lumbini, Bodhgaya, Sarnath, Rajagriha, Kushinagara.

Der Buddhismus und Buddha im Kontext des Zeitgeistes des 5. und 6. Jh. vor unserer Zeit.

Lernziele

Mittels Einsatz von Medien wie Film, Diaserien, Bildmaterial und literarischen Beschreibungen sollen die Schüler und Schülerinnen die bedeutenden heiligen Stätten des Buddhismus kennen lernen. Sie sollen diese auch der Buddha-Vita zuordnen können. Die Schüler und Schülerinnen können auch in eine kritische Betrachtung von modischem Gebrauch bzw. Vereinnahmung des Buddhismus für kommerzielle Zwecke altersgemäß eingeführt werden.

Methodische Hinweise

Buddhismus in der Werbung und der Geschäftswelt. Prominente (Hollywood) und Buddhismus.

Buddha für Dekoration, Werbung und Zierat.

2.

Der Dharma

Die verschiedenen Bedeutungsebenen der Drei Juwelen in den verschiedenen Traditionen.

Die Vier Edlen Wahrheiten als die Basis des Buddhadharma. Der Achtfache Pfad als der umfassende Weg zur Befreiung.

Die wichtigsten Aussagen des Buddha und ihre Bedeutung für den Alltag.

Das Bhava-Chakra als Ausdruck der buddhistischen Ontologie in Verbindung mit den Begriffen“ Karma“ und „Samsara“.

Altersgemäße Meditationen unter Berücksichtigung der traditionellen Herkunft der Schüler und Schülerinnen.

Lernziele

Vertiefen der Kernaussagen des Buddha im Unterricht und deren Integration in den Alltag und die persönliche Lebensführung. Üben von Achtsamkeitsmeditation und ruhigem Verweilen.

Methodische Hinweise

Aussagen von buddhistischen Meistern verschiedener Traditionen zur Thematik vergleichen und vertiefend besprechen. Bilden von Arbeitsgruppen bzw. in Partnerarbeit die Vier Edlen Wahrheiten behandeln lassen – Prinzip der Selbsttätigkeit – und gemeinsam die Ergebnisse präsentieren.

3.

Der Sangha

Kennenlernen der buddhistischen Gemeinschaften im Umfeld der Schüler und Schülerinnen, und Besuche von Festen und religiösen Zeremonien bzw. Meditationen.

Was und wie kann ich als Schüler und Schülerin in meinem sozialen Feld zu Konfliktlösungen beitragen.

Die Idee des Weltethos von Hans Küng als Miteinander von Kulturen und Religionen.

Wege der Kunst, die vom Buddhismus geprägt worden sind:

Kalligraphie, Musik, Thangkas, Gartenkunst, Tempelbau, Skulpturen.

Geist, Körper und konzentrierte Bewegung: Vom Buddhismus beeinflusste sogenannte „Kampfsportarten“ (Kung Fu, Tai Chi, Judo ua.).

Gemeinsame Rezitation von Sutren und traditioneller Texte, um das Sangha-Gefühl zu empfinden.

Besondere Übung des Metta-Sutta zur Verstärkung des Wunsches: Mögen alle Wesen glücklich sein!

Lernziele

Die Schüler und Schülerinnen sollen lernen, dass buddhistische Praxis und Studium kein Selbstzweck sind, sondern dem Wohl der Wesen dienen sollten. Sie mögen erkennen, wie sie in Konfliktsituationen in ihrer Klasse/Peergroup aus dem Geist des Dharma zum Frieden der Mitwesen handeln und so als Konfliktlotsen agieren können. Jedoch ist nicht jede bzw. jeder dazu geeignet, und daher darf dieses Lernziel im Unterricht nicht allgemein verordnet, wohl aber für alle angeboten werden. Die asiatischen Bewegungs- und Kunstformen sollen erfahren (zB Besuch einer Judo-Schule) und auf ihren buddhistischen Ursprung untersucht werden.

Das Metta-Sutta kann als eine gemeinsame, grundlegende Praxis in Wort und Meditation als Beitrag zum Weltfrieden geübt werden.

Methodische Hinweise

Konfliktlösungsmodelle am dargestellten Beispiel in der Klasse/Gruppe erarbeiten. Welche Konflikte treten am Häufigsten auf? Vergleiche von aktuellen Konflikten in der Welt und deren Ursachen aus buddhistischer Sicht.

4.4. Sekundarstufe I (7. und 8. Schulstufe)

1.

Der Buddha

Der historische Buddha in den Sutren im Vergleich zu den Legenden.

Altersgemäße Erweiterung des historischen Kontext Indiens zu Zeiten des Buddha.

Darstellungen des Buddha nach seinem Tod mit besonderer Betrachtung des Gandhara-Stiles unter griechischem Einfluss.

Bedeutende Lebensgeschichten in der Nachfolge Buddhas von Bodhisattvas, Mahasiddhas und großen Lehrer und Lehrerinnen aller Traditionen.

Lernziele

Den Schülern und Schülerinnen sollen die Schwierigkeiten historischer und legendenhafter Überlieferung aufgezeigt werden, die jede Religion betreffen.

Das Buddhabild im Wandel der Zeit vom Symbol zur konkreten Darstellung des Erleuchteten. Die unterschiedlichen Einflüsse aus Griechenland und aus asiatischen Kulturräumen (zB China, Tibet, Japan, Thailand) auf das Buddhabild.

Betrachten von Biographien großer Meister und Meisterinnen und besprechen ihrer Lebensweise und Lehrtradition.

Methodische Hinweise

Wenn möglich Besuch eines Museums mit buddhistischer Kunst.

Kunstgalerien im Internet gemeinsam anschauen. Kataloge zu buddhistischer Kunst.

Besuch von buddhistischen Zentren mit Fokussierung auf Kultgegenstände.

2.

Der Dharma

Die Entstehung der verschiedenen Fahrzeuge (Yanas): Hinayana/Theravada (Arhat), Mahayana (Bodhisattva), Vajrayana.

Die verschiedenen Traditionen in den drei Yanas. Theravada, Zen, Hua yen, tibetische Schulen, Reines Land, Amida-Buddhismus, Nichiren-Buddhismus ua. Vertiefung der Vier Edlen Wahrheiten und Ethik des Buddhismus.

Die Sechs Vollkommenen Handlungen eines Bodhisattva – die Sechs Paramitas.

Vertiefung von Achtsamkeits- und Metta-Meditation. Vertiefen des buddhistischen Menschenbildes.

Die Weltreligionen (Hinduismus, Judentum, Christentum, Islam) im Vergleich mit dem Buddhismus.

Theistische und non-theistische Vorstellungen der Religionen.

Lebensthemen: Freundschaft, Beziehung, Liebe, Sexualität, Gesellschaft, Drogen und Alkohol, Friedensarbeit, Toleranz und Ethik.

Lernziele

Erfassen verschiedener Anschauungen in der Menschheitsgeschichte in den Religionen.

Die Vielfalt des Buddhismus als hierarchisch–horizontale Bewegung im Ausdruck ihrer Traditionen und Schulen und deren Persönlichkeiten. Gemeinsames und Unterschiedliches in den verschiedenen Traditionen (lehrinhaltliche und ethische Aspekte). Vertiefte Meditationspraxis in der Gemeinschaft der Klasse sowie individuelle Praxis. Aus buddhistischer Sicht zu Weltproblemen Stellung nehmen – kritische Betrachtung.

Methodische Hinweise

Besuch anderer Religionen und deren Einrichtungen. Einladen eines Vertreters einer Glaubensgemeinschaft zu Vortrag und Diskussion. Altersadäquater interreligiöser Dialog mit Gleichaltrigen anderer Konfessionen. In Referaten durch den Lehrer bzw. die Lehrerin unterstützt, kann die Sichtweise anderer Religionen oder humanistischer Bekenntnisse bewusst gemacht und mit dem eigenen Lebenshintergrund verglichen werden.

3.

Der Sangha

Die historische Entwicklung des Sangha. Die buddhistischen Konzile und deren Ergebnisse.

Die Ausbreitung des Buddhismus bis in die Gegenwart.

Zeitgenössische Persönlichkeiten des Buddhismus aus den verschiedenen Traditionen.

Vertiefung der Konfliktlösungen und deren praktische Anwendung.

Geistesschulung durch meditative und rituelle Übung zum Entwickeln einer friedvollen Geisteshaltung.

Bewegungen und Initiativen in anderen Konfessionen – zB Caritas, Diakonie – als heilsame Aktivitäten erfahren.

Lernziele

Beschäftigung mit der Ausbreitung des Buddhismus und seine wichtigsten zeitgenössischen Vertreter, zB Dalai Lama, Daisetz Taitaro Suzuki, Karmapa, Thich Nhat Hanh, Anagarika Govinda, Fumon Nakagawa Roshi, Buddhadhasa Bhikkhu ua. Kompetenz in Konfliktlösung. Bewusstmachen und Üben verdienstvoller Handlungen: Rezitationen, Dana, ethisches Verhalten ua.

Methodische Hinweise

Begegnung mit authentischen, bekannten Lehrern, um direkte Erfahrung zu vermitteln. Kontakte zu Institutionen, die sich mit Konfliktmanagement befassen.

Besuch karitativer Organisationen von Kirchen oder Treffen mit deren Vertretern und Vertreterinnen.

5. Sekundarstufe II (9. bis 13. Schulstufe)

Bildungs- und Lehraufgabe

Der junge Mensch sollte im buddhistischen Religionsunterricht die Möglichkeit bekommen:

– sich mit der buddhistischen Lehre in ihrer gesamten Weite vertiefend zu befassen,

– die Auswirkung des Buddhismus auf die westliche Gesellschaft in verschiedensten Bereichen zu studieren,

– persönliche und aktuelle Probleme unserer Zeit aus der Perspektive des Mitgefühls, der Friedfertigkeit ohne äußeren Druck diskutieren zu können,

– seine buddhistische Praxis auf Grund direkter Begegnungen zu gestalten und zu wählen,

– über Sinn und Zweck einer regelmäßigen Praxis zu reflektieren,

– den Alltag als Übungsweg zu erkennen und als wertvolle Möglichkeit zu schätzen,

– den eigenen Geist als Ursache für Glück und Leiderfahrung zu erkennen,

– Einsicht zu erhalten, dass jede Tradition ihren besonderen Wert hat und dadurch alle Traditionen gleichwertig sind,

– zu realisieren, dass Buddhismus seit Buddha Shakyamuni primär ein Weg ist und nicht Organisation, Kirche und Hierarchie.

