Bekanntmachung der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend die Lehrpläne für den islamischen Religionsunterricht an Pflichtschulen, mittleren und höheren Schulen
Al-Ma‘ida 5/5,87; Baqara 2/29; an-Nahl 16/14.
Themenkreis: Quellen des Islam / Themenbezogenes Studium von Qur’an und Sunnah
Gottesbild und Menschenbild
Allah (s.t.)
Es soll herausgearbeitet werden, dass Allah dem Menschen nahe ist. Auch wenn Er größer ist als es das Vorstellungsvermögen des Menschen je erfassen könnte, sollen die Schülerinnen und Schüler über die „99 Namen“ Attribute Gottes erfahren und so ihre Gottesbeziehung vertiefen.
Baqara 2/255; al-An’am 6/95-103; Qaf 50/16; Dhariyat 51/56-57; Haschr 59/22-24.
Hadith: „Als Gott über die Schöpfung entschieden hatte, schrieb er in einem Buch, das bei ihm über dem Thron steht: Meine Barmherzigkeit ist größer als mein Zorn.“ (Bukhari, Muslim, Tirmidhi)
Der Mensch
Die Schülerinnen und Schüler sollen begreifen, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft gleich an Würde (Karamah) sind. Alle Menschen tragen als Gottesgeschenk die prinzipielle Erkenntnisfähigkeit in den rechten Weg mit sich (Fitrah). Die Schülerinnen und Schülerr sollen so in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden und gleichzeitig bereit sein, Verantwortung für die Schöpfung zu tragen.
Baqara 2/30-34;286; Ali-Imran 3/7; al-A‘raf 7/42; al-Isra’ 17/15; al-Hadsch 22/5,6; ar-Ruum 30/20-27; al-Insan 76/2-3.
Hadith: „Jedes Kind wird mit der schöpfungsmäßigen Anlage (zum rechten Weg) geboren. Und seine Eltern machen aus ihm…“ (Bukhari, Muslim, Abu Dawud, Tirmidhi)
Ayat, die im persönlichen Rezitationsprogramm Aufnahme finden sollen:
Surah asch-Scharh 94.
Menschen im Qur’an, die besonderes Vertrauen bewiesen und darin ihre Stärke entwickelten
Der Prophet Ayyub (a.s.)
Die Schülerinnen und Schüler sollen in diesem Propheten ein Beispiel für Zuversicht und Gottvertrauen trotz schwerer Schicksalsschläge finden.
Al-Anbiya‘ 21/83,84; Sad 38/41-44.
Maryam, die Mutter des Propheten Isa (a.s.)
An diesem Beispiel soll aufgezeigt werden, dass auch Frauen von Allah mit ganz besonderen Aufgaben ausgezeichnet wurden und für alle Menschen Vorbild sind.
Vgl. Ali-Imran 3/42-47; Maryam 19/16-36.
Themenkreis: Islam im Miteinander verwirklichen
Islamische Werte (Ahlaq und Adab)
Freiheit und Entscheidungsfreiheit in ihrer Relation zur Mündigkeit
Die Jugendlichen sollen angeregt werden darüber nachzudenken, wie Mündigsein auch eine tiefere Reflektion zum Umgang mit Freiheit bedingt. Es soll von den Lehrkräften dargelegt werden, dass der Mensch nach islamischem Verständnis mit einem freien Willen und Entscheidungskraft ausgestattet wurde. Vgl. Baqara 2/256; al-Kahf 18/29.
Verzichten können und dabei gewinnen
Die Jugendlichen sollen erkennen, dass einseitige Konsumorientiertheit keine Garantie für ein Mehr an Lebensqualität ist. Vgl. al-Qasas 28/79-80.
Hadith: „Habt ihr denn nicht gehört? Bescheidenheit und Enthaltsamkeit gehören zum Glauben.“ (Abu Dawud); „Wahrer Reichtum ist nicht Reichtum an Besitz, sondern wahrer Reichtum ist im Herzen.“ (Bukhari und Muslim)
Disziplin und Prioritäten setzen können
Dass Gottvertrauen und Selbstvertrauen in Zusammenhang stehen, soll in Bezug auf die Fähigkeit, Ziele zu definieren und dann auch konkret anzugehen, besprochen werden. Vgl. Asch-Scharh 94/7.
Dankbarkeit
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich der vielen guten Dinge, die sie oft wie selbstverständlich genießen, bewusster werden und damit eine optimistische Grundhaltung gewinnen können.
Hadith:“Wer auch immer von euch (morgens) seelisch und körperlich gesund aufwacht, und dessen Lebensunterhalt für diesen Tag gesichert ist, ist so, als wenn er im Besitz der ganzen Welt wäre.“ (Tirmidhi); „Wer den Menschen nicht dankt, dankt auch Allah, dem Erhabenen, nicht.“ (Abu Dawud)
Positiv denken und sich bei Gott aufgehoben wissen (Tawakkul):
Es soll darüber nachgedacht werden, wie Selbstmotivation über ein muslimisches Bewusstsein erreicht werden kann. Im Unterricht soll vor allem darüber reflektiert werden, wie mitunter auch im scheinbar „Schlechten“ etwas „Gutes“ liegen kann. Vgl. Ali-Imran 3/159; asch-Scharh 94/5-6.
„Wer sich geduldig verhält, dem gibt Allah die Kraft dazu. Keinem wird etwas Besseres und Reichlicheres gegeben als die Geduld.“
Was der eigene Name erzählt
Im Unterricht sollen die Namen der Schülerinnen und Schüler als Impuls verwendet werden, sich jeweils mit dem eigenen Ich auseinanderzusetzen. Denn jeder Name kann auch eine Geschichte erzählen, Herkunft, Hintergrund, Wünsche und Ziele stehen mit ihm in Verbindung, wie auch die Frage, welche Hoffnungen der Eltern für die Zukunft des Kindes bei der Namenswahl entscheidend waren und wie die Kinder das später selbst beurteilen.
Sich selbst mit Stärken und Schwächen als wertvoll annehmen können
Nach islamischem Verständnis ist jeder Mensch einmalig und besonders. Das Leben ist ein Gottesgeschenk. Diese Dimension so zu vermitteln, dass Vertrauen und Freude etwas „aus sich zu machen“ verstärkt werden, soll im Unterricht nach Möglichkeit gelingen.
Vertrauenswürdig sein
Wer vertrauen kann, wird den Wert von Vertrauen so verinnerlichen, dass damit auch ein Maßstab eigenen Handelns entsteht. Vertrauenswürdigkeit soll auf Basis der muslimischen Quellen, etwa durch das Beispiel des Propheten Muhammad (al Amin, a.s.), behandelt werden.
Frei sein im Gegensatz zu selbstzerstörerischen Abhängigkeiten (Sucht)
Mündig zu werden bedeutet auch das Erreichen von mehr Unabhängigkeit. Dies soll im Unterricht gemeinsam besprochen werden und dabei der Gegensatz zu jenen Abhängigkeiten verdeutlicht werden, die durch den Gebrauch von Suchtmitteln entstehen. Die Haltung des Islam gegenüber Drogen soll behandelt werden.
Al-Ma‘ida 5/90;
„Alle berauschenden Dinge sind haram.“ (Muslim)
Bewahrung der Schöpfung (Istikhlaaf)
Die Welt als Wunderzeichen Allahs (t.) Im Unterricht soll über den Stellenwert von Natur im Islam gesprochen werden. Dabei soll insbesondere die religiöse Bedeutung des Kreislaufs von Leben, der Bedeutung von Naturbeobachtung als einer Art Gottesdienst und dem Gebot des Erhalts eines natürlichen Gleichgewichts zur Sprache kommen.
Baqara 2/164; Yunus 10/5; Ibrahim 14/19,20,32-34; an-Naml 27/89; asch-Schura 42/30; al-Mulk 67/3
Muslime im Dialog
Qualitätskriterien für einen gelungenen Dialog
Die Schülerinnen und Schüler sollen angeregt werden, über den Wert von Dialog nachzudenken. Dabei sollen sie wichtige Gütemerkmale erkennen wie Offenheit, Respekt, Akzeptanz anderer Meinungen, Neugier, Zuhören können und sich in den anderen hineinzuversetzen. Sie sollen überlegen, wo überall Dialog entsteht und möglichst praktische Konsequenzen für ihr Kommunikationsverhalten ziehen.
Al-An‘am 6/108; al-Ankabut 29/46; an-Nahl 16/125; al-Hudschurat 49/11
Erarbeitung einer kurzen Präsentation zum Islam
Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, über ihre Religion Auskunft geben zu können. Über das konkrete Vorbereiten einer kurzen Präsentation oder eines Referats soll zudem trainiert werden, über Unterschiede zwischen Innen- und Außensicht zu reflektieren.
Abrahamitische Religionen
Die Schülerinnen und Schüler sollen mit dem Begriff „abrahamitische Religionen“ vertraut gemacht werden und Gemeinsamkeiten der Religionen erkennen.
Themenkreis: Muslimische Wissenschaft und Kultur im Austausch
Der muslimische Inselroman „Hayy Ibn Yaqthan“ von Ibn Tufail
Auszüge des Romans und Hintergründe sollen anschaulich den „fitrah – Gedanken“ aufzeigen. Die Wirkungsgeschichte des Romans kann verdeutlichen, wie muslimische Kultur und muslimisches Denken auch in Europa rezipiert wurde.
Medizinische Forschung und Lehre im Dienste der Menschen
Die Ausbildung des muslimischen Spitalswesens und der Gesundheitsvorsorge ab dem 8. Jh soll. unter Bezugnahme auf berühmte Wissenschaftler wie Ibn Hayyan (Geber), ar-Razi (Rhazes), az-Zahrawi (Albucasis), Ibn al-Haytham (Alhazen) und Ibn Sina (Avicenna) behandelt werden. Dabei soll vor allem gezeigt werden, dass der Islam Forschung fördert und die Medizin auch religiös betrachtet einen besonders hohen Stellenwert genießt.
Themenkreis: Islam in Österreich und in Europa
Islamisches Leben in Österreich
Vereinbarkeit einer Identität als Muslim/in und Österreicher/in
Die Schülerinnen und Schüler sollen eine Einführung in die spezielle Situation für Muslime in Österreich erhalten. Daher soll zum Beispiel das Islamgesetz von 1912 behandelt werden und welche positiven Konsequenzen dies hat. Staatliche Anerkennung soll auch als Einbindung und Gebot der Gegenseitigkeit verstanden werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen so auch einen emotionalen Bezugsrahmen finden, der ihnen die Gleichzeitigkeit eines Bewusstseins als Muslimin bzw. als Muslim und als Österreicherin bzw. als Österreicher vermittelt.
Partizipation am gesellschaftlichen Leben in verschiedensten Bereichen (Vereine, Parteien, Gewerkschaften, zivilgesellschaftliche Organisationen, Wahlen…)
Beispielhaft soll verdeutlicht werden, wo sich Muslime bereits überall im Sinne des Allgemeinwohls einbringen und wie und warum dies auch von der Religion her geboten ist.
Ablehnung von jeglichem Rassismus und jeglicher Diskriminierung
Der Islam verbietet Rassismus. Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit werden theologisch begründet abgelehnt. Ausgehend davon, auch ein religiöses Unrechtsbewusstsein zu wecken, wenn es um Fälle von Diskriminierung geht, soll die Situation in Österreich besprochen werden. Dabei soll ein besonderer Schwerpunkt darauf gelegt werden, welchen Schutz Religionsfreiheit genießt.
Islam in Spanien
Spanien soll als jenes Land in Europa präsentiert werden, das durch seine Geschichte in einer besonderen Beziehung zum Islam steht. Wichtige Kulturdenkmäler wie die Alhambra sollen vorgestellt werden.
Themenkreis: Muslimsein im österreichischen Berufsleben
Religion und Berufsleben
Spezielle Fragen, die das Praktizieren religiöser Gebote während der Arbeitszeit betreffen, sollen im Unterricht besprochen werden. Dabei soll der Islam als „Religion der Mitte“ vorgestellt werden, in der sich je nach den Umständen flexible Antworten finden lassen. Vor allem soll gezeigt werden, wie sich hohe Arbeitsmoral und Teamgeist und muslimisches Bewusstsein verbinden.
Themenkreis: Geschichte(n)
Isra’ und Mi‘raadsch – Die Himmelfahrt des Propheten Muhammad (a.s.) und ihre Bedeutung für die Muslime
Diese Ereignisse sollen in ihrer praktischen Bedeutung für die Muslime erläutert werden (Bestimmungen über das Gebet, religiöse Bedeutung von Jerusalem) vgl. Al-Isra‘ 17/1.
Die Auswanderungen der Muslime (Hidschra)
Historisch sind Erfahrungen mit Migration in der muslimischen Geschichte prägend. Beide Auswanderungen, zuerst nach Abessinien, wo sie beim christlichen Herrscher Asyl fanden und dann nach Madinah können für heutige Muslime in Österreich interessante Aspekte in Richtung der Integrationsleistung aufzeigen. Diese Anregungen sollen auch in Bezug auf die eigene Lebenswirklichkeit der Jugendlichen gesetzt werden.
Herausragende Muslime im 20. Jh.: z.B. Muhammad Asad oder Malcolm X
Muhammad Asad soll zum Beispiel als großer Denker des Islam mit österreichischen Wurzeln präsentiert werden, der für die Vereinbarkeit von Islam mit Demokratie eintrat.
Malcom X kann als ein Beispiel dafür stehen, dass Rassismus im Islam keinen Platz hat. Sein Lebensweg kann in einem kurzen Abriss die Erkenntnis dieser anti-rassistischen Grundhaltung fördern. Zugleich soll aufgezeigt werden, wie im persönlichen Eingeständnis von Denkfehlern auch Stärke liegt und so Mut machen, sich selbstkritisch weiterzuentwickeln.