Didaktische Grundsätze

Es macht im Religionsunterricht wenig Sinn, die in anderen Fächern durchaus gerechtfertigte, saubere thematische Trennung und Begrenzung einzelner Themen auf bestimmt Schulstufen, auch hier anzuwenden: Buddhismus ist eine Erfahrungsreligion und baut als solche stark auf dem Erlebnishorizont des Individuums auf. Das bedeutet, dass sich mit zunehmender Lebenserfahrung eine stetige Veränderung des Verständnisses buddhistischer Inhalte ergibt. So wird ein 18-jähriger junger Erwachsener ein anderes, nämlich immer weiter- und tiefergehendes Begreifen von zB Karma oder Bodhicitta (Erleuchtungsgeist) haben, als ein 15-jähriger Jugendlicher. Etwa ein selbst erfahrener „Liebeskummer“ wird das Verständnis von Leiden und Vergänglichkeit ohne Zweifel erweitern und vertiefen, das Mitgefühl stärken, usw.

Konkret bedeutet das für den Lehrplan der Oberstufe, dass typische buddhistische „Themen“ immer wieder behandelt werden müssen, um ihre Bedeutung möglichst in ihrer ganzen Tiefe zu erfahren! Deshalb werden die folgenden Kern- und Erweiterungsstoffe nicht einzelnen Schulstufen zugeordnet. Sie sind vielmehr Teile eines übergeordneten Lehrzyklus, ähnlich dem mehrmaligen Drehen des Dharmarades durch Buddha. Als Zeitgeber dienen dabei der Erfahrungs- und Entwicklungsstand der Schüler und Schülerinnen, aber auch tages- und weltpolitische Ereignisse (Glaubensfeste, Kriege, global-ökologische Themen, Nobelpreisverleihungen ...).

Bei Zeitmangel ist dem vertiefenden Bearbeiten einiger weniger, aber wichtiger Themen der Vorzug vor dem Anreißen möglichst vieler Themen zu geben!

In der Oberstufe sollen zur Leistungsbeurteilung verstärkt eigenständige Arbeiten der Schüler und Schülerinnen herangezogen werden, wie zB Referate zu einem überschaubaren Thema und Webprojekte, eventuell auch in Teamwork. Die mündliche Arbeitsleistung (Mitarbeit) spielt bei der Benotung ebenfalls eine große Rolle, die gleichwertig neben eventuellen schriftlichen Arbeiten zu werten ist.

Weiters sei darauf verwiesen, dass selbstverständlich auch die so genannten „Allgemeinen Unterrichtsprinzipien“ einzubeziehen sind.

Methodische Hinweise

– Meditation ist ohne Zweifel ein unverzichtbarer Bestandteil der meisten Unterrichtsstunden.

– Zur Vermittlung der Inhalte ist, wie gewohnt, nach Möglichkeit von der Alltagserfahrung der Schüler und Schülerinnen auszugehen.

– Interreligiöse Themen sollen so geplant werden, dass ein zeitlicher Bezug zu deren bedeutenden Festen (zB Weihnachten, Ramadan) möglich ist.

– Literatur, Tonträger, Internet und Filme als Vermittler buddhistischer Inhalte einsetzen.

– Nutzung des Internets zur Beschaffung von Informationen

– Begegnung mit gleichaltrigen Schülern und Schülerinnen und Vertretern oder Vertreterinnen christlicher Kirchen, des Islam, der jüdischen Gemeinde, des Hinduismus ua.

– Zusammenarbeit mit örtlichen Lehrkräften für Deutsch, Religion, Ethik und Philosophie.

– Projektorientierte Arbeiten von Schülern und Schülerinnen zu buddhistischen Themen unterstützen und fördern.

Lehrstoff

1.

Die buddhistische Sicht

Die Vier Edlen Wahrheiten des Buddha in den Kommentaren bedeutender Lehrer und Lehrerinnen der unterschiedlichen Traditionen (Thich Nhat Hanh, Dalai Lama, Ayya Khema, ua.).

Die zwölfgliedrige Kette des Abhängigen Entstehens mit Kommentaren bedeutender Lehrer und Lehrerinnen. Dreifache Übung von Sila, Samadhi, Prajna.

Der Leerheits-Begriff und seine praktische Konkretisierung in den verschiedenen Traditionen unter besonderer Berücksichtigung der Philosophie Nagarjunas und der Prajnaparamita Sutren.

Thematische Schwerpunkte der Buddhalehre: Die Brahma Vihara (Liebe, Mitgefühl, Mitfreude, Gleichmut). Bodhicitta, Bodhisattva-Ideal, Karma und Klesha, Qualitäten der Buddhanatur aus der Sicht verschiedener Traditionen, die Zwei Wahrheiten.

Unter anderem eigenen sich folgende Themen, um die Sicht der Buddhalehre anhand konkreter Fragestellungen herauszuarbeiten:

– Geschichtlicher Überblick über die Entwicklung und Verbreitung des Buddhismus

– Buddhas Leben

– Karma – Ursache und Wirkung

– Heilsame und unheilsame Handlungen

– Die Vier Edlen Wahrheiten

– Buddhismus im Alltag

– Alter, Krankheit und Tod

– Die Drei Arten von Leid

– Die 12 Taten eines Buddhas

– Das Rad des Lebens – Tod und Wiederverkörperung

– Die Buddha-Natur

– Die Drei Fahrzeuge

– Erleuchtungsgeist – Bodhicitta

– Das Bodhisattva – Ideal

– Weisheit, Liebe und Mitgefühl

– Buddhismus und Gesellschaft

– Buddhismus und Sexualität

– Frauen im Buddhismus

– Formen der Buddhistischen Meditation

– Bedeutende Buddhistische Lehrer der Vergangenheit und Gegenwart

– Wichtige, geeignete Sutren wie zB Metta-Sutta, Satipatthana-Sutta, Culamalunkya-Sutta, Kalama-Sutta, Herz-Sutra, Diamant-Sutra, Lotos-Sutra, Ullambana-Sutra oder Vimalakirti-Sutra

– Die Sechs befreienden Handlungen (Paramitas)

– Ich-Losigkeit („Nicht-Ich“, „Wahres Selbst“)

– Der buddhistische Leerheits-Begriff

– Die zwölf Glieder des Abhängigen Entstehens

– Die Fünf Ansammlungen (Skandhas)

– Buddhistische Erkenntnislehre (Wie wirklich ist die wahrgenommene Wirklichkeit)

2.

Die Praxis der Meditation

Vertiefende Begegnung mit den meditativen Formen in den Traditionen des Zen, Theravada, tibetischen Buddhismus und den Formen von Dankbarkeit und einlassendem Vertrauens der Schulen des Reinen Landes und der Lotosschulen.

Erweiterung des Wissens über buddhistische Traditionen durch Studium von bedeutenden Biographien, zentralen Lehrtexten und direkte Begegnung mit Praktizierenden der jeweiligen Tradition.

Das Phänomen des Geistes mittels Literatur bedeutender Lehrer aus dem gesamten Buddhismus analysieren.

Wege und Formen der Geistesschulung, Lebens- und Alltagsgestaltung in den verschiedenen Traditionen.

3.

Handlung und Transfer

Themen unserer Gesellschaft aus der buddhistischen Sicht analysieren und bearbeiten: Selbstverwirklichung, Egomanie und Eigenverantwortung; Gleichberechtigung der Geschlechter, Sexualität; Ökologie, Friedensarbeit, Gerechtigkeit, Gewalt und Terror, Globalisierung; heilsame und unheilsame Ziele der Weltwirtschaft; Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Toleranz; Bildung, Kultur, Information und Manipulation; Hegemonie der 1. Welt, ihrer Normen und Werte und die globalen Folgen. Entwickeln buddhistischer Lösungsansätze.

Transfer der buddhistischen Sicht- und Lebensweise in den eigenen Alltag. Sinn und Zweck der Praxis für ein bewusstes, mitfühlendes und achtsames Leben für sich selbst und die anderen.

Gefahren der Routine in der Praxis.

Praxis als Herzensübung.

Engagierter Buddhismus.

Begegnung mit Schülern und Schülerinnen anderer Religionen im interreligiösen Dialog.

Buddhismus und Naturwissenschaft: Vergleichen von Erkenntnissen (Quantenphysik).

Buddhismus aus der Sicht der Religionswissenschaften (zB Mircea Eliade, ...).

Buddhistische Literatur der Drei Fahrzeuge und verschiedener Traditionen.

Die Philosophischen Schulen Madhyamika und Cittamatra Schulen.

Buddhistische Ikonografie – wichtige Gestalten des Buddhistischen Pantheons.

6 Pädagogisch-didaktischer Überblick zur Orientierung insbesondere bei schulstufenübergreifendem Unterricht

6.1. Primarstufe I und II

1.

und 2. Schulstufe

1.

Die Schüler und Schülerinnen die historischen Lebensstationen und die Legenden um die Gestalt des Buddha altersgerecht erleben lassen, unterstützt durch verschiedene Medien.

2.

Über die bildliche Darstellung des Buddha und seiner Anhänger werden den Schülern und Schülerinnen einfache Grundzüge der Lehre vermittelt.

3.

Von Bewegungs- in Ruhephasen wechseln; den Wert von Entspannung und Loslassen kennen lernen.

4.

Die Schüler und Schülerinnen lernen die kulturelle Vielfalt durch Kontakte zu Kindern und Erwachsenen aus anderen Gruppen des Buddhismus kennen und besprechen das Erlebte; sie lernen einfache Formen der Rezitation.

3.

und 4. Schulstufe

1.

Aufbauend auf dem Wissensstand über die Jatakas beschäftigen sich die Schüler und Schülerinnen vertieft mit dem Leben Buddhas anhand von verschiedenen Darstellungen und können das Gelernte auch bei Museumsbesuchen in Bezug zur künstlerischen Darstellungsform bringen.

2.

Die Schüler und Schülerinnen werden zu verschiedenen Meditationsformen motiviert und zum Erfahren derselben veranlasst.

3.

Die Schüler und Schülerinnen erarbeiten ausgehend von den eigenen Erfahrungen und Konfliktsituationen Lösungen oder Haltungen und können die Grundzüge der Karmalehre (bedingtes Entstehen) nachvollziehen sowie die Wichtigkeit ethischer Regeln begreifen.

4.

Nach Gesprächen über Konflikte in der Gruppe und an der Schule werden die Schüler und Schülerinnen mit den Prinzipien der Streitschlichtung vertraut gemacht. Es werden andere Beispiele von Übungsformen und rituellen Handlungen vorgestellt und geübt.

6.2. Sekundarstufe I

5.

und 6. Schulstufe

1.

Die Schüler und Schülerinnen lernen mit Hilfe von Bildmaterial, Filmen und Beschreibungen die oben genannten heutigen Pilgerorte kennen und können sie in die Biografie des Buddha und die Geschichte der Entstehung des Buddhismus einordnen.

2.

Die Schüler und Schülerinnen beschäftigen sich mit den Kernaussagen der Buddha-Lehre und versuchen, diese Vorstellungen auf das Leben in der Gegenwart zu übertragen.

3.

Außer der möglichen Teilnahme an der Konfliktlösungs-Ausbildung werden verschiedene Meditationsformen und Rituale/verdienstvolle Handlungen geübt und bei Besuchen von Festen und Zeremonien das Gelernte angewandt.

4.

Der Buddhismus wird den Schülern und Schülerinnen im Sinne des „Weltethos“ als ein Teil der Weltreligionen dargestellt und die Kenntnis der wichtigsten anderen Weltreligionen und die Achtung vor ihnen und ihrem Glauben an Gott ebenso vermittelt wie die Prinzipien des Humanismus.

7.

und 8. Schulstufe

1.

Den Schülern und Schülerinnen die Überlieferungsproblematik aufzeigen (historische Daten und Legendenbildungen).

2.

Mit unterschiedlichen Texten und Bildern die Entwicklung der unterschiedlichen buddhistischen Richtungen und Schulen und ihrer gegenwärtigen Persönlichkeiten darstellen; Kenntnis der Kernaussagen des Buddha.

3.

Die Schüler und Schülerinnen beschäftigen sich mit der Frage, was diese Sichtweise für ihr eigenes Leben bedeutet und vergleichen sie in durch Lehrer und Lehrerinnen gestützten Referaten mit den anderen Weltreligionen und humanistischen Bekenntnissen.

4.

Sie setzen die Konfliktlösungsarbeit fort oder beginnen damit. Fortsetzung der Übung verdienstvoller Handlungen (Rezitationen; Übungen in Freigebigkeit und liebevollem Verhalten).

6.3. Sekundarstufe II

9.

und 10. Schulstufe

1.

Die Schüler und Schülerinnen setzen sich intensiv mit den buddhistischen Lehrinhalten und Praxisformen sowie ihrer Adaption im Westen – mit besonderer Berücksichtigung von Österreich – auseinander.

2.

Die Schüler und Schülerinnen vertiefen ihre Erfahrungen und praktischen Übungen mit buddhistischer Lebensweise und Übungswegen, wie sie von Asien übermittelt werden, sowie mit Kunstformen aus den vorhergegangenen Übungen.

11.

bis 13. Schulstufe

Den jungen Erwachsenen gibt der buddhistische Religionsunterricht neben der Beschäftigung mit den Kernpunkten der buddhistischen Lehre und ihrer Wirkung im Westen vor allem Gelegenheit, persönliche und zeitbezogene Probleme ohne äußeren Druck aus der Perspektive des Mitgefühls und der Friedfertigkeit zu diskutieren. Die Schüler und Schülerinnen studieren dabei vertieft verschiedene buddhistische philosophische Sichtweisen und lernen speziellere Übungswege einzelner Traditionen kennen und entwickeln Fähigkeiten und Fertigkeiten, das Gelernte in ihren Alltag zu integrieren.

Anlage 1

Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Primarstufe

Erläuterungen zu den Lehrplänen

Die Lehrpläne wurden im Auftrag des Schulamtes der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR) erstellt. Die Inhalte des Lehrplans beziehen alle Traditionslinien des Buddhismus mit ein und jene wurden von den zuständigen Fachgremien erstellt.

Entsprechend der österreichischen Lehrplanarchitektur werden die weiteren Ausführungen in der folgenden Struktur dargelegt:

– Bildungs- und Lehraufgabe

– Kompetenzmodell

– Grundkompetenzen

– Didaktische Grundsätze

– Zentrales fachliches Konzept

– Schulstufenbezogene Kompetenzbeschreibung

– Anwendungsbereiche

Erstellung des Unterrichtsmaterials:

Für den Lehrplan der VS wird eine Auflistung mit buddhistischen Basistexten und Inhalten erstellt.

Die konkrete Unterrichtsvorbereitung und -planung obliegt den Lehrpersonen und ist unter besonderer Berücksichtigung der großen Heterogenität buddhistischer Klassen (alters-, schulstufen-, schularten- und schulübergreifend) zu gestalten.

Als Hilfestellung sind Unterrichtsentwürfe, Materialien und Stundenbilder (evtl. in Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Institut an der KPH Wien/Krems oder in beauftragten Arbeitsgruppen) in Vorbereitung.

Lehrplan Primarstufe

Bildungs- und Lehraufgabe des Buddhistischen Religionsunterrichtes

Der Buddhistische Religionsunterricht (BRU) hat Teil am allgemeinen Bildungsziel der Schule entsprechend § 2 des Schulorganisationsgesetzes. In diesem Rahmen leistet er einen grundlegenden Beitrag zur religiös-, ethisch-, philosophischen Bildungsdimension der Schule. Über den Erwerb von methodischer und fachlicher Kompetenz hinaus, unterstützt er Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung von Persönlichkeits-, Selbst- und Sozialkompetenzen zur Lebensgestaltung und zur Bewältigung von Alltags- und Grenzsituationen im privaten und schulischen Leben.

Grundzüge einer buddhistischen Sichtweise werden im Folgenden skizziert:

Der Geist des Menschen mit seinen Faktoren von Denken, Empfinden und Wollen, kann durch Schulung, Bildung und eigenverantwortliche meditative Übungen in positive und heilsame Zustände transformiert werden. Wie ein Spiegel reagiert er auf innere und äußere Wahrnehmungen und Eindrücke und beeinflusst so das individuelle Weltbild (Samskara) eines Menschen und dessen Leben und Lebensgestaltung. Dieser Umstand soll von den Lehrerinnen und Lehrer des BRU bewusst genützt werden, um die Inhalte der buddhistischen Ethik, Anschauung und Meditation durch das eigene Vorbild im Kind bzw. Jugendlichen anzuregen. Der BRU unterstützt den allgemeinen Erziehungs- und Bildungsauftrag der öffentlichen Schule, indem er eigenständiges und kritisches Denken, Ehrfurcht vor allem Lebendigen und der Mitwelt anregt und fördert. Dies impliziert auch einen respektvollen Umgang mit anderen religiösen oder säkularen Systemen.

Über den holistischen Ansatz des bedingten Entstehens aller Phänomene – Pratitya Samutpada – begründet sich die Motivation zum Überwinden von Samsara (des Kreislaufs von Werden und Vergehen). Zwei grundlegende, zu erlernende und durch Meditation zu vertiefende Werkzeuge stehen zur Verfügung: Einsicht in die Natur der Leerheit, gewonnen aus dem Erkennen von Anatta (Nicht-Selbst) und das Mitgefühl, das als praktische Methode, für Buddhisten und Buddhistinnen der tiefere Beweggrund für ihr Handeln zum Wohle aller fühlenden Wesen ist.

Dementsprechend sind gewaltfreie Konfliktlösungen, Toleranz und Friedfertigkeit vorrangige Bildungsziele.

Den Schülerinnen und Schülern möge zur Gestaltung einer buddhistischen Lebensführung das „Buddhistische Bekenntnis“ dienen, das von den Unterrichtenden nicht als Dogma zu vermitteln ist, sondern als Angebot und Hilfe, um den jungen Menschen einen spirituellen Leitgedanken nahe zu legen. Dadurch wird die Freiheit der eigenen Entscheidung, den Weg des Buddha zu gehen, gewahrt.

Der Unterricht hat das Ziel, die Schülerinnen und Schüler zu selbstverantwortlichem Handeln (Sila) anzuregen, Selbstbewusstsein (Samadhi) zu entwickeln und Selbständigkeit (Prajna) zu fördern.

In diesem Sinne trägt der BRU zu einer toleranten Weltoffenheit in der Begegnung mit anderen Menschen, Anschauungen und Bekenntnissen bei und hilft den eigenen Standpunkt zu überprüfen und zu vertiefen. Somit leistet der BRU einen Beitrag im Sinne des interreligiösen und interkulturellen Lernens.

Der Unterricht bestärkt die Einsicht, dass die Lehre des Buddha die Wertschätzung aller anderen Lebewesen einfordert und eigene gedankliche Fixierungen, sowie emotionale Muster zu überwinden sind, um so eine positive Kommunikation bzw. Interaktion zu erreichen. Sichtweise, Meditation und Lebensführung sind die im BRU zu vermittelnden Orientierungen für eine hilfreiche Praxis für die jungen Menschen, die letztlich vom Individuum ausgehend Auswirkung auf das gesellschaftliche Leben hat.