Schulstufe: VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN
Aufbauend auf der Bewusstmachung der Dimension religiöser Reife und Mündigkeit steht in diesem Jahr die damit verbundene Verantwortlichkeit im Mittelpunkt. Verantwortung übernehmen zu können, bedeutet im Kontext des islamischen Religionsunterrichtes, sich das Ziel menschlichen Strebens zu vergegenwärtigen, das Wohlgefallen Allahs zu erreichen und damit den eigenen Tod und das Danach nicht auszublenden. Ethisch richtiges Handeln und gute Werke zu tun ist verbunden mit der Bereitschaft, die eigenen Absichten zu hinterfragen und zu prüfen und um die eigene Willensfreiheit zu wissen, damit negative Entwicklungen nicht bequem mit dem Vorwand des „Schicksals“ aus der eigenen Verantwortung geschoben werden können. Die Übernahme von Verantwortung bringt eine Qualität des Menschseins hervor, die den Jugendlichen nahe gebracht wird. Dazu gehört nicht nur, auf Kriterien wie die Bevorzugung eines Weges der Mitte im Islam zu verweisen und das Sich Einsetzen auf dem Weg Gottes genauer zu definieren, sondern derartige theoretische Grundlagen immer wieder in die Praxis zu übersetzen. Daher sind in diesem Jahr soziale Rollen Gegenstand intensiverer Betrachtung. Aber auch größere Zusammenhänge – Geschlechtergerechtigkeit, das Wirtschaftsleben und Tier- und Umweltschutz werden in verschiedenen Themenkreisen einer eingehenden Untersuchung unterzogen. In unserer globalisierten und zunehmend vernetzten Welt soll somit das Bewusstsein geweckt werden, dass die Beiträge des Einzelnen keineswegs verloren gehen. Vielmehr sollen die Schülerinnen und Schüler Konsequenzen individuellen Handelns auch in ihrer gesellschaftlichen Tragweite erkennen, um damit die Motivation für die eigene Teilhabe in diesen Prozessen zu fördern.
Themenkreis: Islam leben und verstehen (Islam, Iman, Ihsan)
Glaubensartikel, wahrgenommen in vertiefter Dimension
Qadaa´ und Qadar – Die göttliche Vorsehung
Die Schülerinnen und Schüler sollen einerseits diesen islamischen Glaubensartikel aufnehmen und andererseits reflektieren, dass dieser keinesfalls mit einer blinden „Schicksalsgläubigkeit“ zu verwechseln ist. Denn das islamische Konzept göttlicher Vorsehung räumt dem freien menschlichen Willen einen festen Platz ein und entbindet so nicht von der persönlichen Verantwortung.
Al-Isra‘ 17/30; al-Ankabut 29/62; ar-Ruum 30/37, al-Fatir 35/11
Der jüngste Tag
Die eigene Endlichkeit im Diesseits soll besprochen werden und damit auch die Jenseitsvorstellungen im Islam. Nach Möglichkeit soll in der Klasse das oft verdrängte Thema „Tod“ so behandelt werden, dass angstfreier damit umgegangen werden kann und Hoffnung gegeben wird. Vgl. Baqara 2/156; Ali-Imran 3/185; an-Nisa‘ 4/78; al-Waqia 56/60; al-Fadschr 89/27-28.
Hadith:“Der Mensch wird am Tag der Auferstehung sich nicht von der Stelle vor seinem Herrn bewegen, bis er nach Fünferlei gefragt wird: nach seinem Leben, womit er es verbrachte, nach seiner Jugend und wie er sie verbrachte, nach seiner Gesundheit, und wie er mit ihr umging, nach seinem Vermögen, wovon er es erwarb und wie er es ausgab, und nach seinem Wissen, was er damit anstellte.“
Testament, Bestattungsrituale, Totengebet, Sorge um die Hinterbliebenen
Die Schülerinnen und Schüler sollen praktische Handlungen kennenlernen, die mit dem Sterben in Verbindung stehen. Gottesdienstliche Abläufe sollen bekannt gemacht werden. Verantwortung im Leben reicht auch über den Tod hinaus, indem über eine letzte Verfügung Vorsorge für die Hinterbliebenen getroffen wird. Vgl. Baqara 2/180-182
Ihsan – von der Aufrichtigkeit im Glauben und dem daraus resultierenden Handeln
Das Fassen der Absicht (Niyah)
Verantwortlichkeit bedarf der Selbstreflexion. Daher soll intensiv besprochen werden, welche Wirkung das Absichtfassen im Islam hat und wie dadurch die eigene Aufrichtigkeit einer positiven Selbstkontrolle unterliegt. Vgl. At-Tauba 9/119; Ghafir 40/19; al-Lail 92/20; al-Bayyinah 98/5.
„Scharfsinnig ist derjenige, der sich selbst kritisch betrachtet.“ (Tirmidhi)
„Wahrlich, die Taten sind den Absichten entsprechend. Jedem wird das, was er beabsichtigt, zugeschrieben. (Bukhari).
Der islamische Weg der Mitte
Der Islam bevorzugt in allem Handeln, wie auch bei der Entwicklung theoretischer Konzepte, Ausgewogenheit und Balance. Wie dadurch Extreme verhindert werden können, soll gemeinsam bedacht werden. Vgl. Baqara 2/143,185; al-Ma’ida 5/87; al-An’am 6/153; Ta-Ha 20/2.
„Dieser Glaube ist gewiss einfach. Kein Mensch soll sich in Extremen verlieren, was die Angelegenheiten des Glaubens betrifft.“ (Bukhari)
Sich Einsetzen auf dem Weg Gottes (Dschihad)
Da der Begriff „Dschihad“ vor allem in der Außensicht oft missverstanden wird, soll eine genaue Definition im Unterricht erarbeitet werden. Dabei soll im Vordergrund stehen, wie die eigene Triebseele durch das „sich Einsetzen auf dem Weg Gottes“ einer beständigen Kontrolle ausgesetzt ist. Den Schülerinnen und Schülern soll klar werden, warum eine Übersetzung mit „Heiliger Krieg“ völlig abzulehnen ist, und sie sollen dies begründen können. Vgl. An-Nisa‘ 4/95,96; at-Tauba 9/20.
„Dschihad un-nafs – Der größte Dschihad ist die Selbstüberwindung“ und: „Der größte Dschihad ist ein wahres Wort gegen einen Tyrannen.“
Wirtschaftsethik im Islam
Es soll vor allem auf fünf wesentliche Aspekte hingewiesen werden: Zinsverbot, maßvolle Verschuldung, Verkauf nur dessen, was man tatsächlich besitzt, Verbot jeder Art des Betrugs und Gebot der Nachhaltigkeit. Im Unterricht sollen auch neuere Entwicklungen wie der Trend zu „Islamic Banking“ kritisch konstruktiv analysiert und besprochen werden.
Vgl. Baqara 2/188,275; at-Tauba 9/34; asch-Schuara 26/181-183; at-Takathur 102/1-2.
Hadith:“Wer Getreide für 40 Tage hortet, um einen höheren Preis zu erzielen, den weist Allah von sich.“; „Keiner hält Ware zurück, außer er ist ein Sünder.“; „Die Muslime sind Teilhaber an drei Dingen: Wasser, Weideland und Feuer.“
Themenkreis: Quellen des Islam – Themenbezogenes Studium von Qur’an und Sunna
Die Stellung von Qur’an und Sunnah im Islam
Die Offenbarungsgeschichte und authentische Weitergabe des Qur’an
Wie der Qur´an abschnittweise offenbart wurde, soll genauer beleuchtet werden. Außerdem sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, wie der Qur´an sorgfältig bewahrt und tradiert wurde.
Die Sammlung von Zeugnissen der vorbildlichen Lebensweise des Propheten Muhammad (a.s.)
Es soll behandelt werden, wie die Sunnah des Propheten Muhammad (a.s.) gesammelt und aufgezeichnet wurde. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler die Kategorisierung auf einer Skala von „richtig“ (Sahih) bis „schwach“ (Da´if) ebenso kennenlernen, wie Namen und Kurzbiographien bedeutender Herausgeber.
Prinzipien bei der Erstellung eines religiösen Gutachtens (Fatwa) und das Prinzip der freien Meinungsbildung auf Basis der Grundlagen des Islam (Idschtihad)
Die Schülerinnen und Schüler sollen eine Vorstellung davon erhalten, wie eine Fatwa erstellt wird. Dabei soll vor allem das dynamische Selbstverständnis des Islam herausgearbeitet werden sowie die innere Vielfalt, und dass diese nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln ist. Auch auf das Prinzip des Idschtihad soll eingegangen werden und wie damit historisch betrachtet umgegangen wurde.
Mann und Frau in ihrer verantwortlichen Beziehung zueinander
Mann und Frau in den muslimischen Quellen
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Gleichwertigkeit von Mann und Frau und ihre verantwortliche Beziehung zueinander aus den religiösen Quellen erklären können.
Ali-Imran 3/195; an-Nisa‘ 4/123,124; at-Tauba 9/71,72; an-Nahl 16/97; al-Ahzab 33/35; al-Hudschurat 49/13.
Frauenpersönlichkeiten im Qur’an
Die Königin von Saba und die Frau von Pharao, die den kleinen Musa (a.s.) bei sich aufnahm, sollen darlegen, dass Frauen selbstbestimmte und eigenverantwortliche Trägerinnen von Handlung sind. Das Vorbildhafte gerade dieser beiden Figuren soll herausgearbeitet werden. Vgl. An-Naml 27/22-44; al-Qasas 28/7-9; at-Tahriem 66/11.
Adam und Eva
Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur die entsprechenden Qur´anstellen, sondern auch den Tafsir (die Exegese) dazu studieren. Dabei werden sie dazu eingeladen, intensiv über Begriffe wie Unrecht, Reue, Vergebung, Ehrfurcht vor Allah (t) und - damit in Zusammenhang - Übernahme von Verantwortlichkeit zu reflektieren. Vgl. Al-A‘raf 7/11-27; Ta-Ha 20/115-123.
Ayat, die im persönlichen Rezitationsprogramm Aufnahme finden sollen:
Surah 33/36: „Wahrlich, die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen, die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen….“
Themenkreis: Islam im Miteinander verwirklichen
Islamische Werte (Ahlaq und Adab)
Gerechtigkeitssinn
Die Schülerinnen und Schüler sollen über das religiöse Konzept von „Gerechtigkeit“ im Islam nachdenken. Dazu sollen sie vor allem auf Komponenten wie die Universalität von Gerechtigkeit aufmerksam gemacht werden, was in der abgeleiteten Ethik verhindern soll, sich selbst willkürlich in den Vorteil zu setzen. An-Nisa‘ 4/135; al-Ma’ida 5/8; al-An’am 6/82; an-Nahl 16/90; Ta-Ha 20/112.
Hadith „….Und fürchte die Klage des ungerecht behandelten Menschen, denn es gibt zwischen ihm und Allah keine Trennwand.“ (Bukhari und Muslim).
„Hilf deinem Bruder, gleich ob er ein Unterdrücker ist oder unterdrückt wird. (…) Hindere ihn daran, Unrecht zu tun, denn ihn daran zu hindern, ist eine Hilfe für ihn.“ (Bukhari)
Zivilcourage
Aufbauend auf einem entwickelten Gerechtigkeitssinn sollen die Schülerinnen und Schüler zu einer Haltung von Zivilcourage ermächtigt werden, die klar von jeglicher Selbstjustiz abgegrenzt wird. Dies bedeutet, dass sie Bereitschaft hegen, im Alltag praktische Hilfe zu leisten, wenn dies erforderlich ist und befähigt sein sollten, Beobachtetes kritisch und mündig zu hinterfragen. Im Rahmen des österreichischen Rechtsstaates sollen sie hier den eigenen Handlungsrahmen wahrnehmen und bereit sein, ihn auszuschöpfen. Ali-Imran 3/104; an-Nisa‘ 4/85; al-A’raf 7/199.
Hadith:“Wer von euch etwas Übles sieht, soll es mit eigener Hand ändern, und wenn er dies nicht vermag, soll er es mit seiner Zunge verändern, und wenn er dies nicht kann, dann mit seinem Herzen, und dies ist die schwächste Form des Iman (Glaubens).“ (Muslim)
Rücksichtnahme, Behutsamkeit, Höflichkeit und Ablehnung von Überheblichkeit
Die Jugendlichen sollen es als zu ihrer Verantwortlichkeit zugehörend erkennen, anderen wertschätzend Raum zu geben und in der Lage zu sein, sich in andere Menschen ein Stück hineinzuversetzen. Sie sollen wissen, dass eine solche Haltung im Islam zu den Tugenden gehört.
Al-Isra‘ 17/37; Luqman 31/18-19.
Hadith: „Jedem, der die Mängel eines anderen in dieser Welt bedeckt, werden von Allah am Tag des Gerichts seine Mängel bedeckt werden.“ (Muslim)
Versöhnung
Im Unterricht soll herausgearbeitet werden, dass es religiös betrachtet unverantwortlich wäre, ein Zerwürfnis, Missverständnisse oder Streitigkeiten nicht aktiv lösen zu wollen. Die Schülerinnen und Schüler sollen den Wert von Versöhnung begreifen und islamische Konzepte kennenlernen, wie Versöhnung praktisch angegangen werden kann. Vgl. An-Nisa‘ 4/128; al-Ma’ida 5/45; al-Anfal 8/1; Fussilat 41/34; asch-Schura 42/40,43; al-Hudschurat 49/10.
Hadith:“Soll ich euch von etwas Vorzüglicherem als Fasten, Zakat und Gebet berichten? (…) Das ist zwischen den Leuten Streit zu schlichten, denn die Leute zum Streit zu verleiten ist wie ein Rasiermesser. Und ich meine nicht, dass es das Haar abrasiert, sondern die Religion.“ (Tirmidhi u.a.)
Gelassenheit und Bescheidenheit (Tawaadu´)
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich damit auseinandersetzen, dass Genügsamkeit innere Zufriedenheit ermöglicht und wie in Bescheidenheit Reichtum liegt. Vgl. Al-Isra‘ 17/37.