Kompetenzmodell

Der BRU führt zum Erwerb von Kompetenzen in den Kompetenzbereichen:

– Wahrnehmen und Beschreiben (Perzeption)

– Verstehen und Deuten (Kognition)

– Gestalten und Handeln (Performanz)

– Kommunizieren und (Be-)urteilen (Interaktion)

– Teilhaben und Entscheiden (Partizipation)

Dabei greift der BRU auf folgende inhaltsbezogene Kompetenzdimensionen von Religion zurück:

Menschen und ihre Lebensorientierung

Gelehrte und gelebte Bezugsreligion

Religion in Gesellschaft und Kultur

Religiöse und weltanschauliche Vielfalt

Grundkompetenzen Primarstufe

Durch den BRU werden Schülerinnen und Schüler der Primarstufe beim Erwerb folgender Kompetenzen (aus den 14 interreligiös vereinbarten Grundkompetenzen in altersadäquater Gewichtung) unterstützt:

– Sich selbst und das eigene Lebensumfeld mit Grenzen und Entwicklungsmöglichkeiten offen und differenziert wahrnehmen

– Verschiedene Ausdrucksformen von Spiritualität und Religiosität respektieren und in der (religions-)pluralen Gesellschaft mit Angehörigen anderer Kulturen, Konfessionen und Religionen auf Basis einer dialogischen Grundhaltung respektvoll kommunizieren

– Zentrale Botschaften, Grundbegriffe und geschichtliche Schlüsselereignisse ihrer Religion wiedergeben

– Meditation und Grundformen religiöser Praxis altersgerecht beschreiben und selbst anwenden

– Auf der Basis religiöser Grundwerte ethische Konflikte erkennen und gewaltlose Handlungsoptionen entwickeln

– Einen verantwortlichen und heilsamen Umgang mit Menschen und Natur pflegen

Didaktische Grundsätze

1.

Die Lebenswelten und -erfahrungen der Schülerinnen und Schüler wie Lehrerinnen und Lehrer stehen im Mittelpunkt. Sie sind Ausgangspunkt und Ziel zugleich.

Es ist ein Grundanliegen den Schülerinnen und Schüler einen Eindruck über die Vielfalt der buddhistischen Sangha Österreichs zu geben, die Schulen und Orden aller drei Fahrzeuge (Nikayavada, Mahayana/Bodhisattvayana und Vajrayana) umfasst. Daher richtet der BRU besondere Aufmerksamkeit darauf, dialogische Fähigkeiten zu entwickeln und einzuüben.

2.

Der BRU nimmt auf die unterschiedliche buddhistische Sozialisation bzw. Erfahrung der Schülerinnen und Schüler durch Individualisierung und Differenzierung Bedacht. Er wendet sich an alle Schülerinnen und Schüler, wie unterschiedlich ihre Einstellungen auch sein mögen.

3.

Diese Auseinandersetzung begünstigt für alle am Lernprozess Beteiligten einen selbständigen, selbstbewussten und selbstverantwortlichen Umgang mit sich und der Mitwelt.

4.

Die Lehrerinnen und Lehrer im Unterrichtsgegenstand Buddhistische Religion bieten vielfältige, schulartspezifische, individualisierte, subjektbezogene und die Gruppendynamik berücksichtigende Lernformen. Um den Lebenswelten und -erfahrungen von Schülerinnen und Schüler entgegenzukommen, werden Formen wie Abteilungsunterricht, offene Lernformen, eigenverantwortliches Lernen, Projektunterricht etc. empfohlen.

Didaktisch- methodische Entscheidungen orientieren sich an den kanonischen Schriften des Buddhismus und sind dem intrabuddhistischen- und dem interreligiösen Dialog verpflichtet. Zudem werden folgende fachspezifische Besonderheiten berücksichtigt: Kleingruppen; Klassen-, Jahrgangs-, ggf. Schularten- und Standort übergreifende Gruppen; Anzahl der Wochenstunden.

Blockungen von Unterrichtsstunden zu größeren Einheiten können unter bestimmten organisatorischen und pädagogischen Bedingungen sinnvoll sein.

Zentrales fachliches Konzept

Der BRU leistet als Unterricht der einzigen anerkannten non-theistischen Religion einen grundlegenden Beitrag sowohl zur religiösen als auch zur philosophisch-ethischen Bildungsdimension, indem er Schülerinnen und Schülern eine Orientierung für eine sinnvolle und heilsame Lebensgestaltung zum Wohle aller fühlenden Lebewesen anbietet.

Der BRU ist ein gelebtes Beispiel interreligiösen Dialogs, umfasst er doch alle in Österreich vertretenen buddhistischen Schulen und Traditionen. Das Kennenlernen der unterschiedlichen buddhistischen Traditionen mit ihren kulturellen Besonderheiten, unterschiedlichen Praxiswegen, Festen und Feiertagen ist ein wesentlicher Teil des BRU, der es ermöglicht, die Vielfalt buddhistischer Sangha in Österreich zu erleben. Darüber hinaus werden auch Grundlagen der Weltreligionen vermittelt und Begegnungsräume mit Bezug zum religiösen und weltanschaulichen Lebensumfeld der Schülerinnen und Schülereröffnet.

Themenschwerpunkte liegen neben buddhistischen Inhalten und Übungen (für Körper, Rede und Geist: Achtsamkeit, Meditation, Yoga) im Sozialen Lernen, in der Friedenserziehung und gewaltlosen Konfliktlösung im Gruppen- bzw. Klassenverband. Ein weiteres Anliegen des BRU ist eine grundlegende Offenheit für aktuelle Erkenntnisse der (Natur-) Wissenschaften, wie es in der Lehre des Buddha bereits empfohlen wird. Diese fördert eine Kultur der kritischen Auseinandersetzung mit den Phänomenen von Leben und Gesellschaft. Gesellschaftlich relevante Themen mit lebensweltlichem Bezug finden ebenso Eingang, wie das Einüben eines respektvollen, verantwortungsvollen Umgangs mit allen Lebewesen und dem gemeinsamen Kosmos.

Der BRU findet meist in Gruppen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (China, Thailand, Vietnam, …, Österreich) statt, und stellt somit einen wesentlichen Beitrag zur interkulturellen und inklusiven Bildung und Erziehung innerhalb der österreichischen Bildungslandschaft dar.

Das Mitwirken bei und das Gestalten von multireligiösen Projekten, Feiern und Festen im Schulumfeld ist ein wesentlicher Beitrag zur Schulentwicklung.

Kompetenzbeschreibungen pro Schulstufe

Die beschriebenen Grundkompetenzen gelten in unterschiedlicher Gewichtung für die jeweiligen Primarstufen.

Lehrplan Primarstufe

Anwendungsbereiche

In jeder Schulstufe umfasst der Lehrplan Schwerpunkte, die sich aus mehreren Inhalten zusammensetzen. Mindestens vier Schwerpunkte sind in jeder Schulstufe zu unterrichten.

1. Schulstufe:

Ich – Du – Wir

– Wer bin ich?

– Meine Fähigkeiten

– Wir leben nicht allein

– Gemeinsam können wir mehr

Siddhartha Gautama

– Siddharthas Familie

– Siddharthas Kindheit

– Jugend, Ausbildung und Heirat

– 4 Ausfahrten und Flucht aus dem Palast

– Auf dem Weg, der vom Leiden befreit

Selbstvertrauen und Verantwortung

– Was ich tue hat Auswirkungen

– Aus Fehlern lerne ich

– Siddhartha und Schwan (Jataka)

– König der Fische (Jataka)

– Affe und Krokodil (Jataka)

Übungswege

– Ich nehme meinen Körper wahr

– Ich habe sechs Sinne

– Ruhe und Bewegung

– Stille und Klang

– Innehalten

Feiern und Feste

– Geburtstage und Familienfeiern

– Ein Kind wird geboren… Lebenswenderituale

– Religiöse Feiertage und Feste im buddhistischen, kulturellen und schulischen Umfeld

– Dankbarkeit, Darbringung von Opfergaben

Buddhismus konkret

– Buddhismus im eigenen Umfeld

– Buddhistische Symbole und Bauwerke

– Darstellungen des Buddha und der Lehre

– Dasein hat viele Ursachen und Bedingungen

2. Schulstufe:

Ich – Du – Wir

– Streit und Versöhnung

– Gefühle entstehen und vergehen

– Was ist fair? Was ist unfair?

– Wir lassen andere Meinungen gelten

– Frieden, wie geht das?

Siddhartha Gautama

– Abschied vom „alten“ Leben

– Siddhartha lernt bei den Meistern

– Siddhartha findet den Weg, der vom Leiden befreit

– Das große Erwachen

– Der Buddha nimmt seine Aufgabe an

Selbstvertrauen und Verantwortung

– Alles hat eine Ursache, jede Ursache hat eine Auswirkung

– Wie vermeide ich Unheilsames?

– Wie fördere ich Heilsames? – Die Ursachen sind in mir!

– Wie pflege (bhavana) ich meinen Geist?

Übungswege

– Was geschieht in meinem Bewusstsein?

– Gefühle, Gedanken, Vorstellungen entstehen und vergehen.

– Was ich wahrnehme, hängt mit mir zusammen.

– Ich sehe was, was du nicht siehst! – Wie siehst du , was ich sehe?

Feiern und Feste

– Vesakh – ein Fest für Buddhistinnen und Buddhisten, das uns eint.

– Pabbajja – die Welt wird größer (Lebenswenderituale).

– Religiöse Feiertage und Feste im buddhistischen, kulturellen und schulischen Umfeld

– Die Gaben der Gastfreundschaft – und in den anderen Religionen?

Buddhismus konkret

– Tsa tsa – Darstellung des Buddha

– Mandala – Bilder des Universums

– Singen und Rezitieren – die dreifache Zuflucht

– Vihara – die Gemeinschaft trifft sich

3. Schulstufe:

Übungswege

– Die Drei Juwelen – Zuflucht

– Siddhartha unter dem Baum (Jataka)

– unachtsam oder achtsam – ich beobachte…

– Was ist das Wichtigste? Eine Zengeschichte

Wie Gemeinschaft gelingen kann

– eigene und andere Grenzen spüren und respektieren

– Grenzen setzen; sich selbst und anderen

– Konflikte lösen – Was ist hilfreich?

– Regeln, Rechte und Pflichten

Buddha auf dem Weg zu den Menschen

– Die fünf Asketen erkennen den „Buddha“

– Schülerinnen und Schüler des historischen Buddha (zB: Yasodhara, Mahaprajapati, Sujata, Kisa Gotami, Ambapali, Ananda, Sariputra, Moghallana, Mahakassapa, Rahula)

– Lebensbilder zeitgenössischer Lehrerinnen und Lehrer

– Ich forsche – Buddha in meiner Umgebung

Selbständig – selbstbewusst – selbstverantwortlich

– A-himsa – Gewaltlosigkeit als Handlungsprinzip

– Umgang mit Menschen, Tieren, Mitwelt

– „Mögen alle Wesen glücklich sein!“

– Worte sind wirksam – wirksame Worte

Buddhismus konkret

– Alles was entsteht muss auch vergehen (Anicca)

– Umgang mit Verlust – auch die Trauer vergeht

– Alles nicht perfekt – Dukkha ist…

– Krisen gehören zum Leben: Das schaffe ich!

Besondere Momente – besondere Tage

– Die Sangha kommt zusammen – ein Grund zum Feiern

– Buddha heißt Frauen willkommen

– Aufeinander zugehen – miteinander reden

– Ahnengedenken (Ullambana)

4. Schulstufe:

Übungswege

– Den Affen zähmen

– „Wenn ich sitze, dann sitze ich“ – Meditation

– Die vier Pfeiler der Achtsamkeit – Satipathana

– Widmung

Wie Gemeinschaft gelingen kann

– Was mir Heimat gibt

– Vielfalt ist normal: Unterschiedliche Religionen bereichern die Gemeinschaft

– Ich bin anders – bin ich anders?

– Alle Lebewesen wollen glücklich sein und Leid vermeiden

Buddha auf dem Weg zu den Menschen

– Auch Buddha ist vergänglich – der Eintritt ins Parinirvana

– König der Affen (Jataka)

– Lebensbilder zeitgenössischer Lehrerinnen und Lehrer

– Ich forsche – Buddhismus in meiner Umgebung

Selbständig – selbstbewusst – selbstverantwortlich

– Die sechs Paramitas

– Bodhisattva – Zum Wohle aller Wesen

– Meine Entscheidungen bestimmen meinen Weg

– Mein Beitrag: „Ich kann…“

Buddhismus konkret

– Anatman – … nur ein Name

– Buddhas Empfehlungen für ein glückliches Leben

– Eine tägliche Übung

– Respekt vor dem Lebendigen

Besondere Momente – besondere Tage

– Am Alten nicht festhalten – Das Neue begrüßen

– Der wichtigste Moment ist gerade „jetzt“

– Namensgebungszeremonie

– Abschied gestalten

Anlage 2

Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Sekundarstufe I

Erläuterungen zu den Lehrplänen

Die Lehrpläne wurden im Auftrag des Schulamtes der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR) erstellt. Die Inhalte des Lehrplans beziehen alle Traditionslinien des Buddhismus mit ein und jene wurden von den zuständigen Fachgremien erstellt. Entsprechend der österreichischen Lehrplanarchitektur werden die weiteren Ausführungen in der folgenden Struktur dargelegt:

– Bildungs- und Lehraufgabe

– Kompetenzmodell

– Grundkompetenzen

– Didaktische Grundsätze

– Zentrales fachliches Konzept

– Schulstufenbezogene Kompetenzbeschreibung

– Anwendungsbereiche

Erstellung des Unterrichtsmaterials:

Für den Lehrplan der Sekundarstufe I wird eine Auflistung mit buddhistischen Basistexten und Inhalten erstellt.

Die konkrete Unterrichtsvorbereitung und -planung obliegt den Lehrpersonen und ist unter besonderer Berücksichtigung der großen Heterogenität buddhistischer Klassen (alters-, schulstufen-, schularten- und schulübergreifend) zu gestalten.

Als Hilfestellung sind Unterrichtsentwürfe, Materialien und Stundenbilder (evtl. in Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Institut an der KPH Wien/Krems oder in beauftragten Arbeitsgruppen) in Vorbereitung.

Lehrplan für die Sekundarstufe I

Bildungs- und Lehraufgabe des Buddhistischen Religionsunterrichtes

Der Buddhistische Religionsunterricht (BRU) hat Teil am allgemeinen Bildungsziel der Schule entsprechend § 2 des Schulorganisationsgesetzes. In diesem Rahmen leistet er einen grundlegenden Beitrag zur religiös-, ethisch-, philosophischen Bildungsdimension der Schule. Über den Erwerb von methodischer und fachlicher Kompetenz hinaus, unterstützt er Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung von Persönlichkeits-, Selbst- und Sozialkompetenzen zur Lebensgestaltung und zur Bewältigung von Alltags- und Grenzsituationen im privaten und schulischen Leben.

Grundzüge einer buddhistischen Sichtweise werden im Folgenden skizziert:

Der Geist des Menschen mit seinen Faktoren von Denken, Empfinden und Wollen, kann durch Schulung, Bildung und eigenverantwortliche meditative Übungen in positive und heilsame Zustände transformiert werden. Wie ein Spiegel reagiert er auf innere und äußere Wahrnehmungen und Eindrücke und beeinflusst so das individuelle Weltbild (Samskara) eines Menschen und dessen Leben und Lebensgestaltung. Dieser Umstand soll von den Lehrerinnen und Lehrern des BRU bewusst genützt werden, um die Inhalte der buddhistischen Ethik, Anschauung und Meditation durch das eigene Vorbild im Kind bzw. Jugendlichen anzuregen. Der BRU unterstützt den allgemeinen Erziehungs- und Bildungsauftrag der öffentlichen Schule, indem er eigenständiges und kritisches Denken, Ehrfurcht vor allem Lebendigen und der Mitwelt anregt und fördert. Dies impliziert auch einen respektvollen Umgang mit anderen religiösen oder säkularen Systemen.

Über den holistischen Ansatz des bedingten Entstehens aller Phänomene – Pratitya Samutpada – begründet sich die Motivation zum Überwinden von Samsara (des Kreislaufs von Werden und Vergehen). Zwei grundlegende, zu erlernende und durch Meditation zu vertiefende Werkzeuge stehen zur Verfügung: Einsicht in die Natur der Leerheit, gewonnen aus dem Erkennen von Anatta (Nicht-Selbst) und das Mitgefühl, das als praktische Methode, für Buddhisten und Buddhistinnen der tiefere Beweggrund für ihr Handeln zum Wohle aller fühlenden Wesen ist.

Dementsprechend sind gewaltfreie Konfliktlösungen, Toleranz und Friedfertigkeit vorrangige Bildungsziele.

Den Schülerinnen und Schülern möge zur Gestaltung einer buddhistischen Lebensführung das „Buddhistische Bekenntnis“ dienen, das von den Unterrichtenden nicht als Dogma zu vermitteln ist, sondern als Angebot und Hilfe, um den jungen Menschen einen spirituellen Leitgedanken nahe zu legen. Dadurch wird die Freiheit der eigenen Entscheidung, den Weg des Buddha zu gehen, gewahrt.

Der Unterricht hat das Ziel, die Schülerinnen und Schüler zu selbstverantwortlichem Handeln (Sila) anzuregen, Selbstbewusstsein (Samadhi) zu entwickeln und Selbständigkeit (Prajna) zu fördern.

In diesem Sinne trägt der BRU zu einer toleranten Weltoffenheit in der Begegnung mit anderen Menschen, Anschauungen und Bekenntnissen bei und hilft den eigenen Standpunkt zu überprüfen und zu vertiefen. Somit leistet der BRU einen Beitrag im Sinne des interreligiösen und interkulturellen Lernens.

Der Unterricht bestärkt die Einsicht, dass die Lehre des Buddha die Wertschätzung aller anderen Lebewesen einfordert und eigene gedankliche Fixierungen, sowie emotionale Muster zu überwinden sind, um so eine positive Kommunikation bzw. Interaktion zu erreichen. Sichtweise, Meditation und Lebensführung sind die im BRU zu vermittelnden Orientierungen für eine hilfreiche Praxis für die jungen Menschen, die letztlich vom Individuum ausgehend Auswirkung auf das gesellschaftliche Leben hat.

Kompetenzmodell

Der BRU führt zum Erwerb von Kompetenzen in den Kompetenzbereichen:

– Wahrnehmen und Beschreiben (Perzeption)

– Verstehen und Deuten (Kognition)

– Gestalten und Handeln (Performanz)

– Kommunizieren und (Be-)urteilen (Interaktion)

– Teilhaben und Entscheiden (Partizipation)

Dabei greift der BRU auf folgende inhaltsbezogene Kompetenzdimensionen von Religion zurück:

Menschen und ihre Lebensorientierung

Gelehrte und gelebte Bezugsreligion

Religion in Gesellschaft und Kultur

Religiöse und weltanschauliche Vielfalt

Grundkompetenzen für die Sekundarstufe I

Durch den BRU werden Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I beim Erwerb folgender Kompetenzen (aus den 14 interreligiös vereinbarten Grundkompetenzen in altersadäquater Gewichtung) unterstützt:

– Sich selbst und das eigene Lebensumfeld mit Grenzen und Entwicklungsmöglichkeiten offen und differenziert wahrnehmen

– Verschiedene Ausdrucksformen von Spiritualität und Religiosität respektieren und in der (religions-)pluralen Gesellschaft mit Angehörigen anderer Kulturen, Konfessionen und Religionen auf Basis einer dialogischen Grundhaltung respektvoll kommunizieren

– Zentrale Botschaften, Grundbegriffe und geschichtliche Schlüsselereignisse ihrer Religion wiedergeben

– Meditation und Grundformen religiöser Praxis altersgerecht beschreiben und selbst anwenden

– Auf der Basis religiöser Grundwerte ethische Konflikte erkennen und gewaltlose Handlungsoptionen entwickeln

– Einen verantwortlichen und heilsamen Umgang mit Menschen und Natur pflegen

Didaktische Grundsätze

1.

Die Lebenswelten und -erfahrungen der Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer stehen im Mittelpunkt. Sie sind Ausgangspunkt und Ziel zugleich.