Hadith:“Wer sparsam ist, den macht Allah reich; wer verschwendet, den macht Allah arm; wer sich bescheiden verhält, den erhöht Allah, wer sich arrogant gebärdet, den erniedrigt Allah.“ (Suyuti)
Bedachte Rede
Die Verantwortung für die eigene Rede soll intensiv thematisiert werden. Anhand der vielen Aussagen aus den islamischen Quellen soll so ein bewusster Umgang mit Sprache und ihren großen Möglichkeiten erwachsen. Vgl. Ibrahim 14/24-26; al-Isra‘ 17/36; al-Hudschurat 49/11f.; al-Qasas 28/55; al-Furqan 25/63,72; al-Hadsch 22/30.
Hadith: „Wer an Allah und den jüngsten Tag glaubt, soll Gutes sprechen oder schweigen.“ (Muslim)
Familiärer Zusammenhalt
Der Stellenwert von Familie im Islam soll dargelegt werden. Dabei ist vor allem auf die soziale Bedeutung Rücksicht zu nehmen, die Rückschlüsse zulässt, wie allgemein soziale Netzwerke zu pflegen sind. Vgl. Al-Anfal 8/75.
Hadith: „Wer die Verwandtschaftsbande pflegt, ist nicht einer, der lediglich etwas vergilt, sondern derjenige, der solche Bande zusammenbringt, wenn andere sie getrennt haben.“ (Bukhari)
Der Stellenwert von Pflege
Verantwortlichkeit schließt den wachen Blick dafür ein, wo hilfsbedürftige Menschen der Unterstützung bedürfen. Daher soll darauf eingegangen werden, wie Sorge für das Wohlergehen anderer an Körper und Seele getragen werden kann.
Persönliche Stärken erkennen und sich einbringen können
Die Rolle des Gewissens zur Selbstkontrolle
Die islamische Vorstellung von „Gewissen“ soll unterrichtet werden, um die Jugendlichen in Bezug auf ihr eigenes Gewissen zu sensibilisieren.
Soziale Rollen wahrnehmen
Rollenbilder sollen reflektiert werden. Dabei soll erkannt werden, wie diese auch ein Spiegelbild von Traditionen, Religion und Kultur sind. Eigene und fremde Erwartungshaltungen werden davon bestimmt und sind zugleich in einem ständigen Wandel begriffen. Eigene soziale Rollen, sei es als Familienmitglied, als Freund/in, als Nachbar/in, als Bürger/in oder als Jüngerer gegenüber Älteren sollen vor diesem Hintergrund beleuchtet werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, ihr eigenes Verhalten in den verschiedenen sozialen Rollen besser zu reflektieren und so Zielvorstellungen entwickeln.
Der Umgang mit dem eigenen Körper
Es soll verdeutlicht werden, dass der eigene Körper als Geschenk Gottes nach einem verantwortlichen Umgang verlangt. Aspekte wie Pflege, Reinlichkeit, Gesundheitsvorsorge und der Umgang mit körperlichen Bedürfnissen sollen besprochen werden. Vgl. Baqara 2/222; al-Muddathir 74/4-5.
Bewahrung der Schöpfung (Istikhlaaf)
Tier- und Umweltschutz
Verantwortung für die Schöpfung soll über den Begriff der „Nachhaltigkeit“ unterrichtet werden. Tierrechte im Islam sollen dargelegt werden.
An-Nisa‘ 4/118,119; al-An’am 6/38; al-A’raf 7/56; al-Muminun 23/18; Ghafir 40/57; al-Waqi’a 56/68-70; al-Mulk 67/30
Hadith:“Habt ihr nicht gehört, dass ich den verflucht habe, der ein Tier im Gesicht brandmarkt oder es ins Gesicht schlägt?“ (nach Abu Dawud, Tirmidhi)
Friedenserziehung im Islam
Den muslimischen Glauben zu praktizieren soll als Friedensweg verstanden werden, in welchem das Streben nach Einklang mit Gott gekoppelt ist an das in Einklang-Sein mit Mensch und Umwelt. Darüber hinaus soll die islamische Tradition der Konfliktlösung über Mediation nach den religiösen Quellen beleuchtet werden.
Bioethik im Islam
Die Schülerinnen und Schüler sollen die ethische Haltung des Islam zu Fragen wie Sterbehilfe oder Abtreibung kennenlernen. Sie sollen wissen, dass Selbstmord im Islam streng verboten ist, weil das Leben als von Gott gegeben obersten Schutz genießt und nicht „weggeworfen“ werden darf. In Bezug auf Abtreibung sollen sie die differenzierte Position im Islam erörtern und die Begründungen der Gelehrtenmeinungen verstehen. Auch die moderne Frage nach Gentechnik und deren Anwendung soll aus islamischer Perspektive behandelt werden. Vgl. An-Nisa‘ 4/29; 4/119.
Kinderrechte im Islam
Welche Rechte Kinder im Islam explizit genießen, soll erklärt werden. Die religiöse Verantwortung der Eltern für ihr körperliches und geistiges Wohlergehen und ihre Entwicklung soll umfassend dargestellt werden. Dabei soll auch der Prozess des Erwachsenwerdens und die damit einhergehenden Veränderungen in der Beziehung zwischen Eltern und Kind diskutiert werden. Vgl. Isra‘ 17/31; Ahzab 33/4-5; Takwier 81/8-9.
Hadith: „Jeder von euch ist ein Hirte und jeder ist für die ihm Anvertrauten verantwortlich.“ (Bukhari und Muslim); „Fürchtet Allah und behandelt eure Kinder gerecht.“ (Bukhari und Muslim)
Muslime im Dialog
Wirtschaftsethik in Zeiten der Globalisierung
Verantwortliches Wirtschaften und Haushalten erlangt als Thema durch Globalisierung und Wirtschaftskrise eine neue Dimension. Hier sollen diese Diskurse in Bezug auf den muslimischen Anteil aufgegriffen werden.
Religion und Menschenrechte
Es soll besprochen werden, wie sich Menschenrechte aus islamischem Verständnis aus den religiösen Quellen ableiten lassen. Dabei soll besonders auf den Begriff der Menschenwürde eingegangen werden.
Themenkreis: Muslimische Wissenschaft und Kultur im Austausch
Handelswege und Wirtschaftsräume im muslimischen Kulturkreis
Die Bedeutung uralter Handelswege wie der arabischen Karawanenrouten oder der Seidenstraße sollen veranschaulicht werden. Damit soll deren Rolle für den Kulturtransfer verdeutlicht werden.
Fromme religiöse Stiftungen (Waqf, pl. Auqaf)
Die Schülerinnen und Schüler sollen das islamische System nachhaltiger Sozialleistungen durch Stiftungen kennenlernen und seine Bedeutung bis heute erfahren.
Hadith: „Wenn der Mensch stirbt, hört sein Werk auf Erden außer in drei Fällen auf: Anhaltende Wohltätigkeit, nutzbringendes Wissen und aufrichtige Nachkommen, die für ihn beten.”
Themenkreis: Islam in Österreich und in Europa
Schlüsselbegriffe in der muslimischen Positionsbestimmung für Europa
Die Vereinbarkeit einer Identität als Muslim/in und Europäer/in sollen herausgestrichen werden (Kompatibilität). Partizipation als Weg der Integration und als theologische Notwendigkeit sollen erklärt werden. Dazu sollen die Abschlussdokumente der Imamekonferenzen (Graz 2003, Wien 2005 und 2006, sowie 2010) herangezogen werden. Ähnliche Positionspapiere und muslimische Standortbestimmungen sollen betrachtet werden (Topkapi-Erklärung). Die Vereinbarkeit des Islam mit den Werten von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten steht dabei im Mittelpunkt.
Themenkreis: Muslimsein im österreichischen Berufsleben
Berufsethos
Jeweils angepasst an den jeweiligen Schultyp sollen die Schülerinnen und Schüler ausgehend von muslimischen Vorstellungen zur Arbeitsmoral Kriterien benennen, die für ihren Berufswunsch als muslimisches Berufsethos zum Tragen kommen.
Themenkreis: Geschichte(n)
Islam im fernen Asien – Schlaglichter auf Geschichte und Gegenwart
Länder wie Indonesien sollen hier kurz präsentiert werden, um deren Bedeutung für die muslimische Geistesgeschichte zu veranschaulichen und Bewusstsein für geographisch weiter entfernte, aber sehr bedeutende muslimische Populationen zu wecken.
Die Osmanen
Die Bedeutung der Osmanen in Bezug auf religiöse Entwicklungen der von ihnen unter Einfluss genommenen Länder soll skizziert werden. Dabei sollen auch Schlüsse auf heute gezogen werden, um zu veranschaulichen, wie diese Geschichte noch fortwirkt.
Schulstufe: WISSEN DENKFREUDIG ERSCHLIESSEN
Dass Glaube und der bewusste und geradezu genussvolle Gebrauch des Verstandes sich im Islam keineswegs ausschließen, soll in diesem Schuljahr intensiv erfahren werden. Während die Schulzeit sich dem Ende nähert und das eigene Lernen bei vielen Schülerinnen und Schüler zum Teil als ermüdend empfunden wird oder vorgegebene Inhalte zunehmend kritisch hinterfragt werden, soll damit auch eine generelle persönliche Bestandsaufnahme und Reflektion der Einstellung zum Denken und Lernen vorgenommen werden können. Dies wird vor dem Hintergrund der bisherigen Motive „Vertrauen“ und „Verantwortung“ als stimmiger Aufbau der hierbei erworbenen Kenntnisse und Reife dargelegt. Ziel dabei ist es, die Lust an der geistigen Auseinandersetzung zu stärken und gleichzeitig Kompetenzen für damit einhergehende Diskussionen (Diskussionskultur) zu erwerben. Dazu sind nicht nur die entsprechenden Belegstellen aus den Quellen zu erarbeiten. Vorbildhaft können die Biographien und Leistungen ausgewählter muslimischer Denker und Wissenschafter, darunter auch zahlreicher Frauen, für die positive Haltung des Islam zum Streben nach Wissen wirken, wie auch die Kenntnis über die Förderung von Bildung in der muslimischen Kulturgeschichte. Darüber hinaus wird der große Komplex des Umgangs mit verschiedenen Meinungen und Auffassungen berücksichtigt, der auch innerhalb des Islam als Bereicherung gilt. Der dynamische Anspruch des Islam, jeweils Zeit, Ort und den gesellschaftlichen Rahmen bei entstehenden Fragen zur religiösen Praxis zu berücksichtigen, wird damit erschlossen. Daher werden nach einer Einführung in die Hintergründe der großen muslimischen sunnitischen und schiitischen Traditionen und deren Namensgeber exemplarisch auch große Gelehrte und deren Einfluss behandelt. Dabei werden auch die Komplexität ihrer Gedanken und der zeitliche Hintergrund, vor dem diese entstanden, berücksichtigt, wie auch die Rezeptionsgeschichte ihres Schaffens. Damit wird eine kritische und mündige Auseinandersetzung mit aktuellen Diskursen rund um den Islam und Muslime für die Jugendlichen angeregt. Deshalb ist in dieser Schulstufe ein Schwerpunkt auf die Verflochtenheit des europäischen mit dem muslimischen Kulturkreis gelegt, der die Einschätzung und Beurteilung des jeweils „anderen“ analysiert.
Dinge nicht einfach als „gegeben“ hinzunehmen, sondern sich eine Bereitschaft anzueignen, durch gezielte und treffende Fragen tiefere Einsicht zu gewinnen oder auch die Unmöglichkeit eines abschließenden Urteils zu erkennen und sich mit der Prozesshaftigkeit von Erkenntnisgewinn auseinanderzusetzen, wird gerade über Themen geschult, die in sich teilweise Widersprüchlichkeiten bergen und in sich nicht abgeschlossen sind. Damit erfährt auch der Wissensbegriff an sich eine Ausleuchtung, die an moderne Auffassungen und Richtungen anknüpfen lässt. Nicht zuletzt wird auch der Anteil von Frauen am Geistesleben besprochen und damit vermittelt, dass Bildung Frauen und Männern gleichermaßen zu einer Lebensbereicherung und –aufgabe werden soll.
Themenkreis: Islam leben und verstehen (Islam, Iman, Ihsan)
Das Bildungsgebot im Islam
Die menschliche Vernunft
Der Intellekt soll als Geschenk Gottes verstanden werden, das darum auch genutzt werden muss. Baqara 2/,269; Ali-Imran 3/7,191; Yunus 10/100; al-Haschr 59/2; al-A’raf 7/185; al-Ghaschiyah 88/17-18.
Nutzen der intellektuellen Fähigkeiten durch lebenslanges Lernen
Jugendliche sollen anhand der Quellen den Bildungsauftrag im Islam erklären können und motiviert werden, selbst nach Bildung zu streben. Vgl. Al-Alaq 96/1-5; Ta-Ha 20/114.
Themenkreis: Quellen des Islam – Themenbezogenes Studium von Qur’an und Sunnah
Zum Aufbau des Qur’an
Die Gliederung in mekkanische und medinensische Suren
Die Jugendlichen sollen zwischen dem Charakter der in Mekka offenbarten Suren und jenen aus medinensischer Zeit unterscheiden können.
Ausgewählte Suren und ihre Bedeutung im religiösen Leben der Muslime
Al-Mulk 67 und Yasin 36.
Das Prinzip gegenseitiger Beratung (Schura)
Die Schülerinnen und Schüler sollen auf der Basis der Aussagen in Qur’an und Hadith erfahren, welche Bedeutung im Rahmen der Entscheidungsfindung der gegenseitigen Beratung zukommt. Davon ausgehend sollen sie in der Lage sein, Schlussfolgerungen auf den Demokratiebegriff zu ziehen. Werte wie Gewaltenteilung, Pluralismus, Meinungs- und Redefreiheit, freie, unabhängige und geheime Wahlen sollen so auch aus einer islamischen Perspektive begründet werden können.
Ali-Imran 3/159; asch-Schura 42/38.