Es ist ein Grundanliegen den Schülerinnen und Schülern einen Eindruck über die Vielfalt der buddhistischen Sangha Österreichs zu geben, die Schulen und Orden aller drei Fahrzeuge (Nikayavada, Mahayana/Bodhisattvayana und Vajrayana) umfasst. Daher richtet der BRU besondere Aufmerksamkeit darauf, dialogische Fähigkeiten zu entwickeln und einzuüben.

2.

Der BRU nimmt auf die unterschiedliche buddhistische Sozialisation bzw. Erfahrung der Schülerinnen und Schüler durch Individualisierung und Differenzierung Bedacht. Er wendet sich an alle Schülerinnen und Schüler, wie unterschiedlich ihre Einstellungen auch sein mögen.

3.

Diese Auseinandersetzung begünstigt für alle am Lernprozess Beteiligten einen selbständigen, selbstbewussten und selbstverantwortlichen Umgang mit sich und der Mitwelt.

4.

Die Lehrerinnen und Lehrer im Unterrichtsgegenstand Buddhistische Religion bieten vielfältige, schulartspezifische, individualisierte, subjektbezogene und die Gruppendynamik berücksichtigende Lernformen. Um den Lebenswelten und -erfahrungen von Schülerinnen und Schülern entgegenzukommen, werden Formen wie Abteilungsunterricht, offene Lernformen, eigenverantwortliches Lernen, Projektunterricht etc. empfohlen.

Didaktisch- methodische Entscheidungen orientieren sich an den kanonischen Schriften des Buddhismus und sind dem intrabuddhistischen- und dem interreligiösen Dialog verpflichtet. Zudem werden folgende fachspezifische Besonderheiten berücksichtigt: Kleingruppen; Klassen-, Jahrgangs-, ggf. Schularten- und Standort übergreifende Gruppen; Anzahl der Wochenstunden.

Blockungen von Unterrichtsstunden zu größeren Einheiten können unter bestimmten organisatorischen und pädagogischen Bedingungen sinnvoll sein.

Zentrales fachliches Konzept

Der BRU leistet als Unterricht der einzigen anerkannten non-theistischen Religion einen grundlegenden Beitrag sowohl zur religiösen als auch zur philosophisch-ethischen Bildungsdimension, indem er Schülerinnen und Schülern eine Orientierung für eine sinnvolle und heilsame Lebensgestaltung zum Wohle aller fühlenden Lebewesen anbietet.

Der BRU ist ein gelebtes Beispiel interreligiösen Dialogs, umfasst er doch alle in Österreich vertretenen buddhistischen Schulen und Traditionen. Das Kennenlernen der unterschiedlichen buddhistischen Traditionen mit ihren kulturellen Besonderheiten, unterschiedlichen Praxiswegen, Festen und Feiertagen ist ein wesentlicher Teil des BRU, der es ermöglicht, die Vielfalt buddhistischer Sangha in Österreich zu erleben. Darüber hinaus werden auch Grundlagen der Weltreligionen vermittelt und Begegnungsräume mit Bezug zum religiösen und weltanschaulichen Lebensumfeld der Schülerinnen und Schülern eröffnet.

Themenschwerpunkte liegen neben buddhistischen Inhalten und Übungen (für Körper, Rede und Geist: Achtsamkeit, Meditation, Yoga) im Sozialen Lernen, in der Friedenserziehung und gewaltlosen Konfliktlösung im Gruppen- bzw. Klassenverband. Ein weiteres Anliegen des BRU ist eine grundlegende Offenheit für aktuelle Erkenntnisse der (Natur-) Wissenschaften, wie es in der Lehre des Buddha bereits empfohlen wird. Diese fördert eine Kultur der kritischen Auseinandersetzung mit den Phänomenen von Leben und Gesellschaft. Gesellschaftlich relevante Themen mit lebensweltlichem Bezug finden ebenso Eingang, wie das Einüben eines respektvollen, verantwortungsvollen Umgangs mit allen Lebewesen und dem gemeinsamen Kosmos.

Der BRU findet meist in Gruppen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (China, Thailand, Vietnam, …, Österreich) statt, und stellt somit einen wesentlichen Beitrag zur interkulturellen und inklusiven Bildung und Erziehung innerhalb der österreichischen Bildungslandschaft dar.

Das Mitwirken bei und das Gestalten von multireligiösen Projekten, Feiern und Festen im Schulumfeld ist ein wesentlicher Beitrag zur Schulentwicklung.

Kompetenzbeschreibungen pro Schulstufe

Die beschriebenen Grundkompetenzen gelten in unterschiedlicher Gewichtung für die jeweiligen Sekundarstufen.

Lehrplan für die Sekundarstufe I

Anwendungsbereiche

Für jede Schulstufe umfasst der Lehrplan zwei Lernschwerpunkte, die jeweils in mehrere Kernbereiche untergliedert sind. Aus beiden Lernschwerpunkten sind in der jeweiligen Schulstufe zwei Kernbereiche zu unterrichten. Weitere Kernbereiche aus beiden Lernschwerpunkten sind nach Maßgabe von Stundenanzahl und Gruppensituation zu behandeln.

Jeder Kernbereich umfasst mehrere mögliche Themenfelder, die zur Auswahl stehen und ggf. ergänzt werden können. Aufgrund der heterogenen Gruppensituation ist abzuwägen welches Themenfeld sich für den jeweiligen Lernstand anbietet. Unterschiedliche Schwerpunktsetzungen in der praktischen Umsetzung sind aufgrund oben beschriebener Gruppensituation pädagogisch sinnvoll und ausdrücklich empfohlen. Für alle Kompetenz- und Inhaltsformulierungen des Lehrplans gilt: Die Aufstellung beschreibt keine Reihenfolge der einzelnen Elemente, vielmehr erfordert sie deren Verschränkung. Die Inhalte sind den Grundkompetenzen zuzuordnen.

5. Schulstufe: Miteinander unterwegs

1. Semester

Lernschwerpunkt: Ich – Du – Wir

Kernbereich 1: Mensch sein

– Was macht mich aus?

– Was macht uns aus?

– Kostbare Menschengeburt

– Kostbare Gelegenheit der Zusammenkunft als diese Gruppe

Kernbereich 2: Wie Gemeinschaft gelingen kann

– Regeln – Grenzen – Handeln (Karma) hat Konsequenzen

– Mein Handeln hat Folgen für uns alle

– Konfliktlösung: unterschiedliche Ansätze

– Vorbilder für Gewaltlosigkeit (Lebensbilder) aus unterschiedlichen Religionen

2. Semester

Lernschwerpunkt: Buddha begegnen

Kernbereich 1: Wahrheit

– Was ist wahr?

– 4 edle Wahrheiten – 4 edle Einsichten

– Der Mittlere Weg – frei von Extremen

– Parinirvana Sutra

Kernbereich 2: Der Buddha ist weit gegangen

– Buddha Gautama: Geographischer Wirkungsraum und historische Belege

– Pilgerstätten: Heilige Stätten verbinden Menschen

– Die Menschen kommen zum Buddha

– Der innere Weg – ein achtfacher Pfad

Kernbereich 3: Zur Ruhe kommen

– Buddha als Vorbild

– Wie komme ich zur Ruhe?

– Vertrauen in den Weg entwickeln

– Rituale und Feste sind wichtig

6. Schulstufe: Siddhartha, Buddha und sein Orden

1. Semester

Lernschwerpunkt: Buddha in seiner Zeit

Kernbereich 1 Siddhartha wird Buddha

– Lebensgeschichte des Buddha

– Die vedische Kultur

– Indische Gesellschaft im Umbruch

Kernbereich 2: Der Buddha schließt niemanden aus

– Menschen aller Gesellschaftsschichten kommen zum Buddha

– Menschen anderer Religionen und Weisheitsschulen fordern den Buddha heraus

– Begegnungen mit Frauen

– Nicht nur Menschen sind „Fühlende Wesen“

2. Semester

Lernschwerpunkt

Kernbereich 1: Buddhas Leben geht zu Ende

– Auch ein Buddha stirbt

– Ananda trauert

– Dukkha ist…

Kernbereich 2: Besondere Tage

– Vesakh, das Fest aller Traditionen

– Wichtige Feste in unterschiedlichen buddhistischen Traditionen

– Feste stärken die Gemeinschaft, interbuddhistisch und multireligiös

– Ein Schuljahr geht zu Ende: Feiern wir ein gemeinsames Fest!

Kernbereich 3: Zeichen buddhistischen Lebens in der Welt

– Besondere Bauwerke

– Besondere Orte

– Besondere Symbole

7. Schulstufe: Identität und Begegnung

1. Semester

Lernschwerpunkt: Buddhistisch-Sein

Kernbereich 1: Wir laden den Buddha ein

– Qualitäten eines Buddha

– 8 Gaben der Gastfreundschaft

– Arhats und Bodhisattvas als Vorbilder

– 4-fache Gemeinschaft

Kernbereich 2: Berührt von den Unberührbaren

– Kastensystem: Paradigma der indischen Gesellschaft zu Buddhas Zeiten

– Angehörige aller Kasten finden in der Buddhasangha Zuflucht

– Soziale Ordnungen in Gesellschaften heute?