„Der Berater soll unbedingt zuverlässig sein.“ (Tirmidhi)
Ayat, die im persönlichen Rezitationsprogramm Aufnahme finden sollen:
Ar-Rahman 55.
Themenkreis: Islam im Miteinander verwirklichen
Islamische Werte (Ahlaq und Adab)
Pluralismus
Vielfalt soll als gottgewollt verstanden werden. Daher ist sie als den Menschen nutzbringend zu begreifen und soll als Einladung zu Dialog und Auseinandersetzung mit dem „anderen“ fruchtbar gemacht werden. Auch die Wahrheitsfrage soll berührt werden und unter Hinweis auf den Qur´anvers 5/48 besprochen werden. Da diese Stelle Gotthold Ephraim Lessing zur berühmten Ringparabel in „Nathan der Weise“ anregte, soll neben weiteren Referenzstellen aus den muslimischen Quellen auch darauf Bezug genommen werden.
Al-Hudschurat 49/13; al-An’am 6/108; Yunus 10/99; al-Ma’ida 5/48
Diskussionskultur
Da ein positiver Umgang mit Vielfalt Diskussionskultur voraussetzt, sollen die Schülerinnen und Schüler Qualitätsmerkmale einer solchen herausarbeiten. Dazu gehören Kompetenzen wie zuhören zu können, sich dem anderen gegenüber verständlich auszudrücken oder ausreden zu lassen. Die Schülerinnen und Schüler sollen diese Kriterien auch anhand des Beispiels des Propheten Muhammad (a.s.) begreifen.
Ali-Imran 3/159
Persönliche Stärken erkennen und sich einbringen können
Lust am Denken und Lernen
Es soll aufgezeigt werden, dass der Prozess des Lernens ein Plus an Lebensqualität bringt. Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass mit dem Lernen auch eine Art Gottesdienst verbunden ist.
Standpunkte hinterfragen können
Schülerinnen und Schüler sollen sehen, dass sich ein kritischer Geist und religiöser Glaube nicht in Widerspruch befinden. Am Beispiel muslimischer Denker und durch die Aussagen in den muslimischen Quellen sollen sie den Wert kritischen Fragens schätzen lernen und sich zu Eigen machen können.
Raum geben für verschiedene oder andere Meinungen
Offenheit: Die Schülerinnen und Schüler sollen sehen, dass Erneuerung dem gedankenlosen Nachahmen vorzuziehen ist und daher eine Haltung der Offenheit islamisch wünschenswert ist.
Bewahrung der Schöpfung (Istikhlaaf)
Muslimisches Konsumverhalten
Die Schülerinnen und Schüler sollen den Einfluss des eigenen Konsumverhaltens auf ein nachhaltiges und gerechtes Wirtschaftssystem erkennen. Im Unterricht sollen Konzepte (z.B. Fadschr Trade) vorgestellt werden, die konkrete Handlungsweisen in den Mittelpunkt stellen und sich dabei mit der muslimischen Perspektive decken.
Kriterien von „Halal“
Der Begriff „Halal“ soll in den größeren Zusammenhang bewusster Auswahl von Lebensmitteln und Lebensstilen gestellt werden. Dabei sollen auch Aspekte wie die artgerechte Tierhaltung oder der „ökologische Fußabdruck“ einbezogen werden. Es gilt zu zeigen, dass beim Fleischkauf für Muslime an mehr zu denken ist als nur an die Schlachtmethode. Der Umgang mit der „Halal“-Zertifizierung in Österreich soll vorgestellt werden.
Muslime im Dialog
Interreligiöse Diskurse im Wandel der Zeit
Die Schülerinnen und Schüler sollen in der wechselseitigen Wahrnehmung von Christen, Juden und Muslimen der Vergangenheit sehen, wie sich hier der Zeitgeist widerspiegelt. Dazu sollen sie beispielhaft mit interreligiösen Begegnungen an neuralgischen Punkten der Geschichte konfrontiert werden (Kreuzzüge, Osmanisches Reich, Kolonialismus). Schlussfolgerungen aus der Diskussion solcher Texte sollen die Jugendlichen befähigen, aktuelle Diskurse ein Stück gelassener zu betrachten und besser einordnen zu können. Gleichzeitig soll es sie mit Blick auf den eigenen Dialog motivieren, die Muster von Eigendefinition durch Abgrenzung vom „Fremden“ zugunsten eines ganzheitlicheren und faireren Zugangs zu verlassen.
Neue Entwicklungen für den interreligiösen Dialog: Die Jugendlichen sollen die Neuausrichtung der katholischen Kirche durch das II. Vatikanische Konzil kennenlernen und vor allem die Auswirkungen auf den christlich-muslimischen Dialog sehen. Sie sollen mit österreichischen Dialoginitiativen verschiedener Konfessionen bekannt gemacht werden und Folgen für das gesamtgesellschaftliche Klima eines respektvollen Miteinanders ableiten können. Indem sie auch einen Fall mit Konfliktpotential studieren – die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. - sollen sie die Reaktionen von verschiedenen Seiten bewerten können. Das Antwortschreiben von 38 muslimischen Gelehrten soll als positives Beispiel konstruktiver inhaltlicher Beschäftigung betrachtet werden.
Themenkreis: Muslimische Wissenschaft und Kultur im Austausch
Traditionen muslimischer Gelehrsamkeit
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Entwicklung muslimischer Orte der Wissensweitergabe und der Forschung kennenlernen. Dazu gehört die Entstehung von Universitäten mit der ersten Gründung 859 durch Fatima al-Fihri in Marokko, von Schulen und Universitäten. Sie sollen große Namen und Institutionen dieser Wissenschaftsgeschichte benennen können. Sie sollen aber neben diesen großen zivilisatorischen Leistungen auch an die kritische Frage herangeführt werden, wie es um die aktuelle Situation bestellt ist. So sollen die Jugendlichen angeregt werden, nicht in rückwärtsgewandte Schwärmerei für die „goldenen Zeiten“ zu fallen, sondern zukunftsorientiert und aufgeschlossen weiterzudenken.
Religiöse Fachbegriffe und ihre Übertragung in andere Sprachen
Den Schülerinnen und Schülern soll die Problematik von Übersetzungen theologischer arabischer Fachbegriffe in andere Sprachen anhand von Beispielen bewusst werden. Dazu sollen etwa Wörter wie „taqwa“ (Gottesbewusstsein, auch Ehrfurcht vor Gott, oder mit „Gottesfurcht“ übersetzt) herangezogen werden. Die Jugendlichen sollen ein gewisses Feingefühl dafür entwickeln können, wie eine im Deutschen verbreitete andere (christliche) Konnotation Missverständnisse herbeiführen kann. Sie sollen so auch im eigenen Dialogverhalten geschulter mit religiösen Begrifflichkeiten umgehen können.
Wegbereiter der europäischen Aufklärung
Die Schülerinnen und Schüler sollen wissen, dass viele muslimische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Wegbereiter der europäischen Aufklärung waren – was ihnen bewusst machen soll, dass die europäische Geschichte auch islamische Wurzeln hat. Den Jugendlichen soll erkennbar werden, dass sich z.B. diese bekannten muslimischen Denker durch einen positiven und freien Forschungsdrang auszeichneten.
Ziel ist die Identifikation der jungen Muslime mit Europa und der europäischen Wissenschaftsgeschichte, die auch aus der religiösen Perspektive nicht einseitig ist.
Mathematiker
Mathematiker wie al-Khawarizmi (Entdecker des Algorithmus) sollen vorgestellt und ihr Wirken für die Entwicklung Europas erklärt werden.
Astronomen
Persönlichkeiten wie al-Biruni, der den ersten Globus fertigte und Ibn al-Haitham (Alhazen), der die Höhe der Atmosphäre berechnete, sollen präsentiert werden.
Philosophen
Die Leistungen von Denkern wie al-Kindi (Alkindus), al-Farabi (Alpharabius), Ibn Sina (Avicenna) und Ibn Rushd (Averroes) sollen vorgestellt und ihr Einfluss auf die europäische Geistesgeschichte gewürdigt werden. Den Jugendlichen soll erkennbar werden, dass alle muslimischen Denker sich durch einen positiven und freien Forschungsdrang auszeichneten.
Ziel ist die Identifikation der jungen Muslime mit Europa und der europäischen Wissenschaftsgeschichte, die auch aus der religiösen Perspektive nicht einseitig ist.
Themenkreis: Islam in Österreich und in Europa
Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
Die Jugendlichen sollen die Entstehungsgeschichte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich kennen. Sie sollen an diesem Beispiel auch das säkulare Kooperationsmodell zwischen dem Staat und den anerkannten Religionsgemeinschaften verstehen. Anhand praktischer Folgen dieses Modells für die Muslime in Österreich sollen sie dessen integrativen Charakter begreifen können.
Islam in Bosnien
Die Jugendlichen sollen die muslimische Geschichte Bosniens entdecken und verstehen, warum diese auch für die eigene Geschichte als Muslime in Österreich wichtig ist.
Themenkreis: Muslimsein im österreichischen Berufsleben
Partizipation
Anknüpfend an muslimisches Berufsethos soll nun der Partizipationsgedanke aus einer weiteren Perspektive beleuchtet werden. Durch positive Beispiele von im Arbeitsleben voll integrierten und dort über das normale Maß hinaus engagierten Muslimen soll gezeigt werden, wie ein sich hier Beteiligen religiös verdienstvoll ist.
Mündigkeit im Geschäftsleben
Wissen und kluges Abwägen sind Voraussetzungen bei Kauf und Verkauf, deren sich die Jugendlichen auch aus islamischer Sicht bewusst werden sollen. Daher sollen sie muslimisches Verhalten bei Vertragsabschlüssen kennenlernen und diese ethischen Standards (wie Ehrlichkeit, Verschriftlichung, Rolle von Zeugen, Vertragstreue) auch auf ihr Alltagsverhalten übertragen können.
Herausforderungen des modernen Berufslebens
Das Berufsleben ist durch wachsenden Konkurrenzdruck härter geworden. Dazu sollen die Jugendlichen durch den Islam inspirierte Strategien des Umgangs mit Phänomenen wie Mobbing und Ellbogenmentalität diskutieren und sich so konstruktiv mit diesen negativen Erscheinungen auseinandersetzen.
Themenkreis: Geschichte(n)
Die Entstehung der fünf großen muslimischen Rechtsschulen
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Geschichte der Ausprägung muslimischer Rechtsschulen erfahren. Die fünf großen Richtungen nach Imam Abu Hanifa, Imam Malik, Imam Ahmad Ibn Hanbal und Imam Dscha’far as-Sadiq sollen ihnen ein Begriff werden. Sie sollen das jeweils Typische der einzelnen Richtungen kennen und wissen, wo diese Schulen ihre größte Verbreitung fanden. Durch Beispiele unterschiedlicher Auffassungen innerhalb der Richtungen (z.B. Datierung des abendlichen Fastenbrechens im Ramadan) sollen sie den Reichtum wahrnehmen, der in dieser Vielfalt für alle Muslime steckt und dies insbesondere auf die eigene europäische Situation muslimischer Vielfalt übertragen können. Die Schülerinnen und Schüler sollen zu einer Haltung des gegenseitigen Respekts zwischen den Rechtsschulen und insbesondere zwischen Sunniten und Schiiten finden können.
Denkschulen und Reformbewegungen
Die Schülerinnen und Schüler sollen angeregt werden, sich mit der Fülle muslimischen Denkens auseinanderzusetzen. Dazu sollen sie die umstrittene Gruppierung der Mu’atazilah als Beispiel für einen Weg des Rationalismus sehen, die Philosophie Al-Ghazalis als Wiederbeleber der Theologie, Ibn Abd al-Wahab als Kritiker von Verfälschungen und Aberglauben. Sie sollen auch das Streben nach Weiterentwicklung muslimischen Denkens kennenlernen, wie es bei Al-Afghani und seinem Schüler Muhammad Abdou im 19. Jh. als Bewegung entstand. Der Wunsch nach Erneuerung des Idschtihad wie bei Muhammad Asad soll in moderne Fragen führen. Die Komplexität und mitunter Ambivalenz der Positionen, bzw. wie diese sich durch ihre Rezeption weiterentwickelten und wie sie in die Realität wirkten, soll dabei auch kritisch beleuchtet werden.
Theologinnen und ihr Beitrag für die Weiterentwicklung der islamischen Theologie
Welche Rolle Frauen spielten, wenn es um die Weitergabe und Erforschung religiösen Wissens geht, soll betrachtet werden. Dabei soll die Bedeutung von Frauen wie Aisha und Fatima ebenso berücksichtigt werden, wie moderne Theologinnen.
Schulstufe: DEM LEBEN SINN GEBEN
Das Motto dieser Schulstufe greift wie ein Bogen Leitmotive und wesentliche Inhalte des islamischen Religionsunterrichts auf und vertieft diese. Zugleich werden die Schülerinnen und Schüler durch die Betonung der eigenen praktischen Möglichkeiten in den jeweiligen Lebensbereichen ermutigt, aktiv zu wirken, die Perspektive auf die Aufgaben jenseits des Schülerdaseins verstärkt. Ein optimistischer Blick und eine lebensbejahende Einstellung wird durch die Beschäftigung mit der islamischen Sicht auf Begriffe wie „Glück“ oder „Schönheit“ gefördert. Spiritualität als Quelle für die eigene Weiterentwicklung für sich entdecken zu können, gelingt über das Kennenlernen großer mystischer Traditionen im Islam. Wie karitative Beiträge sinnstiftend wirken können und eigene Zufriedenheit mit sich bringen, wird durch mehrere Themenkreise erfahren. Dass hierbei der Radius selbstverständlich nicht allein auf das muslimische Umfeld ausgerichtet sein kann, wird im Dialogbereich besprochen. Mit einem Blick auf Johann Wolfgang von Goethes Islambild und wie dies in sein Werk einfloss, wird gezeigt, wie auch wertschätzende Perspektiven auf den Orient und die Muslime in Europa Bedeutung erlangen konnten. In diesem Zusammenhang ist auch die Entwicklung der europäischen Islamwissenschaft von Interesse.
In diesem Jahr wird das Thema „Familie“ in einer Weise behandelt, in der weniger die eigene Rolle als Kind im Zentrum steht, sondern die intensive Vermittlung von Rechten und Aufgaben innerhalb einer Ehe. Hierbei werden die Schülerinnen und Schüler ermutigt, einen kritischen Standpunkt gegenüber im Gegensatz zur Religion stehenden Traditionen und Konventionen einzunehmen. Dazu gehört auch, gerade jene Argumente aus der Theologie intensiv einzubringen, die zeigen können, dass der Islam nicht das „Problem“ angesichts Frauen benachteiligender und diskriminierender Tendenzen ist, sondern vielmehr ein Teil der Lösung zur Überwindung frauenfeindlicher Einstellungen und Gepflogenheiten sein kann. Deshalb ist auch das Vorbild des Propheten Muhammad (a.s.) an dieser Stelle einzubringen, der hier besonders bewusstseinsbildend wirken kann.
Themenkreis: Islam leben und verstehen (Islam, Iman, Ihsan)
Lebensabschnitte und Stationen im Leben eines Muslim/einer Muslimin und sie begleitende Rituale
Schwangerschaft und Geburt
Die Jugendlichen sollen jene Texte aus dem Qur´an studieren, die sich mit Schwangerschaft und Geburt beschäftigen und daraus ableiten können, dass die Geburt von Mädchen und Buben ein ebenso wichtiges und schönes Ereignis darstellt. Sie sollen am Beispiel der Geburt von Isa / Jesus (a.s.) sehen, dass Allah (t) Frauen während der Geburt spezielle Kraft schenkt. Die Schülerinnen und Schüler sollen aus der Sunnah erfahren, wie Neugeborene muslimischer Eltern begrüßt werden (Gebetsruf ins Ohr flüstern) und wie sich das Wochenbett gestaltet. Vgl. Maryam 19/16-36; Al-Imran 3/35.
Dankbarkeit bei freudigen Ereignissen zeigen
Es sollen aus dem muslimischen Verständnis abgeleitete Formen freudige Anlässe zu feiern besprochen werden. Dabei soll herausgearbeitet werden, dass in diesen Festen immer die Gemeinschaft einbezogen wird und freigiebig gute Werke zu verrichten eine bevorzugte Möglichkeit ist, Dankbarkeit zu zeigen. (z.B. Schaf schlachten lassen und zum Essen einladen)
Ehe im Islam
Die Jugendlichen sollen umfassend über das muslimische Eheverständnis aufgeklärt werden und in der Lage sein zu diskutieren, ob sie Widersprüche zwischen der Theologie und der gelebten Praxis unter Muslimen wahrnehmen und wie sie diese bewerten. Sie sollen wissen, welche Voraussetzungen eine islamische, religiöse Eheschließung bedingt (freies Ja-Wort der Ehepartner, Zeugen, materielle Vorsorge für die Braut durch Mahr, etc.). Sie sollen wissen, dass in Österreich die religiöse Eheschließung in der Islamischen Glaubensgemeinschaft nach der standesamtlichen erfolgt und dabei beachtet wird, dass es sich um eine monogame Ehe handelt. Sie sollen umfassend über religiöse Rechte und Pflichten der Ehepartner informiert werden. Auch über die religiöse Scheidung soll gesprochen werden. Vgl. ar-Ruum 30/20,21; Baqara 2/241.
Hadith: Ein Mädchen kam zum Propheten (a.s.) und berichtete ihm, dass ihr Vater sie gegen ihren Willen an ihren Vetter verheiratet habe. Daraufhin überließ der Prophet ihr die Sache. Sie sagte dann: „Ich bin damit einverstanden (…) aber ich wollte es den Frauen bekannt werden lassen, dass Väter in dieser Sache nicht die Entscheidung haben.“
Das Alter
Die Jugendlichen sollen das Alter als natürlichen Lebensprozess annehmen können und um die islamische Wertschätzung gegenüber älteren Menschen wissen. Sie sollen das islamische Prinzip eines „Generationenvertrages“ kennenlernen. Sie sollen angeregt werden, das islamische Konzept des Alters Tendenzen wie dem „Jugendkult“ kritisch gegenüberstellend diskutieren zu können.
Luqman 31/14; al-Ahqaf 46/15; al-Fath 48/17; Abasa 80 (Beginn mit Tafsir)
Umgang mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich vergegenwärtigen, dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen die gleiche Wertschätzung wie andere im Islam genießen. Sie sollen nach islamischem Verständnis auch in den Alltag einbezogen werden und Anteil am Gemeindeleben nehmen können. Darum soll praktisch überlegt werden, welche Schlussfolgerungen sich daraus für die Situation in Österreich ergeben. Die Erleichterungen im Gottesdienst, die eine Partizipation gewährleisten, sollen besprochen werden (Gebet im Rollstuhl, etc.).
Feste im Islam
Die großen Feste des Islam sollen in ihrer sozialen Dimension besprochen werden (Fest nach Ramadan, Opferfest). Dabei sollen auch Möglichkeiten besprochen werden, Nachbarn, Arbeitskollegen, etc. anderer Religion oder Weltanschauung einzubeziehen. Auch die Anlasstage (Hidschratag, Aschura, Isra‘ und Mi‘raadsch) sollen in ihrer Bedeutung bekannt sein. Dabei soll in Bezug auf Aschura die sunnitische und schiitische Wahrnehmung herausgearbeitet werden.
Ziele einer muslimischen Lebensweise – eine ganzheitliche Betrachtungsweise
Wie Leben unter den Aspekten „gut, ganz, sinnvoll“ gelingen kann, soll unter Einbeziehung muslimischer Quellen und in Reflektion eigener Erfahrungen besprochen werden.
Themenkreis: Quellen des Islam – Themenbezogenes Studium von Qur’an und Sunna
Die Haltung zum Diesseits im Islam
In Bezug auf das Ziel „Dem Leben Sinn geben“ soll die muslimische Diesseitsvorstellung vertieft werden. Vgl. Baqara 2/29; al-Ma’ida 5/89; al-A’raf 7/32; ar-Ra’d 13/26; al-Qasas 28/77.
Hadith: „Lebe für das Diesseits, als würdest du ewig leben, und lebe für das Jenseits, als würdest du morgen sterben.“
Familie im Islam
Die Bedeutung von Familie im Islam soll so veranschaulicht werden, dass die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Einstellungen und Wunschvorstellungen klären können und zugleich passende Verhaltensweisen jeweils für sich definieren. Vgl. Al-Isra‘ 17/23-24.
„Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter.“ (Bukhari) sowie: „Die Verbundenheit mit den Verwandten verlängert das Leben.“ (Quda’i)
Ein Tag mit dem Propheten (a.s.): Das Vorbild des Propheten Muhammad (a.s.) für den Alltag entdecken
Um mehr Bewusstheit auch für die scheinbar kleinen Verrichtungen des Alltags zu erreichen, soll das Vorbild das Propheten Muhammad (a.s.) speziell hier untersucht werden, um so zu mehr Lebensfreude und Erfülltheit finden zu können.
Ayat, die im persönlichen Rezitationsprogramm Aufnahme finden sollten
An-Nur 24/35
Themenkreis: Islam im Miteinander verwirklichen
Islamische Werte (Ahlaq und Adab)
Schönheit und Ästhetik
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit dem islamischen Schönheitsbegriff auseinandersetzen und dabei auch eigene Vorstellungen von „schön“ reflektieren. Sie sollen so Gelegenheit erhalten, Oberflächlichkeiten zu erkennen und zu einer tieferen Bedeutungsebene vorzudringen.
Hadith: „Allah ist schön und Er liebt das Schöne.“ (Bukhari, Muslim)
Streben nach Glück im Diesseits und Jenseits
Die Schülerinnen und Schüler sollen sehen, dass ein ausgeglichenes, sinnerfülltes und um innere Balance bemühtes Leben im Islam die Vision von Glück auch im Diesseits einschließt. Genuss erhält so auch eine religiöse Dimension, die erspürt werden soll. Vgl. al-A’raf 7/32; al-Anfal 8/28.
Hadith:“Erbarme dich derjenigen, die auf der Erde sind, so erbarmen sich diejenigen deiner, die im Himmel sind.“ (Quda’i)
Das Bemühen um gute Werke
Der Ansporn sich für das Gute einzusetzen soll von den Schülerinnen und Schülern aus den muslimischen Quellen abgeleitet werden können. Vgl. al-Lail 92/18-20.
Gastfreundschaft
Der islamische Wert von Gastfreundschaft soll besprochen werden und dabei insbesondere der Aspekt des Gastrechtes völlig unabhängig von Religion, Herkunft oder sozialem Status gezeigt werden. Vgl. adh-Dhariyat 51/24-27.
Hadith: „Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, soll seinen Gast ehren, wie es ihm zusteht.“ (Bukhari und Muslim)
Sicherheit
In der Klasse soll erarbeitet werden, wie Sicherheit und ein persönliches Sicherheitsgefühl mit Verlässlichkeit verknüpft ist. Es soll aufgezeigt werden, dass dazu eine Kultur gegenseitigen Vertrauenkönnens ebenso notwendig ist wie die praktische Seite im Umgang mit anvertrautem Gut. Dazu sollen die passenden Beispiele aus den islamischen Quellen bekannt sein. Vgl. an-Nisa‘ 4/58; al-Ahzab 33/72.
Optimismus (At-Tafa´ul)
Die Schülerinnen und Schüler sollen Gelegenheit erhalten, den Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und einer optimistischen Grundeinstellung zu bedenken. Vgl. al-Hadsch 22/78.
Hadith: „Schon seltsam/wunderbar ist die Sache des Gläubigen, jede Angelegenheit ist für ihn gut. Wenn ihn etwas Gutes trifft…“
Empathie
Die Tugend zu gegenseitiger Hilfe bereit zu sein und diese selbstlos zu leisten, steht in Zusammenhang mit dem Vermögen zu Empathie. Darum soll der islamische Zugang zu diesem Wert erläutert werden. Vgl. Ali-Imran 3/103; al-Ma’ida 5/2; al-Haschr 59/9; al-Insan 76/8-9.
Hadith:“Keiner von euch ist gläubig, bis er für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ (Bukhari, Muslim)
Interkulturalität
Gottgewollte Vielfalt soll nach Möglichkeit auch im persönlichen Umfeld durch die aktive Bereitschaft, Interkulturalität bewusst wahrzunehmen, umgesetzt werden. Vgl. al-Ma’ida 5/48; al-An’am 6/108; Yunus 10/99; al-Hudschurat 49/13.
Menschen in ihrer individuellen Würde gerecht werden
Respekt vor allen Menschen soll durch die Erkenntnis der jeweils individuellen Menschenwürde eines jeden Menschen aufgebaut werden. In ihren praktischen Konsequenzen soll diese Einstellung besprochen werden.
Hadith: Einmal kam ein Begräbniszug beim Propheten (a.s.) vorüber und er stand auf. Jemand bemerkte: „Oh, Allahs Gesandter, es ist das Begräbnis eines Juden.“ Der Prophet (a.s) antwortete: „Ist es nicht auch eine Seele?“ (Bukhari)
Selbstbeherrschung und Geduld
Geduld soll als wesentliche Tugend zur Pflege anderer positiver Charakterzüge anhand der muslimischen Quellen erläutert werden.
Baqara 2/153,155; Ali-Imran 3/200; Luqman 31/17; az-Zumar 39/10; al-Asr 103
Hadith: „Für jede Sorge, Krankheit, Leid, Bekümmernis, Verletzung oder Gram, die einen Muslim plagt, sogar für den Stich eines Dorns, nimmt Allah etwas von seinen Sünden fort.“ (Bukhari, Muslim)
Selbst- und Weiterentwicklung (Tadhkiyatu-Nafs)
Die Schülerinnen und Schüler sollen Motivation zur Selbstentwicklung finden können, indem sie sich mit der muslimischen Perspektive auf die individuelle Pflege und Steigerung eigener Potentiale beschäftigen.
Bewahrung der Schöpfung (Istikhlaaf)
Naturliebe
Der muslimische Stellenwert von Natur soll in möglichst vielfältigen Aspekten verdeutlicht werden: als Quelle lebensnotwendiger Ressourcen, als spiritueller Rückzugsort, als Inspiration zu wissenschaftlicher Forschung und Manifestation göttlicher Schöpfungskraft. Vgl. ali-Imran 3/190-191; al-An’am 6/95-99; ar-Ra’d 13/3,4; an-Naml 27/60; ar-Ruum 30/48.
Genuss in Nutzen und Verantwortung
Das Ziel einer ausbalancierten naturerhaltenden Nutzung der Umwelt soll durch die muslimischen Quellen gezeigt werden. Vgl. al-A’raf 7/57; Abasa 80/24-32;al-Dschathiyah 45/12,13; Luqman 31/20.
Pflege von Ressourcen, Gefahren gierigen Raubbaus an der Natur
Konsequenzen menschlicher Gier im Umgang mit der Natur sollen kritisch reflektiert werden. Dazu sollen auch aktuelle Beispiele beleuchtet werden. Vgl. al-A’raf 7/56; Qasas 28/77; al-Mulk 67/30.
Muslime im Dialog
Karitatives Engagement
Schülerinnen und Schüler sollen mit österreichischen Initiativen im Bereich des karitativen Engagements bekannt gemacht werden. Sie sollen Hilfsorganisationen und die Vernetzung von muslimischer Seite sehen und so angeregt werden, eine eigene Beteiligung in Erwägung zu ziehen. So sollen sie erfahren, dass sich Dialog auch und vor allem auf der Ebene gemeinsamen Handelns und des sich Einsetzens für das Gute abspielt.
Themenkreis: Muslimische Wissenschaft und Kultur im Austausch
Muslimische Künstler der Moderne
Die Schülerinnen und Schüler sollen erfahren, dass religiöses muslimisches Bewusstsein sich auch durch künstlerische Betätigung ausdrücken kann. So soll im Unterricht das Werk moderner muslimischer Kunstschaffender betrachtet werden und dessen islamische Botschaft bei vielfältigen kulturellen Hintergründen analysiert werden.