Kernbereich 3: Buddhistisch in Österreich

– Eine anerkannte Religionsgesellschaft – ÖBR

– Vielfalt ist unser Programm

– Zeichen buddhistischen Leben in meiner Umgebung / in Ö

2.Semester

Lernschwerpunkt: Religiöse Vielfalt und Dialog

Kernbereich 1: Wurzeln des Buddhismus

– Brahmanismus, Philosophie und lokale Glaubensvorstellungen

– Reformationsbewegungen in einer alternden Kultur – ein neuer Weg entsteht

– Anatta (An-atman; Nicht-Selbst; ohne Wesenskern)

Kernbereich 2: Abrahamitische Religionen

– Grundzüge des Judentums

– Grundzüge des Christentums

– Grundzüge des Islam

Kernbereich 3: Dialog – heilsam miteinander umgehen

– Gastfreundschaft in den unterschiedlichen Religionen

– Miteinander leben, miteinander reden, miteinander feiern

– Lebenswenderituale im Leben meiner Klassenkameradinnen und Klassenkameraden

8. Schulstufe: Freiheit und Verantwortung

1. Semester

Lernschwerpunkt: Freiheit gestalten

Kernbereich 1: Sila: Persönlichkeitsentwicklung; „Zum Wohle aller Wesen“

– Sichtweise (samma ditthi), Motivation (samma sankappa)

– Berufsorientierung: „Rechter Lebenserwerb“ (samma ajiva)

– Freundschaft, Liebe, Partnerschaft, Sexualität (Kalyana Mittata)

– Orientierung an anderen: Vorbilder, Peergroup, Medien, Werbung

Kernbereich 2: Samadhi

– Zuflucht (triratna); zehn sila; brahma vihara (4 Unermessliche);

– Pratitya Samutpada (paccica samuppada)

– Meide Unheilsames, tue Heilsames, zähme deinen Geist, dies ist Buddhas Lehre!

– Gewaltlosigkeit und Frieden

Kernbereich 3: Prajna

– „Geht nicht nach dem Hörensagen“ (Kalamer Sutra)

– Karma (Tat, Handlung; Ursache und Wirkung)

– Vorstellungen vom „Nicht-Nennbaren“ – shunya/ta (Leer/heit)

– Samsara – Nirvana – Wiedergeburt

2. Semester

Lernschwerpunkt: Ambivalenz von Religion

Kernbereich 1: Überprüfe alles, glaube nichts…

– Versprechen neuer Weltdeutungen

– Destruktive Formen von Religion

– Das einzig Beständige ist der Wandel (Anicca)…

Kernbereich 2: … mehr als die Summe seiner Teile?

– Buddhismus durch die Brille anderer Kulturen

– Glaube und Wissenschaft

Kernbereich 3: „Sei dir selbst eine Zuflucht!“

– Sehnsucht und „exotische“ Heilsversprechen

– Religiöser Fundamentalismus

– Hier trennen sich unsere Wege – Gewohntes zurücklassen

Anlage 3

Lehrplan Buddhistischer Religionsunterricht für die Sekundarstufe II

Erläuterungen zu den Lehrplänen

Die Lehrpläne wurden im Auftrag des Schulamtes der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR) erstellt. Die Inhalte des Lehrplans beziehen alle Traditionslinien des Buddhismus mit ein und jene wurden von den zuständigen Fachgremien erstellt.

Entsprechend der österreichischen Lehrplanarchitektur werden die weiteren Ausführungen in der folgenden Struktur dargelegt:

– Bildungs- und Lehraufgabe

– Kompetenzmodell

– Grundkompetenzen

– Didaktische Grundsätze

– Zentrales fachliches Konzept

– Schulstufenbezogene Kompetenzbeschreibung

– Interreligiös vereinbarte Kompetenzen

– Anwendungsbereiche

Erstellung des Unterrichtsmaterials

Für den Lehrplan der Sekundarstufe II wird eine Auflistung mit buddhistischen Basistexten und Inhalten erstellt.

Die konkrete Unterrichtsvorbereitung und -planung obliegt den Lehrpersonen und ist unter besonderer Berücksichtigung der großen Heterogenität buddhistischer Klassen (alters-, schulstufen-, schularten- und schulübergreifend) zu gestalten.

Als Hilfestellung sind Unterrichtsentwürfe, Materialien und Stundenbilder (evtl. in Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Institut an der KPH Wien/Krems oder in beauftragten Arbeitsgruppen) in Vorbereitung.

Lehrplan für die Sekundarstufe II

Bildungs- und Lehraufgaben des Buddhistischen Religionsunterrichtes

Der Buddhistische Religionsunterricht (BRU) hat Teil am allgemeinen Bildungsziel der Schule entsprechend § 2 des Schulorganisationsgesetzes. In diesem Rahmen leistet er einen grundlegenden Beitrag zur religiös-, ethisch-, philosophischen Bildungsdimension der Schule. Über den Erwerb von methodischer und fachlicher Kompetenz hinaus, unterstützt er Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung von Persönlichkeits-, Selbst- und Sozialkompetenzen zur Lebensgestaltung und zur Bewältigung von Alltags- und Grenzsituationen im privaten und schulischen Leben.

Grundzüge einer buddhistischen Sichtweise werden im Folgenden skizziert:

Der Geist des Menschen mit seinen Faktoren von Denken, Empfinden und Wollen, kann durch Schulung, Bildung und eigenverantwortliche meditative Übungen in positive und heilsame Zustände transformiert werden. Wie ein Spiegel reagiert er auf innere und äußere Wahrnehmungen und Eindrücke und beeinflusst so das individuelle Weltbild (Samskara) eines Menschen und dessen Leben und Lebensgestaltung. Dieser Umstand soll von den Lehrerinnen und Lehrern des (BRU) bewusst genützt werden, um die Inhalte der buddhistischen Ethik, Anschauung und Meditation durch das eigene Vorbild im Kind bzw. Jugendlichen anzuregen. Der BRU unterstützt den allgemeinen Erziehungs- und Bildungsauftrag der öffentlichen Schule, indem er eigenständiges und kritisches Denken, Ehrfurcht vor allem Lebendigen und der Mitwelt anregt und fördert. Dies impliziert auch einen respektvollen Umgang mit anderen religiösen oder säkularen Systemen.

Über den holistischen Ansatz des bedingten Entstehens aller Phänomene – Pratitya Samutpada – begründet sich die Motivation zum Überwinden von Samsara (des Kreislaufs von Werden und Vergehen). Zwei grundlegende, zu erlernende und durch Meditation zu vertiefende Werkzeuge stehen zur Verfügung: Einsicht in die Natur der Leerheit, gewonnen aus dem Erkennen von Anatta (Nicht-Selbst) und das Mitgefühl, das als praktische Methode, für Buddhistinnen und Buddhisten der tiefere Beweggrund für ihr Handeln zum Wohle aller fühlenden Wesen ist.

Dementsprechend sind gewaltfreie Konfliktlösungen, Toleranz und Friedfertigkeit vorrangige Bildungsziele.

Den Schülerinnen und Schülern möge zur Gestaltung einer buddhistischen Lebensführung das „Buddhistische Bekenntnis“ dienen, das von den Unterrichtenden nicht als Dogma zu vermitteln ist, sondern als Angebot und Hilfe, um den jungen Menschen einen spirituellen Leitgedanken nahe zu legen. Dadurch wird die Freiheit der eigenen Entscheidung, den Weg des Buddha zu gehen, gewahrt.

Der Unterricht hat das Ziel, die Schülerinnen und Schüler zu selbstverantwortlichem Handeln (Sila) anzuregen, Selbstbewusstsein (Samadhi) zu entwickeln und Selbständigkeit (Prajna) zu fördern.

In diesem Sinne trägt der BRU zu einer toleranten Weltoffenheit in der Begegnung mit anderen Menschen, Anschauungen und Bekenntnissen bei und hilft den eigenen Standpunkt zu überprüfen und zu vertiefen. Somit leistet der BRU einen Beitrag im Sinne des interreligiösen und interkulturellen Lernens.

Der Unterricht bestärkt die Einsicht, dass die Lehre des Buddha die Wertschätzung aller anderen Lebewesen einfordert und eigene gedankliche Fixierungen, sowie emotionale Muster zu überwinden sind, um so eine positive Kommunikation bzw. Interaktion zu erreichen. Sichtweise, Meditation und Lebensführung sind die im BRU zu vermittelnden Orientierungen für eine hilfreiche Praxis für die jungen Menschen, die letztlich vom Individuum ausgehend Auswirkung auf das gesellschaftliche Leben hat.

Kompetenzmodell

Der BRU führt zum Erwerb von Kompetenzen in den Kompetenzbereichen:

– Wahrnehmen und Beschreiben (Perzeption)

– Verstehen und Deuten (Kognition)

– Gestalten und Handeln (Performanz)

– Kommunizieren und (Be-)urteilen (Interaktion)

– Teilhaben und Entscheiden (Partizipation)

Dabei greift der BRU auf folgende inhaltsbezogene Kompetenzdimensionen von Religion zurück:

Menschen und ihre Lebensorientierung

Gelehrte und gelebte Bezugsreligion

Religion in Gesellschaft und Kultur

Religiöse und weltanschauliche Vielfalt

Grundkompetenzen für die Sekundarstufe II

Durch den BRU werden Schülerinnen und Schüler beim Erwerb folgender Kompetenzen unterstützt:

– Sich selbst und das eigene Lebensumfeld mit Grenzen und Entwicklungsmöglichkeiten offen und differenziert wahrnehmen

– Verschiedene Ausdrucksformen von Spiritualität und Religiosität respektieren und in der (religions-) pluralen Gesellschaft mit Angehörigen anderer Kulturen, Konfessionen und Religionen auf Basis einer dialogischen Grundhaltung respektvoll kommunizieren

– Zentrale Botschaften, Grundbegriffe und geschichtliche Schlüsselereignisse ihrer Religion wiedergeben

– Meditation und Grundformen religiöser Praxis altersgerecht beschreiben und selbst anwenden

– Auf der Basis religiöser Grundwerte ethische Konflikte erkennen und gewaltlose Handlungsoptionen entwickeln

– Einen verantwortlichen und heilsamen Umgang mit Menschen und Natur pflegen

Didaktische Grundsätze

1.

Die Lebenswelten und -erfahrungen der Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer stehen im Mittelpunkt. Sie sind Ausgangspunkt und Ziel zugleich.

Es ist ein Grundanliegen den Schülerinnen und Schülern einen Eindruck über die Vielfalt der buddhistischen Sangha Österreichs zu geben, die Schulen und Orden aller drei Fahrzeuge (Nikayavada, Mahayana/Bodhisattvayana und Vajrayana) umfasst. Daher richtet der BRU besondere Aufmerksamkeit darauf, dialogische Fähigkeiten zu entwickeln und einzuüben.

2.