Dschalal ad-Din Rumi
Kaum ein muslimischer Dichter konnte bis heute ein so großes Publikum wie Rumi gewinnen, das sich nicht nur auf muslimische Leserinnen und Leser beschränkt. Im Unterricht soll die Biographie Rumis vorgestellt werden und anhand ausgewählter Beispiele seiner Dichtung gezeigt werden, warum er für manche Menschen als „Integrationsfigur“ betrachtet werden kann: zwischen Orthodoxie und Mystik, zwischen verschiedenen Ethnien, ganz allgemein zwischen Menschen auf der Suche nach einem sinnerfüllten Leben in Gott. Gleichzeitig sollen auch die Kritiker Rumis zu Wort kommen und die problematischen Themen, die Rumi angesprochen hat, tiefer analysiert und thematisiert werden.
Johann Wolfgang von Goethe und der Islam
Die Schülerinnen und Schüler sollen durch Lektüre einiger ausgesuchter Gedichte („Gestirnter Himmel“ mit Bezug auf Qur’an 6/78; „Mahomets Gesang“ in der Tradition der Preisgedichte auf den Prophet Muhammad (a.s.) und / oder Verse aus „West-östlicher Diwan“) die Affinität Johann Wolfgang von Goethes zum Islam kennenlernen. Sie sollen so auch eine bedeutende Strömung der europäischen Geistesgeschichte zumindest in Ansätzen sehen, die Muslimen und ihrer Religion große Wertschätzung entgegenbrachte. So sollen sie Nähe und Interesse für diese europäische Kunst bei sich entwickeln.
Die Entwicklung der Islamwissenschaft in Europa
Die Schülerinnen und Schüler sollen durch Schlaglichter auf einige wichtige Stationen der westlichen Beschäftigung mit dem Islam dessen Entwicklung sehen. Dazu gehören ein Blick auf die Intention und Qualität bei Qur´anübersetzungen und das Erwachen von Interesse am Orient zu Beginn der Neuzeit. Wegen des Bezugs auf Österreich soll insbesondere das Werk Joseph von Hammer Purgstalls präsentiert werden und die nach ihm benannte Österreichische Orient Gesellschaft.
Themenkreis: Islam in Österreich und in Europa
Sichtbarkeit von Muslimen in Europa und damit ausgelöste Debatten
Das muslimische Kopftuch und Minarette sind gleichermaßen in der Öffentlichkeit sichtbare Zeichen, die dazu anregen, sich mit der Präsenz des Islam in Europa auseinanderzusetzen. Durch Beispiele aus der medialen Berichterstattung soll in der Klasse diskutiert werden, welche Unterschiede es zwischen Außenwahrnehmung und Selbstbild bei Muslimen gibt. Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, eigene Positionen schlüssig vorbringen zu können.
Themenkreis: Muslimsein im österreichischen Berufsleben
Die Bedeutung der Arbeit im Islam
Im Islam ist Arbeit auch ein Stück Lebenserfüllung und Bereicherung. So soll reflektiert werden, wie es um die eigene Einstellung und Wünsche in Bezug auf das Arbeiten bestellt ist. Vgl. an-Nadschm 53/39.
Hadith: „O mein Allah, ich suche Zuflucht bei dir vor Unfähigkeit, Faulheit, Feigheit, Geiz.“ (Muslim) sowie: „Wem seine zwei Tage gleich blieben, der ist wahrlich im Verlust.“ (Daylami)
Themenkreis: Geschichte(n)
Mystik und Sufismus (Tasawuf)
Die Schülerinnen und Schüler sollen über bedeutende Protagonisten des Tasawuf dessen Hauptmerkmale verstehen lernen. Dazu sollen sie vor allem Rabia Al Adawia kennenlernen und wie sie die Dialektik zwischen Lohn und Strafe überwindet. Bei al-Dschunaid können sie die Verinnerlichung und Vergeistigung des religiösen Gesetzes erleben. Die Schülerinnen und Schüler sollen sehen, wie die islamische Mystik danach strebt, dass sich Erkenntnis und Liebe die Waage halten.
Islam in der Moderne
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit modernen Entwicklungen des Islams auseinandersetzen und diese teilweise kritisch hinterfragen. Weiterhin sollen sie dazu befähigt werden, sich aktiv in das islamische Geschehen in Österreich einzubringen und ihre Verantwortlichkeit in der Mitgestaltung gesellschaftlichen Lebens zu erkennen.
Schulstufe BMHS:
In jenen Schultypen, in denen diese Schulstufe vorgesehen ist, dient dieses Jahr der weiteren Vertiefung der bisher erarbeiteten Inhalte, wobei auch spezielle Themen angesprochen werden können, die vielleicht besonderen Diskussionsbedarf in sich bergen. Schülerinnen und Schülern wird daher am Anfang des Schuljahres die Möglichkeit gegeben, selbst inhaltliche Schwerpunkte gemeinsam mit der Lehrkraft zu bestimmen, wobei als Rahmen die Themenfülle der Lehrpläne von AHS und BMHS als Orientierung dient. Auch im Hinblick auf vielleicht beabsichtigte vorwissenschaftliche Arbeiten und die Vorbereitung auf ein späteres universitäres Studium werden Inhalte zunehmend selbständig von den Schülerinnen und Schülern aufbereitet. Didaktisch tritt also die Methode eines selbständigen Wissens- und Erkenntniserwerbs mehr als zuvor in den Vordergrund. Gleichzeitig werden die Schülerinnen und Schüler angehalten, Ergebnisse ihrer Beschäftigung in der Klasse nicht nur zu präsentieren, sondern auch einen eigenen Standpunkt dazu in der anschließenden Diskussion verteidigen zu können. Demzufolge werden im Lehrplan nicht mehr detaillierte Inhalte festgehalten, sondern sind die Unterrichtenden aufgefordert, eine den speziellen Interessen in der Klasse entsprechende, anspruchsvolle Unterrichtsgestaltung anzubieten. Dabei sollen sie, ähnlich wie im Universitätsbetrieb, in der Lage sein, durch Hinweise auf Fachliteratur Zugänge zum vertieften Studium zu ebnen.
Wirksamkeitsbeginn 1. September 2011
Anlage 7
Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht an allgemein bildenden höheren Schulen
Struktur und Aufbau des AHS-Lehrplanes
Dieser Lehrplan bezieht sich auf die Langform der AHS und gilt auch für das Oberstufenrealgymnasium. Die zu Beginn erläuterten didaktischen und methodischen Überlegungen gelten auch für diese Schulformen.
Jahrgangsbezogene Schwerpunktthemen (Jahresmotto)
Der Lehrplan für AHS ist auf acht Schulstufen aufgeteilt, welche jeweils ein thematisch bedeutsames, altersgemäß angepasstes und theologisch gewichtiges Schwerpunktthema behandeln. Diese Schwerpunktthemen ziehen sich jeweils durch das gesamte Schuljahr und sollen immer wieder in den unterschiedlichen Themenkreisen methodisch angemessen und abwechslungsreich erläutert und erarbeitet sowie auch kontrovers diskutiert und problematisiert werden. Ziel ist es, wesentliche, die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler betreffende Inhalte ganzheitlich und aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und auf diese Weise einen effektiven Beitrag zur Werteerziehung im Islamischen Religionsunterricht zu leisten. Im Zuge des Islamischen Religionsunterrichtes sollen die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, auf der Grundlage der erarbeiteten Inhalte eigenständige und begründete Entscheidungen für ihr Leben und ihren Alltag zu treffen.
Schuljahrbezogene Themenkreise
Innerhalb jeder einzelnen Jahrgangsstufe befinden sich sieben Themenkreise, welche von der Lehrerin und dem Lehrer in der Schulstufe je nach Bedarf und Möglichkeit in unterschiedlicher Intensität besprochen werden sollten. In der Unterrichtung der sieben Themenkreise wird eine ausgewogene Behandlung aller islamisch-theologischen, (kultur-) historischen und gesellschaftlich bedeutsamen Inhalte gewährleistet, so dass den Schülerinnen und Schülern eine umfassende und vertiefte islamische Bildung vermittelt wird und sie auf der Grundlage dieses Wissens und der Auseinandersetzung mit diesen Themen zu einer reifen und selbstbewussten Persönlichkeit heranwachsen (Schob §34 (1) und entsprechende Landesgesetze).
In diesem Zusammenhang findet eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik der österreichisch-islamischen Identität – auch im Vergleich bzw. in Ergänzung zur europäisch-islamischen Identität statt. Es ist diese Dimension, welche den Hauptinhalt des Islamischen Religionsunterrichtes vermitteln möchte: dass selbstverständlich kein Widerspruch darin besteht, Österreicherin und Muslimin bzw. Österreicher und Muslim zu sein, sondern dass es sich hier lediglich um verschiedene Kontexte ein und derselben Persönlichkeit handelt.
Der erste Themenkreis (Islam leben und verstehen - Islam, Iman, Ihsan) beinhaltet die Dimension der islamisch-theologischen Inhalte, welche außer den Grundlagen des Glaubens (Arkanal-Iman), den Fünf Säulen des Islam (Arkanul-Islam) auch die spirituelle Dimension (Ihsan) ansprechen. Dieser Themenkreis wird ergänzt durch den Themenkreis Quellen des Islam: Hier sollen die Schülerinnen und Schüler die Quellen des Islam selber studieren und Erkenntnisse daraus ziehen. Sie sollen aber auch die Methodik der Erschließung der Quellen erlernen und grundlegende Informationen über diese erhalten. Erst in der eigenen und persönlichen Lesung der Glaubenstexte kann ein persönlicher Bezug zu eben diesen ermöglicht und erfahren werden.
In dem folgenden Themenkreis Miteinander leben geht es um die ethisch-moralischen Wertvorstellungen des Islam und ihre Umsetzung in unterschiedlichen Bereichen. Angefangen bei der Selbsterziehung und der Erarbeitung konkreter Werte, die im eigenen Leben umgesetzt werden können, werden darauf aufbauend Werte, welche den gesellschaftlichen Umgang regeln sowie der Dialog mit Menschen anderer Überzeugungen angesprochen. Dabei wurde versucht, bei der Auswahl der Themen so gut wie möglich von der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler auszugehen, um eine höchstmögliche Identifikation derselben mit eben diesen Werten zu erreichen.
Ein weiterer Fokus liegt außerdem auf dem wesentlichen Schöpfungsziel des Menschen – nämlich Khalifatullah fil-Ard zu sein, Gottes Statthalter auf Erden. Dies beinhaltet in konkreter Umsetzung sowohl Fragestellungen des Umwelt- bzw. des Tierschutzes, es betont jedoch auch die klare Verantwortlichkeit eines jeden einzelnen Menschen für die ihn umgebende Natur, die Bodenschätze, die natürlichen Ressourcen etc. Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, diese Verantwortung für die Umwelt und für den Tierschutz zunächst einmal wahrzunehmen und zu erkennen und darüber hinaus Lösungen für die drohenden Probleme der Menschheit zu diskutieren. Die Erde wurde den Menschen von Gott als Amanah (anvertrautes Gut) überlassen – einerseits um auf ihr zu leben und das Zusammenleben der Menschen zu ordnen – andererseits aber auch und besonders, um sie neben dem Nutzen, den sie für die Menschheit hat, zu schützen und zu bewahren.
Weiterhin sollen die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in die sehr umfangreiche islamische Kulturgeschichte mit den Blickfeldern: Kunst, Kultur, Wissenschaft erhalten, um die Vereinbarkeit des Islam mit eben diesen Bereichen eindrucksvoll zu belegen.
In dem Themenkreis Geschichte(n) erhalten die Schülerinnen und Schüler einen knappen Überblick über die Stationen der islamischen Geschichte – und zwar wenn möglich anhand von Geschichten und Anekdoten, da diese für die Schülerinnen und Schüler einprägsamer sind. Weiterhin werden interessante Persönlichkeiten vorgestellt und aus verschiedenen Blickrichtungen betrachtet. Auch die Prophetengeschichten sollen hier ihren Raum finden.
Abschließend werden außerhalb des Themenkanons in jedem Schuljahr wichtige und aktuelle Fragestellungen behandelt, um den Schülerinnen und Schülern, wesentliche Inhalte aktueller Themen und Fragestellungen, welche den Islam in Österreich betreffen, zu vermitteln.
Die Lehrinhalte je nach Schulstufe:
SCHULSTUFE: IN FREUNDSCHAFT LEBEN
Der Schulwechsel als neue Lebensphase stellt für viele Kinder eine immense Herausforderung dar. Neben dem neuen Lehrpersonal, der neuen Umgebung, den neuen Räumlichkeiten und den wachsenden Erwartungen ist die Suche nach neuen Freunden keine einfache Aufgabe. Gerade im Alter von ca. zehn Jahren kann diese Suche, wenn nicht bestimmte Kriterien beachtet werden, zu großen persönlichen Enttäuschungen führen. Mit der Zunahme der schulischen Erwartungen tritt die Herausbildung sozialer Kompetenzen oftmals in den Hintergrund. Der Islamische Religionsunterricht erkennt hier seine Verantwortung, diese Thematik aus der religiösen, ethisch-moralischen Perspektive zu behandeln. Die islamische Vorstellung von Freundschaft kann den Schülerinnen und Schülern, den Lehrerinnen und Lehrern, den Eltern und der Gesellschaft allgemein von Nutzen sein, denn sie verbindet das Soziokulturelle mit dem Ethisch-Moralischen und erläutert die tieferen Dimensionen von Freundschaft.
Freundschaft in diesem Lebensstadium zu thematisieren bedeutet, den ersten Stein im Aufbau einer starken Persönlichkeit zu legen. Im Islamischen Religionsunterricht werden die Freundschaften des Propheten Muhammad (a.s.) als höchstem Vorbild aller Muslime beschrieben, um dem Kind folgende Werte zu vermitteln: freundschaftliches Zusammenleben, Geschwisterlichkeit, Ablehnung von jeglichem Hass, Hilfe durch Rat etc. In der Gestaltung des Unterrichtes soll von der jeweiligen Lebenssituation der Schülerinnen und Schüler ausgegangen werden, um eine höchstmögliche Identifikation mit der Thematik zu erreichen.
Themenkreis: Islam leben und verstehen (Islam, Iman, Ihsan)
In diesem Themenkreis sollen die Schülerinnen und Schüler das islamische Glaubensbekenntnis sowie die Lehre von der Einheit, Einzigkeit und Einzigartigkeit Gottes (Tauhid) kennen und verstehen lernen (vgl. Baqara 2/256; Hadid 57/2-7; al-An’am 6/95-103).
Asch-Schahada – das Glaubensbekenntnis des Islam
Die Bedeutung von La Ilaha illa-Allah
Die Bedeutung von Muhammadun-Rasulullah
Bedingungen der Gültigkeit der Schahada
Der Glaube an Allah: Tauhid
Allah ist der Schöpfer: Tauhidul-Rububiya
Nur Allah gebührt die Anbetung (´Ibada): Tauhidul-Uluhiya
Die 99 (Schönen) Namen Allahs: Tauhidul-Asma´was-sifat
Dhikr – Allahs Gedenken – eine Erinnerung!
Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass Dhikr eine sehr persönliche Form der Beziehung zu Gott darstellt, welche sowohl in der Gemeinschaft als auch im Stillen ausgedrückt werden kann. Darüber hinaus stellt sie eine wesentliche Form der islamischen Spiritualität dar. Anhand einer Auswahl der Adhkar des Propheten (a.s.) erhalten die Schülerinnen und Schüler eine konkrete Vorstellung dieser die Seele ansprechenden Worte.
„Ist es nicht so, dass im Dhikr (in Allahs Gedenken) die Herzen Ruhe finden!“ (Ar-Ra‘d 13/28)
Nahrung der Seele
Dhikr des Propheten (a.s.)
Die Schülerinnen und Schüler sollen einige Adhkar des Propheten (a.s.) verstehen und lernen – und in der Lage sein, sie im Alltag auszudrücken.
Sie sollen weiterhin wissen, dass die Bitte um Segen für den Propheten Muhammad (a.s.) – die sogenannten Salawat – im Islam erwünscht ist und von Gott besonders belohnt wird. Der Mensch, der bei der Nennung des Propheten (a.s.) keinen Segenswunsch für ihn ausspricht, wird im Hadith als geizig bezeichnet – und Allah (t) fordert die gläubigen Menschen im Qur´an dazu auf, Segenswünsche für den Propheten (a.s.) auszusprechen: „Wahrlich, Allah und Seine Engel segnen den Propheten: o ihr, die ihr glaubt, sprecht den Segenswunsch für ihn und begrüßt ihn mit dem Friedensgruß.“ (Ahzab, 33/57)
Themenkreis: Quellen des Islam
Was ist eine Quelle?
In diesem Themenkreis setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Quellen des Islam auseinander. Wesentlich für eine Einführung in die Thematik ist die Frage nach der Quelle an sich: was eine Quelle ist, warum sie notwendig ist und welches ihre Charakteristiken sind.
Wir lernen den Qur´an kennen
Indem die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Qur´an erhalten - möglichst mit einer deutschen Exegese (Tafsir) – sollen sie dazu motiviert werden, eigenständig den Qur´an zu erkunden, seine Einteilungen festzustellen und einen persönlichen Lese- und Lernplan entwickeln.
Die Einteilung des Qur´an in Ayah, Surah, Hisb, Dschuz´
Ich erhalte meinen Qur´an und entwickle einen persönlichen Lese- und Lernplan
Wir lernen die Sunnah kennen: was ist ein Hadith?
Ähnliches wie oben beschrieben gilt für die zweite Hauptquelle des Islam. Auch hier sollen die Schülerinnen und Schüler die Sunnah des Propheten (a.s.) kennenlernen und erfahren, wie ein Hadith aufgebaut ist und wann und warum sie überhaupt gesammelt wurden.
Wie ist ein Hadith aufgebaut?
Wann und warum wurden Ahadith gesammelt?
Ayat und Ahadith zum Interpretieren, Verstehen und Lernen
In dem oben genannten Kontext sollen sich die Schülerinnen und Schüler auch selber mit den Originalquellen auseinandersetzen und eine Auswahl an Versen und Prophetenaussprüchen, welche zu den Themen passen, erlernen. Der sogenannte Lichtvers etwa behandelt die Eigenschaften Allahs, während Suratul-Ikhlas als Quintessenz des Tauhid-Gedanken betrachtet werden kann.
Suratul-Ikhlas
Die Schutzsuren mit Tafsir
Al-Haschr 59/22-24
Der Lichtvers (24/35): Allahu Nurusamawati
Hadith Geschwisterlichkeit
Themenkreis: Miteinander leben (Adab und Akhlaq – Sitten- und Morallehre)
Ich entwickle mich
In diesem Themenkreis werden verschiedene Dimensionen des Miteinander-Lebens betrachtet. Zunächst einmal sollen sich die Schülerinnen und Schüler mit konkreten, für ihre Altersgruppe wesentlichen Charaktereigenschaften (und deren Gegensätzen) auseinandersetzen, diese in Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt setzen und diskutieren, ob und inwiefern diese Eigenschaften für sie einen Wert haben. Dabei sollen auch selbstkritische Blicke gefördert und erarbeitet werden, wie die eigene Persönlichkeitsentwicklung aktiv selbst gestaltet werden kann.
Dabei sollen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Frage beschäftigen, wie Freundschaft entsteht und was ihre Merkmale sind – und wie sie, etwa nach einer Auseinandersetzung oder nach einem Streit, auch wieder aufgenommen werden und stabilisiert werden kann.
Geschwisterlichkeit im Gegensatz zu: nicht nachtragend sein
Liebe im Gegensatz zu: Hass und Neid
Freundschaft
Meine Umgebung und Ich
In diesem Themenkreis geht es um die Charaktereigenschaften des Menschen gegenüber seiner nahen Umgebung: sowohl was andere Menschen angeht als auch den Ort, in dem er lebt. Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, sich für eine Beziehung zu anderen Menschen verantwortlich zu fühlen und sich aktiv für ein solidarisches und friedliches Miteinander einzusetzen. In diesem Schuljahr sollen die Schülerinnen und Schüler erfahren, welche Rechte kranke Menschen ihnen gegenüber haben und wie wichtig es ist, Ratschlag zu geben und anzunehmen. (vgl. Hadith Qudsi in Muslim sowie: Religion ist guter Ratschlag!)
Sich um den Kranken kümmern
Ratschlag geben und Ratschlag annehmen
Ich und Menschen mit anderen Überzeugungen
Wie denken andere Menschen? Welche Überzeugungen haben sie, worin gleichen sie sich und worin unterscheiden sie sich voneinander? In diesem Themenbereich sollen die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, sich mit den Überzeugungen anderer Menschen auseinanderzusetzen und ihre Wertvorstellungen und religiösen Vorstellungen kennen und schätzen zu lernen. In diesem Schuljahr sollen sie die Feste der Juden, der Christen und der Buddhisten kennenlernen und wissen, wie und warum diese gefeiert werden.
Feste im Christentum, Judentum und Buddhismus
Die Natur und Ich: Tierliebe im Islam
In dem letzten Themenkreis dieses Kapitels geht es um den Menschen und die Natur. Auch hier sollen die Schülerinnen und Schüler an das islamische Verständnis des Menschen als Khalifatullah fil-Ard (Statthalter Gottes auf Erden) herangeführt werden, dem die Erde und ihre Schätze anvertraut wurden – zur sinnvollen und nachhaltigen Nutzung, nicht aber zur Zerstörung und Vernichtung derselben. Angesichts der globalen Umweltproblematiken sollen die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass sie als Menschen für die Umwelt und ihren Erhalt verantwortlich sind und sich für langfristige und gerechte Lösungen einsetzen müssen.
In diesem Schuljahr sollen in Qur´an und Sunnah erwähnte Tiere näher besprochen und anschließend erarbeitet werden, wie der Umgang mit ihnen zu gestalten ist und wie sehr wir als Menschen auch für die gesunde Entwicklung der Tierwelt Verantwortung tragen. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, dass Tiere genau wie Menschen in Gemeinschaften leben, welche dementsprechend respektiert und geschützt werden müssen. (vgl. Al-An’am 6/38, sowie Hadith mit der Geschichte des durstigen Hundes in der Wüste, sowie Hadith mit der Geschichte der Frau, die ihre Katze einsperrte etc.) In diesem Zusammenhang könnte die Lehrerin bzw. der Lehrer ein Projekt über Patenschaften für Tiere initiieren.
Tiere in Qur´an und Sunnah
Umgang mit Tieren
Themenkreis: Islamische Kunst, Kultur, Wissenschaft
Allah ist Schön und liebt das Schöne
Dieser Themenkreis möchte den Schülerinnen und Schülern einen Überblick über wesentliche Epochen der Islamischen Kunst, der Kultur und der Wissenschaft verschaffen, so dass sie am Ende ihrer Schulzeit zumindest über ein Basiswissen der islamischen Kulturgeschichte verfügen. Es soll in diesem Kontext jedoch nicht rein historisch referiert werden, vielmehr sollen hier u.a. handlungsorientierte Methoden ihren Einsatz finden. So kann es für die Schülerinnen und Schüler beispielsweise eine Motivation sein, sich intensiv mit der arabischen Kalligraphie und den verschiedenen Stilrichtungen zu beschäftigen, wenn sie selber auch kalligraphisch tätig sind – und dann vielleicht sogar eine Ausstellung in ihrer Schule organisieren.
Islamisches Kunstverständnis
In diesem Schuljahr setzen sich die Schülerinnen und Schüler zunächst mit dem islamischen Kunstverständnis auseinander und lernen, dass sowohl die Schönheit als auch der Genuss oder sogar der Nutzen qur´anisch begründete Elemente desselben sind (vgl. al-A’raf 7/31 f.). In diesem Kontext kann diskutiert werden, inwieweit „Nutzen“ und „Kunst“ Begriffe sind, welche miteinander vereinbar sind oder einander widersprechen.
Schönheit, Genuss, Nutzen
Das arabische Alphabet – eine Wiederholung
Die Kunst der Arabischen Schrift – Kalligraphie
Der Schwerpunkt befindet sich in dieser Schulstufe auf der Kunst der arabischen Schrift – der arabischen Kalligraphie. Diese spezielle Kunstform im Islam gründet auf der Bedeutung des Qur´ans im Leben der Muslime – und auf dem Bilderverbot. Die Schülerinnen und Schüler sollen einerseits die arabische Kalligraphie kennenlernen (und die arabischen Schriftzeichen erlernen) wie auch unterschiedliche kalligraphische Schriften und Kunstwerke einordnen und einschätzen können – immer dem prophetischen Motto folgend: „Allah ist schön und liebt das Schöne.“ (as-Safarin).
Bekannte kalligraphische Stilrichtungen
Ich erkenne die unterschiedlichen Schriftarten etc.
Ich schreibe meinen Namen in arabischer Kalligraphie
Themenkreis: Islam in Österreich und in Europa
Islam in Österreich
In diesem Themenkreis sollen die Schülerinnen und Schüler Jahr für Jahr ihr Wissen über die Muslime in Österreich und in Europa vertiefen, damit sie erfahren, dass kein Widerspruch zwischen ihrem Muslimsein und ihrem Bekenntnis zu Österreich und zu Europa besteht – sondern dass vielmehr die Chance und die Aufgabe der Muslime in Österreich und in Europa gerade darin besteht, diese Identitäten miteinander zu vereinbaren, so wie auch Muslime in anderen Ländern der Welt durchaus ihre religiöse und nationale Identität miteinander verbinden. In diesem Schuljahr erfahren die Schülerinnen und Schüler, aus welchen Kulturen Muslime in Österreich stammen und in welchen Strukturen sie organisiert sind. Anschließend setzen sie sich mit der Frage auseinander, wie man die islamischen Feiertage in Österreich schön und besinnlich gestalten könnte und gestalten und feiern selber gemeinsam zumindest ein islamisches Fest – wenn möglich interdisziplinär.
Aus welchen Kulturen stammen Muslime in Österreich?
Islamische Feste in Österreich feiern
Islam in Skandinavien
Die Schülerinnen und Schüler erhalten einen Einblick in das Leben der Muslime in Skandinavien als Teil der europäischen islamischen Community. Sie erfahren, dass je nach kulturellem Hintergrund der muslimischen Bevölkerung sehr unterschiedliche Strukturen entstehen – welche jedoch in einigen wenigen Aspekten durch eine starke Ähnlichkeit ausgeprägt sind (Halal-Essen, Existenz von Gebetsräumen etc.)
Langfristig sollen die Schülerinnen und Schüler feststellen, dass die einzige Chance für ein anerkanntes und sinnvolles Leben in Europa eine – von den Heimatländern vieler muslimischen Migranten unabhängige – Organisation der Muslime ist, ähnlich der IGGiÖ.
Islam in Finnland
Seit über 200 Jahren leben Muslime in Finnland. Die Schülerinnen und Schüler erhalten aktuelle Informationen über die Muslime in Finnland, über Islamische Einrichtungen in Finnland etc. Ähnliche Informationen sollen über jedes Land vermittelt werden.