Der BRU nimmt auf die unterschiedliche buddhistische Sozialisation bzw. Erfahrung der Schülerinnen und Schüler durch Individualisierung und Differenzierung Bedacht. Er wendet sich an alle Schülerinnen und Schüler, wie unterschiedlich ihre Einstellungen auch sein mögen.

3.

Diese Auseinandersetzung begünstigt für alle am Lernprozess Beteiligten einen selbständigen, selbstbewussten und selbstverantwortlichen Umgang mit sich und der Mitwelt.

4.

Die Lehrerinnen und Lehrer im Unterrichtsgegenstand Buddhistische Religion bieten vielfältige, schulartspezifische, individualisierte, subjektbezogene und die Gruppendynamik berücksichtigende Lernformen. Um den Lebenswelten und -erfahrungen von Schülerinnen und Schülern entgegenzukommen, werden Formen wie Abteilungsunterricht, offene Lernformen, eigenverantwortliches Lernen, Projektunterricht etc. empfohlen.

Didaktisch- methodische Entscheidungen orientieren sich an den kanonischen Schriften des Buddhismus und sind dem intrabuddhistischen- und dem interreligiösen Dialog verpflichtet. Zudem werden folgende fachspezifische Besonderheiten berücksichtigt: Kleingruppen; Klassen-, Jahrgangs-, ggf. Schularten- und Standort übergreifende Gruppen; Anzahl der Wochenstunden.

Blockungen von Unterrichtsstunden zu größeren Einheiten können unter bestimmten organisatorischen und pädagogischen Bedingungen sinnvoll sein.

Zentrales fachliches Konzept

Der BRU leistet als Unterricht der einzigen anerkannten non-theistischen Religion einen grundlegenden Beitrag sowohl zur religiösen als auch zur philosophisch-ethischen Bildungsdimension, indem er Schülerinnen und Schülern eine Orientierung für eine sinnvolle und heilsame Lebensgestaltung zum Wohle aller fühlenden Lebewesen anbietet.

Der BRU ist ein gelebtes Beispiel interreligiösen Dialogs, umfasst er doch alle in Österreich vertretenen buddhistischen Schulen und Traditionen. Das Kennenlernen der unterschiedlichen buddhistischen Traditionen mit ihren kulturellen Besonderheiten, unterschiedlichen Praxiswegen, Festen und Feiertagen ist ein wesentlicher Teil des BRU, der es ermöglicht, die Vielfalt buddhistischer Sangha in Österreich zu erleben. Darüber hinaus werden auch Grundlagen der Weltreligionen vermittelt und Begegnungsräume mit Bezug zum religiösen und weltanschaulichen Lebensumfeld den Schülerinnen und Schülern eröffnet.

Themenschwerpunkte liegen neben buddhistischen Inhalten und Übungen (für Körper, Rede und Geist: Achtsamkeit, Meditation, Yoga) im Sozialen Lernen, in der Friedenserziehung und gewaltlosen Konfliktlösung im Gruppen- bzw. Klassenverband. Ein weiteres Anliegen des BRU ist eine grundlegende Offenheit für aktuelle Erkenntnisse der (Natur-) Wissenschaften, wie es in der Lehre des Buddha bereits empfohlen wird. Diese fördert eine Kultur der kritischen Auseinandersetzung mit den Phänomenen von Leben und Gesellschaft. Gesellschaftlich relevante Themen mit lebensweltlichem Bezug finden ebenso Eingang, wie das Einüben eines respektvollen, verantwortungsvollen Umgangs mit allen Lebewesen und dem gemeinsamen Kosmos.

Der BRU findet meist in Gruppen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (China, Thailand, Vietnam, …, Österreich) statt und stellt somit einen wesentlichen Beitrag zur interkulturellen und inklusiven Bildung und Erziehung innerhalb der österreichischen Bildungslandschaft dar.

Das Mitwirken bei und das Gestalten von multireligiösen Projekten, Feiern und Festen im Schulumfeld ist ein wesentlicher Beitrag zur Schulentwicklung.

Kompetenzbeschreibungen pro Schulstufe

Die beschriebenen Grundkompetenzen gelten in unterschiedlicher Gewichtung für alle Schulstufen.

Interreligiös vereinbarte Kompetenzen

In Hinblick auf die kompetenzorientierte Reifeprüfung sind die 14 interreligiös vereinbarten Kompetenzen bei der Erarbeitung des Lehrstoffs zu berücksichtigen. Die insbesondere im Hinblick auf die Reifeprüfung zu erwerbenden Kompetenzen sind folgende:

– Die Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, sich selbst, ihr Lebensumfeld und die Welt mit ihren Chancen, Problemen, Grenzen und Entwicklungsmöglichkeiten offen und differenziert wahrzunehmen und diese Wahrnehmung zum Ausdruck zu bringen.

– Die Schülerinnen und Schüler können religiös bedeutsame Phänomene wahrnehmen. Sie (er)kennen und verstehen Sprach-, Kommunikations- und Gestaltungsformen, die für das religiöse Selbst- und Weltverständnis charakteristisch sind.

– Sie erkennen die vielfältigen Dimensionen religiösen Denkens und Handelns und reflektieren die unterschiedlichen Zugänge zur Religion sowie verschiedene Ausdrucksformen von Spiritualität.

– Die Schülerinnen und Schüler können die zentrale Botschaft, die Grundbegriffe, die Aussagen der wichtigsten Texte bzw. Lehren, sowie entscheidende Phasen und geschichtliche Schlüsselereignisse ihrer Religion/Konfession wiedergeben und deuten. Sie können in der Fülle des Einzelnen religionsspezifische bzw. theologische Leitmotive entdecken.

– Die Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, zwischen verschiedenen kulturellen Ausprägungen ihrer Religion zu differenzieren, deren Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zu erkennen und sensibel darzustellen.

– Die Schülerinnen und Schüler können Grundformen religiöser Praxis (zB Rituale bzw. religiöse Riten und Feiern) in ihrer allgemeinen und persönlichen Bedeutung beschreiben und reflektieren.

– Die Schülerinnen und Schüler können eigene religiöse Vorstellungen auf Grund der zentralen Deutungsmuster ihrer Religion reflektieren. Sie können wichtige Grundlagen anderer Religionen/Konfessionen/Weltanschauungen darlegen.

– Die Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, die zentralen Deutungsmuster ihrer Religion mit den Deutungsmustern anderer religiöser Traditionen/Weltanschauungen/Weltbilder in Beziehung zu setzen.

– Auf Basis ihres Wissens und der erworbenen dialogischen Grundhaltung sind die Schülerinnen und Schüler in der Lage, in der (religions)pluralen Gesellschaft mit Angehörigen anderer Kulturen, Konfessionen und Religionen respektvoll zu kommunizieren.

– Die Schülerinnen und Schüler können verschiedene (religiös fundierte) Modelle ethischen Handelns beschreiben und beurteilen.

– Die Schülerinnen und Schüler sind fähig, auf der Basis religiöser Grundwerte zu ethischen Konflikten sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Diskursen Stellung zu nehmen.

– Die Schülerinnen und Schüler sind fähig, die zentrale Botschaft und die Deutungsmuster ihrer Religion als relevant für das Leben des/der Einzelnen und das Leben in der Gemeinschaft aufzuzeigen und zu würdigen.

– Die Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, in (inter)kulturellen und ethischen Herausforderungen unserer Welt Handlungsoptionen zu entwickeln und zu begründen, sowie Möglichkeiten von eigenem verantwortlichem Handeln zu beschreiben.

– Die Schülerinnen und Schüler können einen verantwortlichen Umgang mit Mensch und Natur darlegen.

Lehrplan für die Sekundarstufe II

Anwendungsbereiche

In jeder Schulstufe umfasst der Lehrplan Schwerpunkte, die sich aus mehreren Inhalten zusammensetzen. Auf die entsprechende Prüfungsordnung zur Reifeprüfung wird in Hinblick auf die Mindestanzahl der zu behandelnden Themen verwiesen. Dementsprechend sind anhand folgender Inhalte die wesentlichen Bereiche zu konzipieren sowie den Grundkompetenzen zuzuordnen.

9. Schulstufe:

1. Semester:

– Siddharta Gautama, der Buddha: historische Forschung, Überlieferung und Legende

– Grundlehre des Buddha

2. Semester:

– Eine Religion und drei Wege

– Europa und seine Rezeption des Buddha

10. Schulstufe:

1. Semester:

– Vielfältige Entwicklung des Dharma in 2500 Jahren

– Begegnung mit religiöser Vielfalt und Vertiefung in die monotheistischen Religionen

2. Semester:

– Eine Ethik mit universeller Verantwortung

– Wege und Methoden der Meditation

11. Schulstufe:

1. Semester:

– Buddhistische Philosophie seit der Antike

– Der Inter-dependente Mensch und seine Wirklichkeit

2. Semester:

– Eine Fülle von Schriften

– Kunst und Symbolik im Buddhismus

12. Schulstufe:

1. Semester:

– Grundlagen und Bedeutung des Engagierten Buddhismus

– Leben in einer diversen Gesellschaft und ihre Herausforderungen

2. Semester:

– Umgang mit SDGs; Klimaveränderung und Verantwortung aus buddhistischer Sicht

– Buddhistische Alternativen zu herrschenden Gesellschafts- und Wirtschaftsmodellen

13. Schulstufe:

1. Semester:

In diesem Semester sind die Anwendungsbereiche eine Vertiefung von Themen aus den vorangegangenen Semestern. Diese werden von der Lehrkraft unter Berücksichtigung der Interessen der Schülerinnen und Schüler sowie unter Bedachtnahme auf die jeweilige Unterrichtssituation und den Schulschwerpunkt am Beginn des 1. Semesters der 13. Schulstufe festgelegt und bekanntgemacht.

2. Semester:

In diesem Semester sind die Anwendungsbereiche eine Vertiefung von Themen aus den vorangegangenen Semestern. Diese werden von der Lehrkraft unter Berücksichtigung der Interessen der Schülerinnen und Schüler sowie unter Bedachtnahme auf die jeweilige Unterrichtssituation und den Schulschwerpunkt am Beginn des 2. Semesters der 13. Schulstufe festgelegt und bekanntgemacht.

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