Islam in Schweden
Islam in Dänemark
Islam in Norwegen
Themenkreis: Geschichte(n)
Die Geschichte des Propheten Yusuf / Josef
Die Geschichte des Propheten Yusuf berührt sehr viele unterschiedliche Dimensionen, welche zum Teil in dieser Einheit zusammen mit den Schülerinnen und Schülern reflektiert werden sollen. Ein wichtiger Inhalt ist die persönliche Stärke des Propheten, welcher immer wieder sehr schwierige Situationen in seinem Leben zu bewältigen hatte. Dass die Beziehung zu seinen Geschwistern zumindest zu Beginn der Geschichte weder geschwisterlich noch freundschaftlich war, führt die Schülerinnen und Schüler nochmals zu der Frage, wie Liebe und Freundschaft entsteht und erlaubt ihnen auch, konkrete Bezüge zu ihrer eigenen Lebenserfahrung einzubringen. In der Erarbeitung von Stationen der Lebensgeschichte von Yusuf (der Traum, die Geschwister und die Verschwörung, Durchführung des Plans, Yusuf in Ägypten, Verführung Yusufs, Yusuf im Gefängnis, der König und sein Traum, Yusuf als Schatzmeister, Yusufs Brüder in Not, Yusuf und sein Vater Ya´qub) ergibt sich ein rundes Bild seiner Persönlichkeit, welche durchgehend von dem Vertrauen zu Gott geprägt ist und letztlich ein glückliches Ende findet. (vgl. Surah Yusuf etc.)
Sira des Propheten (a.s.)
Die Lebensgeschichte des Propheten Muhammad (a.s.) hat für Muslime eine wesentliche Bedeutung, weil er als besonders vorbildlicher Mensch angesehen wird (al-Ahzab 33/21; al-Mumtahina 60/6). Den Schülerinnen und Schülern soll anhand der Etappen des Lebens des Propheten (a.s.) vermittelt werden, welche Charaktereigenschaften der Prophet Muhammad (a.s.) hatte und welch schwierigen Situationen er schon in frühester Kindheit ausgesetzt war – aber auch, warum ihn die Menschen so sehr liebten und ihm in Scharen folgten.
Von der Geburt bis zur Offenbarung
Die sehr persönliche Geschichte des Propheten (a.s.) von seiner Kindheit als Waisenkind, über seine Hochzeit mit Khadidscha bis zum Ereignis der ersten Offenbarung.
Islam in Makkah
Die erste Zeit des Islam mit ihren großen Schwierigkeiten und Verfolgungen jeglicher Art. In diesem Zusammenhang erfahren die Schülerinnen und Schüler auch Näheres über die ersten Muslime, die Sahabah.
Islam in Madinah
Die Auswanderungen der Muslime (Hidschrah) – zuerst nach Abessinien und dann nach Madinah und die jeweilige Integrationsleistung, vor allem im Zusammenwachsen der Gesellschaft in Madinah. Was hat sich in Madinah verändert? Welche neuen Offenbarungen wurden herab gesandt? Etc.
Aktuelle Themen: Islam und Gewalt
In diesem Themenkomplex sollen aktuelle Themen behandelt und erörtert werden. Aktuell sind Themen immer dann, wenn sie die Schülerinnen und Schüler interessieren und darüber hinaus auch die Gesellschaft, in der wir leben. Das Thema Islam und Gewalt ist in den Medien sehr präsent, schon dies alleine berechtigt zur intensiven, auf Quellen gestützten Auseinandersetzung mit der Thematik. Dass Gewalt keine Lösung für Probleme darstellt, ist ebenso ein Erkenntnisziel wie auch die Tatsache, dass bei Gewalt in der Familie Handlungsbedarf besteht.
In dieser Einheit ist von der Lehrerin und dem Lehrer eine besondere Sensibilität mit der Thematik einzufordern, da einige Schülerinnen und Schüler von Gewalt betroffen sein könnten. Sinnvoll ist in jedem Fall auch eine interdisziplinäre Behandlung des Themas etwa in Form eines fächerübergreifenden Projektes.
Gewalt ist keine Lösung
Der Islam lehnt Gewalt ab
Gewalt in der Familie – was tun?!
SCHULSTUFE: DIE SCHÖPFUNG BEWAHREN
Eine Elfjährige bzw. ein Elfjähriger beginnt zunehmend, Sachverhalte zu erkunden, welche sie bzw. er bis dahin einfach geglaubt oder widerspruchslos angenommen hat. Es ist eine neue Lebensphase, in der das Kind verstehen will; so beginnt es, alles – vor allem das Metaphysische - zu hinterfragen. So thematisiert der islamische Religionsunterricht die Schöpfung, um den Schülerinnen und Schülern das islamische Konzept des Menschen als Statthalter Gottes auf Erden (Khalifatullah fil-Ard) ausführlich zu vermitteln. Die Schöpfung wurde dem Menschen von Gott als Amanah anvertraut, nachdem die Himmel und die Erde und die Berge diese Verantwortung abgelehnt haben (vgl. al-Ahzab 33/72) – dies fordert vom Menschen den vollen Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung. In der Auseinandersetzung mit der Gentechnik sollen die Schülerinnen und Schüler einen Standpunkt entwickeln, der in ihrem verantwortlichen Eintreten für die Schöpfung begründet ist und dieses auch reflektiert. Es ist Aufgabe des islamischen Religionsunterrichtes, die Schülerinnen und Schüler zu ermuntern, vom einfachen Glauben zur sicheren Überzeugung zu gelangen, dass Gott die Welt, den Menschen, die Tiere und die Pflanzen auf beste Art und Weise geschaffen hat, dass es aber für die Bewahrung und den Schutz dieser wundervollen Schöpfung eines verstärkten Engagements und einer aktiven Grundhaltung bedarf – langfristig führt dies sicherlich zur Steigerung sozialer Fertigkeiten junger Menschen. Dankbarkeit sowie das Bewahren von anvertrautem Gut sind die Charaktereigenschaften, die in ihrer Vollendung unmittelbar zur Wahrung und zum Schutz der Schöpfung führen. Die Prämisse – weder sich selbst noch anderen zu schaden – sollte jede Schülerin und jeder Schüler am Ende dieser Schulstufe verinnerlicht haben.
Themenkreis: Islam leben und verstehen (Islam, Iman, Ihsan)
Das tägliche rituelle Gebet (As-Salah)
In diesem Schuljahr beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem zweiten Glaubensgrundsatz sowie mit der zweiten Säule des Islam. In der Auseinandersetzung mit dem Gebet soll die Frage nach dem Warum und Wieso im Zentrum der Vermittlung stehen – es geht nicht um ritualisiertes Nachahmen, sondern um die Vermittlung von Sinninhalten und deren spirituelle Dimensionen. Nichtsdestotrotz müssen auch die rituellen Gebetstexte und Gebetshaltungen erlernt werden, da die Umsetzung der zweiten Säule verpflichtend ist: (al-Araf 6/73 und al-Anam 7/170) sowie der Hadith: „Der Schlüssel zum Paradies ist das Gebet, und der Schlüssel zum Gebet ist die Reinigung!“ (Ahmad)
Warum das Gebet
Die Gebetswaschung und Taharah
Voraussetzungen des Gebets
Wie verrichte ich das Gebet
Was macht das Gebet ungültig?
Das Gemeinschaftsgebet
Die Arten des Gebets
Die Engel – Allahs gehorsame Diener und Boten
Hier erfahren die Schülerinnen und Schüler alle wichtigen Informationen über die Engel und ihre Namen, Eigenschaften und Aufgabenbereiche. Es ist sicherlich angebracht, auch über die Verwendung des Wortes Engel in der Alltagssprache nachzudenken und zu überlegen, inwiefern religiöse Begriffe den Alltag prägen – wenn auch in sehr verkürzter Bedeutung. (vgl. Baqara 2/97f,285 und an-Nisa‘ 4/136; as-Sadschda 32/11; az-Zukhruf 43/77,80; al-Muddathir 74/30 f. etc.)
Wer sind die Engel?
Eigenschaften der Engel
Namen und Aufgabenbereiche der Engel
Ad-Du´a (das Bittgebet) – der sehr persönliche Bezug zu Allah
Die Schülerinnen und Schüler sollen hier erfahren, dass sie einen eigenen, frei gestaltbaren und ganz persönlichen Bezug zu Gott in ihrer eigenen Sprache und mit ihren eigenen Formulierungen haben können: „Und wenn dich meine Diener nach mir fragen, siehe, Ich bin nahe. Ich will dem Ruf des Rufenden antworten, sobald er mich ruft.“ (Baqara 2/186). Sie lernen bekannte Bittgebete kennen und werden dazu ermuntert, auch selber Bittgebete in deutscher Sprache zu formulieren. Dies soll ihnen ermöglichen, die Nähe Gottes zu spüren und sich in Seiner Gegenwart immer sicher und geborgen zu fühlen.
Allah ist immer mit mir… (Du´a)
Allah hört mich, wenn ich ihn rufe
Themenkreis: Quellen des Islam
Qur´an: Warum sukzessive Herabsendung?
Schülerinnen und Schüler erfahren in diesem Themenkreis, warum der Qur´an sukzessive herabgesandt wurde und welche Erleichterungen dies für die Menschen bedeutete. Anhand des Beispiels des Alkoholverbots, welches in vier Stadien untersagt wurde, bekommen sie einen ersten Einblick in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Qur´an.
Beispiel: Das Alkoholverbot in vier Schritten
Neben der theologischen Dimension des Alkoholverbotes sollen die Schülerinnen und Schüler auch die psychologische und gesellschaftliche Dimension dieses Verbotes erkennen und verstehen, dass Drogen jeder Art im Islam verboten sind. Die Lehrerin und der Lehrer können in diesem Kontext auch auf die Gefahren von Sucht eingehen.
Kategorien der Sunnah
Ähnliches gilt auch für die Sunnah – hier sollen die Schülerinnen und Schüler ebenso in die erste Stufe der Hadith-Wissenschaft eingeführt werden und die Kategorisierung der Sunnah in Aussagen, Handlungen und Billigungen des Propheten (a.s.) anhand von Beispielen verstehen lernen.
Aussagen (As-Sunnah Al-Qauliyah)
Handlungen (As-Sunnah al-Fi´liyah)
Billigungen (As-Sunnah at-Taqririyah)
Die Fünf Kategorien des Islam – al-Ahkam al-khamsah fil-Islam
Die Schülerinnen und Schüler informieren sich über die Fünf Kategorien, welche zu den wichtigsten Kategorien des Islam gehören. Sie teilen die Dinge ein in das Erlaubte und das Verbotene, das Erwünschte und das Unerwünschte sowie in das Neutrale bzw. Indifferente. Die Schülerinnen und Schüler sollen dazu befähigt werden, diese Kategorien inhaltlich und strukturell zu verstehen und anzuwenden. (vgl. al-A’raf 7/32,157; Yunus 10/59; sowie der Hadith: Das Erlaubte ist offenkundig … und der Hadith: Allah hat euch Dinge erlaubt … etc.)
Fard (Wadschib), Mandub (Mustahab), Mubah, Makruh, Haram
Verpflichtend, Erwünscht, Indifferent, Unerwünscht, Verboten.
Ayat und Ahadith zum Interpretieren, Verstehen und Lernen
Die im Folgenden genannten Verse und Ahadith thematisieren die Natur und die Schöpfung, welche dem Menschen von Gott gegeben wurde, um sie zu nutzen, zu genießen, sie zu ordnen, zu bewahren und zu beschützen.
Surah At-Tin 95
Surah Nuh 71/15-20
Hadith: Wer sinnlos einen Baum fällt, den bestraft Allah dafür streng. (Abu Dawud)
Das Lächeln in das Angesicht der Menschen gilt als Sadaqah (Tirmidhi)
Themenkreis: Miteinander leben
Ich entwickle mich
Passend zum Jahresmotto sollen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Charaktereigenschaften der Dankbarkeit und ihrem Antonym der Undankbarkeit sowie mit der Vertrauenswürdigkeit und dem Gegensatz der Unzuverlässigkeit auseinandersetzen und erkennen, dass gerechtes Handeln (vgl. an-Nahl 16/90; al-Ma´ida 5/8; al-An´am 6/152) in allen Lebensbereichen unerlässlich ist. Die Schülerinnen und Schüler sollen auch hier wieder ermuntert werden, sich selber auch charakterlich weiter zu entwickeln.
Dankbarkeit im Gegensatz zu: Undank
„Doch Er gab euch Gehör und Gesicht, Verstand und Gemüt, damit ihr dankbar seid!“ (an-Nahl 16/78)
„Es gehört zum Glück der Kinder Adams …“ (Tirmidhi)
Amanah (Vertrauenswürdigkeit) im Gegensatz zu: Unzuverlässigkeit
„Der hat keinen Glauben, dem man nichts anvertrauen kann!“ (Bukhari)
Gerechtigkeit
Geschichte des Kalifen Umar mit seinem Sohn.
Meine Umgebung und Ich
Eine weitere charakterliche Dimension betrifft die Gesellschaft und die Umgebung um den Menschen herum. Die Schülerinnen und Schüler sollen möglichst selbständig erarbeiten, wie Schaden definiert werden und wie er abgewehrt werden kann. In diesem Zusammenhang könnte erläutert werden, warum - wie in dem Hadith: „Verursache keinen Schaden und lasse keinen Schaden zu!“ - oftmals offene Formulierungen (Schaden) verwendet werden, obwohl es sehr umfassende Themenstellungen betrifft (vgl. auch ar-Ruum 30/41).
Schaden muss abgewehrt werden
„Keinen Schaden zufügen und keinen Schaden zulassen.“ (Malik, Ibn Madschah)
Ich und Menschen mit anderen Überzeugungen
Im ersten Teil dieses Bereiches sollen Schülerinnen und Schüler durch Diskussionen darin bestärkt werden, dass bestehende Unterschiede zu anderen Menschen nicht unbedingt zu Konflikten auf einer oder beiden Seiten oder auch zur Ablehnung führen müssen. Die Schülerinnen und Schüler sollen weiterhin darin unterstützt werden, Gemeinsamkeiten zu entdecken, diese zu artikulieren und zu präsentieren. Als Abschluss könnte in einer interreligiösen Stunde ein gemeinsames Projekt geplant oder auch durchgeführt werden.
Unterschiede – ein Grund zur Ablehnung?
Wir entdecken Gemeinsamkeiten!
Interreligiöse Stunde
Die Natur und Ich: Liebe zur Natur
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